Süddeutsche Zeitung

Schwanthalerhöhe:Weniger verdreht

Die Stadtgestaltungskommission gibt den Weg frei zur Bebauung des ehemaligen Philips-Geländes an der Ecke Ridlerstraße und Mittlerer Ring. Dafür musste der Architekt sein Konzept stark verändern

Im zweiten Anlauf hat es nun geklappt: Während die Stadtgestaltungskommission Anfang Februar noch deutliche Kritik am Entwurf für das neue Hochhaus an der Ecke Ridlerstraße und Garmischer Straße (Mittlerer Ring) formulierte und Nachbesserungen verlangte, war das Expertengremium in der jüngsten Sitzung mit dem überarbeiteten Konzept zufrieden. Das Westend kann also im Umfeld des Heimeranplatzes einen modernen städtebaulichen Akzent erhalten.

Der Neubau soll das sogenannte Philips-Hochhaus aus dem Jahr 1958 ersetzen. Zu dem Komplex gehört ein Trakt entlang der Ridlerstraße. Vorgesehen sind Büros und Geschäfte sowie eine Gaststätte mit Biergarten. Architekt Fabian Ochs aus dem Münchner Büro Ochs Schmidhuber Architekten überraschte bei der Präsentation seines ersten Entwurfs mit einem besonderen Baukörper. Die Stockwerke wirkten wie aufeinander gestapelte Kisten, die dann gegeneinander verdreht wurden.

Bei den Architekturfachleuten in der Kommission, die eine beratende Funktion für den Stadtrat hat, kam diese Art der Gestaltung allerdings nicht allzu gut an. Sie wünschten sich eine "etwas stärkere und schlankere Höhenentwicklung" sowie weniger "Verdrehung" im Erscheinungsbild. Die überarbeitete Planung sollte dann der Kommission erneut vorgestellt werden.

Fabian Ochs folgte dieser Empfehlung und zeigte sein neues Konzept: Das Gebäude wird etwas schlanker und auch um zwei Geschosse höher als ursprünglich vorgesehen. Die Verdrehungen der Stockwerke wurden etwas zurückgenommen. Insgesamt wirkt der Baukörper damit ruhiger.

Der überarbeitete Entwurf sei klar besser, sagte Architekt Peter Scheller. Das Gebäude drücke Stabilität und Ordnung aus, bei den ersten Plänen sei es nur um die Stapelung von Volumen gegangen. Für Scheller zeigt sich an diesem Beispiel, wie wichtig die Arbeit der Stadtgestaltungskommission sei, weil hier um das beste Ergebnis gerungen werde. Die Proportionen seien viel besser, meinte auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD): "Das wird ein ansprechendes, modernes Gebäude." Auch die Planungsexpertin der SPD-Fraktion, Heide Rieke, war begeistert. Der überarbeitete Entwurf gefalle ihr gut.

Ganz anders urteilte Stadtrat Marian Offman (CSU). Dass das Hochhaus um zwei Stockwerke ergänzt werde, sei erfreulich. Es betrübe ihn allerdings, dass der spektakuläre Ansatz des ersten Entwurfs nun weg sei: "Der Platz bekommt keine eigenständige Marke; den Begriff Langeweile will ich gar nicht verwenden." Auch Sibylle Stöhr (Grüne), die Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe, fand den überarbeiteten Entwurf "etwas zu brav". Stadtrat Herbert Danner (Grüne) hielt nicht viel vom Spektakel in der Architektur, aber mehr Spritzigkeit im Auftritt des Hochhauses wünschte er sich schon.

Am Ende sprach sich die Stadtgestaltungskommission ohne Gegenstimmen für den neuen Entwurf aus. Über eine Modernisierung des Areals am Heimeranplatz, in dem früher einmal Büros des Elektrokonzerns Philips untergebracht waren, gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen. Bislang ist man nicht vorangekommen, nun kann gebaut werden. Nicht nur die veralteten Komplexe verschwinden, an der Einfahrt zum Trappentreutunnel über den Mittleren Ring in die Stadt wird bald auch die Skyline mit dem ADAC-Hochhaus und dem Fraunhofer-Turm durch den Neubau ergänzt. Der anschließende Gewerbebau aus den Achtzigerjahren, zwischen dem Hochhaus und der Bahnlinie, soll nicht abgerissen werden. Für ihn ist eine Überarbeitung und Modernisierung vorgesehen.

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SZ vom 12.04.2018
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