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Schwanthalerhöhe:Möglichst viel Rabatz

Jetzt setzt sich auch OB Dieter Reiter für den Erhalt der einzigen Postfiliale im Viertel ein

Von andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Die Unterstützung für den Erhalt der Postfiliale an der Bergmannstraße ist zu einer Welle angeschwollen. Über 1000 Unterschriften zählen sie inzwischen im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe, der den Protestzug auf den Weg gebracht hat und organisiert. Prominentester Mitstreiter ist Oberbürgermeister Dieter Reiter. In einem Schreiben an die Vorstände der Deutschen Postbank AG und der Deutsche Post AG spricht er sich für die Fortführung der einzigen Zweigstelle im Viertel aus, auch weil flächendeckend verteilte Postdienstleistungen für ihn zu einer guten Infrastruktur der Stadt gehörten.

Ende 2021 soll die Filiale endgültig dichtmachen, wie ein Sprecher der Deutschen Postbank AG im Januar erklärt hat. Unter deren Ägide wird die Station seit 2010 betrieben. Weil bereits Wochen vorher entsprechende Gerüchte die Runde im Viertel gemacht hatten, schlugen Lokalpolitiker Alarm und wandten sich an die Stadtspitze mit der Bitte um Unterstützung. Die kam auch prompt vom Oberbürgermeister. In seinem Schreiben verweist Reiter auf die zentrale, verkehrlich bestens angebundene Lage des Stützpunkts. "Auch vielen älteren, mobilitätseingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern liegt der Standort am Herzen."

Dieter Reiter richtet sich in seinem Brief explizit auch an die Deutsche Post AG, den kleinen Kooperationspartner der Entscheiderin Postbank AG, die ja inzwischen in der Deutschen Bank AG aufgegangen ist. Er bittet die Post als Dienstleister, "auch von Ihrer Seite auf die Postbank einzuwirken... Der Erhalt des Standorts müsste aufgrund seiner starken Kundenfrequentierung auch in Ihrem Interesse liegen."

Kundenfrequenz, hatte der Postbank-Sprecher im Januar erklärt, sei kein entscheidendender Indikator. Vielmehr müsste für sein Haus das Verhältnis von klassischem Postgeschäft und der "Nutzung von Bankprodukten" ausgewogen sein. Das sei es aber nicht. Deshalb könne die Zweigstelle nicht kostendeckend betrieben werden. Sollte es seitens der Postbank kein Einlenken geben, konstatierte der OB in seinem Schreiben, müssten Filialpartner in nächster Nähe gefunden werden, die alle angebotenen Postdienstleistungen übernähmen.

Eben diesen Downgrade versucht der Bezirksausschuss (BA) mit Vehemenz zu verhindern. Seit Mitte Januar legen dessen Mitglieder Unterschriftenlisten in den geöffneten Geschäften des Viertels aus und starteten mittlerweile auch eine Online-Petition (https://kurzelinks.de/pk52). "Über 1000 Unterschriften sind es schon", bilanzierte Vorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne) am Dienstag in der Sitzung des Gremiums, neue Listen für die Läden müssten nachgedruckt werden, bis Ende März soll die Aktion laufen.

Diesen Dienstag hat sich auch die Stadtratsfraktion Die Linke/Die Partei dem Unterstützerkreis angeschlossen; sie fordert in einer Anfrage eine Analyse der vielen über die Stadt verteilten Postbank-Schließungen in den vergangenen Jahren und will wissen, wie's überhaupt noch um die wohnortnahe Versorgung mit Postdienstleistungen aussieht. Und ob der Stadt die Immobilien nach der Filialschließung zum Kauf angeboten worden sind. Sibylle Stöhr gibt sich im BA kämpferisch: "Schön, dass wir Rabatz machen; ein bisschen was hat sich ja schon getan."

© SZ vom 11.02.2021
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