Schwanthalerhöhe Erst die Praxis wird es zeigen

Platz ist in der kleinsten Lücke: Parkraum ließe sich auch anders nutzen, wollte Green City 2018 bei einer Aktion an der Reichenbachstraße zeigen.

(Foto: Catherina Hess)

Ende Juni entscheidet sich, ob die Stadt auf der Schwanthalerhöhe als Pilotprojekt eine Sommerstraße einrichtet

Von Alfred Dürr, Schwanthalerhöhe

Wenn die Stadt mehr Grün- und Freiflächen an den Straßenrändern verspricht, kommt das bei den Bürgern im Viertel meist gut an. Problematisch wird es aber, wenn es darum geht, konkrete Projekte zu verwirklichen. Dass demnächst den Sommer über an der Kreuzung der Schwanthalerstraße und der Parkstraße acht Auto-Parkbuchten zugunsten gemütlicher Ruhezonen verschwinden sollen, gefällt einigen Anwohnern überhaupt nicht. Bei einer Informationsveranstaltung des städtischen Baureferats und der Umweltorganisation Green City äußerten sie ihre Bedenken.

Vor diesem Termin waren die Kritiker bereits im Bezirksausschuss aufgetreten. Befürchtet wird vor allem, dass wegen der Gastronomie im Umfeld eine Partyzone im Freien entstehen könnte. "Es ist jetzt schon ziemlich laut", sagte ein Anwohner der Parkstraße. "Ich habe die Sorge, dass es noch schlimmer wird, schlafen kann ich kaum noch, wir haben alte Fenster."

Eine Bürgerin fand es befremdlich, dass auf den Freiflächen Beete angelegt werden könnten: "Will das abgasverseuchte Gemüse etwa jemand essen?" Andere Redner wollten wissen, wer sich um die Pflege der grünen Zonen kümmert. Könne man nicht einen besseren Effekt erzielen, wenn man die Ruheoasen über das Viertel verteile und sie nicht an der Kreuzung Park- und Schwanthalerstraße konzentriere, meinte eine Frau. Dafür bekam sie viel Applaus, und Vorschläge hatten die Bürger auch schon: Etwa vor der Parkstraße 18, an der Ligsalzstraße vor dem Buchladen, vor dem Edeka an der Gollierstraße oder vor der Tulbeckstraße 9. Auch Kinder waren anwesend und notierten auf einem Poster, welche Spielmöglichkeiten sie sich im Viertel wünschten. Die Bürger debattierten darüber sachlich und in ruhiger Atmosphäre. Die Kritik richte sich nicht gegen die gute Idee, wurde immer wieder betont.

Voraussichtlich am 26. Juni wird der Stadtrat darüber entscheiden, ob er für das Pilotprojekt an der Park- und Schwanthalerstraße 100 000 Euro zur Verfügung stellt. Um den öffentlichen Raum aufzuwerten, der angesichts des hohen Bauvolumens und des zunehmenden Verkehrs immer mehr bedroht wird, will die Stadt zeitlich begrenzte Tests in zwei Stadtvierteln starten, einmal mit den umgewidmeten Parkbuchten und zum anderen durch die Sperrung eines Straßenabschnitts in Giesing für Autos. Für letzteres will man 60 000 Euro aufwenden.

Quer durch die Fraktionen waren Anträge zur Einrichtung von "Sommerstraßen", die es bereits in vielen anderen Städten gibt, gestellt worden. Heinz Grünberger vom Baureferat sagte, die Bürger im Westend seien die ersten, die in den Genuss solcher "Parklets" kommen würden. Sie könnten vorschlagen, wie die Podeste in den Parkbuchten gestaltet werden: mit Bäumen oder Sträuchern, Beeten, Fahrradparkplätzen oder auch Sandkästen. Im Sommer sei der "Parkdruck" nicht so hoch, da könne man gut an einem konkreten Beispiel überprüfen, ob das Konzept funktioniert.

Man habe den Bereich Park- und Schwanthalerstraße für den Testbetrieb ausgesucht, weil die Flächen hier gut gestaltet werden können, sagte Stadträtin Ulrike Boesser (SPD). Insgesamt stehen den Bürgern in den kommenden Wochen 80 zusätzliche Quadratmeter Freiraum zur Verfügung. "Wenn es tatsächlich eine Partyzone werden würde, wäre der Versuch sofort beendet", sagte Boesser. Ein Dogma sei die Parkstraße nicht, man könne auch über andere Bereiche nachdenken. Man solle jetzt aber die Aktion zur Verbesserung des Straßenraums nicht zerreden, sondern beherzt die Aktion starten, sagte Silvia Gonzales von Green City.

Am Tag nach der geplanten Stadtratsentscheidung soll ein weiterer Info-Abend stattfinden. Dabei geht es auch darum, wie die Bürger an der Gestaltung der Flächen mitwirken können. Eröffnet würden die "Parklets" am 12. Juli. Das Ende des Testbetriebs ist für den 20. September vorgesehen.