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Schwanthalerhöhe:Mitten in der Stadt verrottet ein Haus

Dönerhaus Schwanthalerstraße Ruine

Während das sogenannte "Dönerhaus" (links) vor sich hin verfällt, sind im "Schnitzelhaus" (re.) neuerdings Ausbauten im Gange.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Das sogenannte Dönerhaus an der Kreuzung Schwanthalerstraße/Schießstättstraße verfällt immer weiter.
  • Weil dadurch Ratten und Tauben angelockt werden, sorgen sich die Anwohner um ihre Gesundheit.
  • Der Eigentümer hat eine befristete Genehmigung für den Bau eines Hotels mit Gastronomie.

Von Andrea Schlaier

Es gibt viele Menschen, die sich nicht wundern würden, wenn an der Ecke einmal unter Getöse krachend Wände und Dach einstürzten, aus jeder freien Ritze Ratten flitzten, Tauben und was sonst nicht alles auffliegen und sich aus dem Staub machen würden. Unappetitlicher Bauschutt wäre alles, was vom so genannten Dönerhaus an der Kreuzung Schwanthalerstraße/Schießstättstraße übrig bliebe. Und es gibt viele Menschen, die nicht unfroh wären, dass damit die Geschichte dieses heruntergekommenen Häuschens endlich auserzählt wäre.

Doch wie es scheint, nehmen die noch ausstehenden Kapitel dieser Story kein Ende. Der Eigentümer hat auf dem Grundstück an der Schwanthalerstraße 119 nach wie vor eine befristete Genehmigung für den Bau eines Hotels mit Gastronomie in der Tasche, freilich ohne diese Möglichkeit in den vergangenen Jahren öffentlich sichtbar umgesetzt zu haben.

Stattdessen rottet das mattgelbe Gebäude vor sich hin; die Stadt ließ den Gehsteig sicherheitshalber absperren, nachdem der Hausherr auf Hinweise zum gefährlichen Zustand der Ruine nicht reagiert hatte. Im Gegensatz dazu geht im zweiten prominenten Leerstand des Viertels, dem so genannten Schnitzelhaus schräg gegenüber, gerade etwas voran. Vom Gebäude hängen weiße Planen. "Der Ausbau läuft", heißt es im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe.

Im Dönerhaus hätten sich neuerdings, das kam im Gremium zur Sprache, "illegale Bewohner" breit gemacht, sagte SPD-Fraktionssprecher Willy Mundigl. Und das in einer Bruchbude, "in der auch das Treppenhaus morsch und nicht begehbar ist", wusste Thomas Hofstätter (CSU) zu berichten. Die Polizei solle das mal prüfen. Rudolf Stadler von der zuständigen Polizeidienststelle an der Beethovenstraße, bei der Sitzung anwesend, zog die Augenbrauen weit hoch: "Der Eigentümer weiß das, sagt aber, das ist ihm wurscht. Meine Kollegen sagen, sie gehen da ohne entsprechende Ausrüstung nicht rein."

Im Lokalgremium will man diese Entwicklung der Stadt mitteilen; im ständigen Briefkontakt steht man in Sachen Dönerhaus ohnehin miteinander. Gerade hat die Lokalbaukommission dem Bezirksausschuss ihr Antwortschreiben auf die Klage einer Nachbarin zukommen lassen. Diese hatte über die Taubenplage in dem Leerstand geklagt und daraus resultierende gesundheitliche Bedenken angemeldet.

Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht

"Nach dem hier anzuwendenden Infektionsschutzgesetz kann die Landeshauptstadt München als Gesundheitsbehörde wegen Tauben nur dann rechtlich begründbare Anordnungen gegen den Haus- und Grundstückseigentümer erteilen, wenn konkrete Tatsachen das Auftreten und die Verbreitung einer übertragbaren Krankheit befürchten lassen." Diese Voraussetzung, so heißt es in der sehr dezidierten Mitteilung weiter, lägen nach Überprüfung durch das Referat für Gesundheit und Umwelt jedoch nicht vor.

Die Stadt prüfe aktuell gleichwohl, ob durch Erlass eines förmlichen Baugebots nach Paragraf 176 des Baugesetzbuches der "unbefriedigende Zustand" des Hauses beendet werden könne. Die Kommune kann mit diesem Instrument unter bestimmten Bedingungen den Eigentümer verpflichten, das Grundstück innerhalb einer angemessenen Frist zu bebauen. "Eine kurzfristige Lösung", das prognostiziert die städtische Verwaltung jetzt schon, "ist hierbei aber nicht zu erwarten."

© SZ vom 18.09.2018/vewo
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