Schwanthalerhöhe Party in der Parkbucht

Straßen sind nicht nur für Autos da, man kann sie auch zur Erholung nutzen, demonstrierte Green City voriges Jahr in der Reichenbachstraße.

(Foto: Catherina Hess)

Der Plan, in der Schwanthalerstraße acht Stellplätze zu streichen und sie so für zehn Wochen zur "Summer Street" zu machen, stößt auf Widerstand der Bürger. Sie befürchten, dass dieser neue Freiraum von Feiernden okkupiert wird

Von Birgit Lotze, Schwanthalerhöhe

Das Summer-Street-Modell, das in der Schwanthalerstraße für zehn Wochen eingeführt werden soll, könnte bereits vor der Probephase scheitern. Es stößt bei Anwohnern auf Kritik. Eigentlich sollen eben sie davon profitieren: Acht Parkplätze sollen wegfallen, in den freien Buchten sollen sich Anwohner unter Pflanzen erholen, Nachbarn treffen, Straßenraum vorübergehend zurückerobern. Was sie von der "erweiterten Aufenthaltsqualität" halten, äußerten sie schon zwei Tage vor einer dafür angesetzten Veranstaltung.

Sechs Anlieger machten im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe ihrem Unmut Luft. Was sich die Stadt da vorstelle, entwickle sich nicht zu Erholungsinseln für Anwohner, sondern zu Freischankflächen der Kneipen, sagte eine Bürgerin. Mit Sitzplätzen ausgestattete Parkbuchten würden vor allem von den Besuchern einer angrenzenden Bar und eines Kiosks mit Getränkeverkauf genutzt, befürchtet eine andere. "An dieser Stelle nicht zielführend", resümierte ein Bürger. Sie seien schon belastet, kritisierte eine weitere Anwohnerin: "Irgendwann reicht es uns."

Außerdem fühlten sie sich überrumpelt. Schließlich sollen bereits im Juli die Parkbuchten zu "Parklets" werden, wie man die möblierten Straßenräume nennt. Das Vorgehen der Stadt sei "unmöglich", monierte eine Bürgerin. Sie hätten aus der Presse von dem Vorhaben erfahren. Erst danach habe die Stadt informiert - kurz vor der kurzfristig angesetzten Bürgerveranstaltung. Ulrike Boesser (SPD), eine der zwei Antragsteller im Stadtrat, zeigte sich auch nicht glücklich über die Terminierung. Doch der Stadtrat habe erst vor zwei Wochen die Vorberatungen abschließen können. Überzeugt sei sie allerdings vom Projekt an sich, sagte sie. Die Anwohner bekämen "freie Hand", sie bestimmten, was in den Parklets gemacht werde. Falls die Parkbuchten als Partyzone missbraucht würden, könne man sie kurzfristig schließen. Und überhaupt: Man müsse die Summer Street nicht an dieser Stelle einrichten. "Es ist ein Angebot, eine Idee, aber man muss das nicht übers Knie brechen."

Es gehe darum, Lebensqualität zu steigern, nicht zu ruinieren, ergänzte ihr Fraktionskollege Holger Henkel. Florian Kraus (Grüne) wies darauf hin, dass ein solches Projekt für die Schwanthalerstraße bereits seit Jahren diskutiert und gewünscht werde. Die BA-Vorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne) forderte die Anlieger wiederholt auf, ihre Bedenken bei der Veranstaltung am Donnerstag einzubringen. Cenk Genc (FDP), der mit den Betreibern von Bar und Getränkekiosk geredet hat, stellte fest, dass deren Bedenken denen der Anwohner ähneln. "Dafür müssen wir eine Lösung finden."

Die Anträge für die Summer Streets gehen zurück auf Vorbilder aus Städten wie Stockholm. Auch der Bereich zwischen Alpen- und Edelweißplatz in Giesing und die Westenriederstraße in der Altstadt sollen probeweise umgestaltet werden. Auf dem Zenettiplatz im Schlachthofviertel wurden 2018 bereits Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt gesammelt. Dort stellten die Bürger mithilfe der Stadt und von Green City von Sonntagsbrunch bis Mal- oder Yogastunde einiges auf die Beine. Heuer wollen sie weitermachen. Allerdings hatte dieses Projekt einen langen Vorlauf.

Im Lichte der vehementen Wortmeldungen auf der Schwanthalerhöhe erscheint eine Entscheidung der Lokalpolitiker im Stadtbezirk Schwabing-Freimann vom Juli 2018 als geradezu prophetisch. Da ging es noch darum, welche Straßen sich überhaupt als Summer Street eignen - um die Occamstraße, auch den Wedekindplatz. Doch das Gremium lehnte ab, befürchtete massive Anwohnerbeschwerden - ähnlich wie am Gärtnerplatz.

"Saisonale Umnutzung von Straßenräumen": Veranstaltung zur Information und Beteiligung der Bürger am Donnerstag, 6. Juni, 18 Uhr, Gaststätte Bürgerheim, Bergmannstraße 33.