Süddeutsche Zeitung

Schwanthalerhöhe:Flecken am Schneckenplatz

Da der Kalksteinbelag dort gegen Feierrückstände sehr empfindlich ist, fordern Politiker ein Schutzkonzept

Der "Wachenzeller Dolomit" ist ein empfindliches Wesen. Was er überhaupt nicht leiden kann, sind Glühwein, dunkler Rebensaft, Frittenfett und auch bei Motorenöl kriegt er einen regelrechten Ausschlag. Ungünstig ist nur, dass er damit regelmäßig in Berührung kommt. Erstmals wurde dieser Sonderbelag aus bayerischem Kalkstein münchenweit auf dem sogenannten Schneckenplatz, der Fläche zwischen Bavariapark, Theresienhöhe und Verkehrsmuseum, eingesetzt. Genau hier also, wo seit Jahren laufend Veranstaltungen stattfinden. Damit diese nicht länger unschöne Spuren auf dem sensiblen Grund hinterlassen, hatte die Bürgerversammlung im Viertel im Juni die Empfehlung an die Stadt ausgegeben, den Bereich doch beschichten und damit vor unliebsamer Kleckerei schützen zu lassen; der Bezirksausschuss unterstützt den Vorstoß mit einem entsprechenden Antrag. Die Baureferat hat die Idee jetzt aber schriftlich abgelehnt.

Viele im Viertel lieben den Platz neben der mächtigen steinernen Schneckenskulptur so sehr, dass sie das Gelände drumherum kurzerhand nach dem bedächtigen Tier benannt haben. Und hier feiern sie eben auch gerne und würden das noch viel häufiger tun, so bekannte eine Anwohnerin am Mikrofon bei der Bürgerversammlung, wenn der Kalkstein anschließend eben nicht wie ein unappetitlicher Fleckerlteppich aussehen würde.

Allein: "Eine Versiegelung der Platzfläche ist technisch nicht möglich", hat das Baureferat den Bezirksausschuss jetzt wissen lassen. Die würde auf dem Kalkstein die "kapillare Leitfähigkeit" unterbrechen oder stark verringern und dadurch dessen Frostbeständigkeit verschlechtern. Gleichzeitig wisse man wohl, dass sich auf dem Belag Öle, Schmierstoffe und insbesondere Frittierfette sowie farb- und gerbstoffhaltige Getränke aus dem Naturstein nicht mehr entfernen ließen. Auch deshalb müssten sich alle Veranstalter auf dem Platz vor ihrem jeweiligen Event detailliert mit dem Baureferat absprechen.

Was also tun? Eine mögliche Alternative sieht die Behörde in der Verlagerung von Festivitäten etwa auf den Georg-Freundorfer-Platz. Im Bezirksausschuss schlägt man stattdessen einen anderen Weg vor. In einem von dessen SPD-Fraktion initiierten Antrag wird die Verwaltung aufgefordert, Kosten für den Austausch des "Wachenzeller Dolomit" erst mal für einen Quadratmeter zu ermitteln. Hätte man die Summe, ließe sich diese ins Verhältnis zu einem möglichen Schutzkonzept des Bodens setzen. "Verkehrsbeständige Planen", die für die Dauer einer Sause aufgelegt werden, schweben den Lokalpolitikern etwa vor. Eine Sperre der Fläche sieht man während der Wiesnzeit als Lösungsmöglichkeit, wenn hier durchgängig 150 bis 200 Fahrzeuge parken. "Hierdurch", so heißt es in dem Antrag, "besteht eine erhebliche Gefahr für den schutzbedürftigen Belag durch Verlust von Öl und Schmierstoffen." Stattdessen könnten die Fahrzeuge in der sogenannten Messetiefgarage abgestellt werden, und damit wären die generell unliebsamen Oktoberfest-Parker, die man lange schon versucht vom Schneckenplatz zu vertreiben, endlich in den Untergrund verbannt.

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Quelle:
SZ vom 25.09.2018
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