Süddeutsche Zeitung

Schwanthalerhöhe:Ein Fest für eine Frucht

Initiative will "1. Münchner Tomaten Festival" veranstalten

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Siggi Fuchs ist vieles. Ein Bauer, der mitten in der Großstadt lebt; ein Landwirt ohne Vieh, dafür aber mit großem Sinn für die Reinheit von Bodenfrüchten. Auch Idealismus und Freigeist sind ihm im Übermaß gegeben. Wie schön würde sich zum Schluss noch ins formulierte Bild fügen, Siggi Fuchs' gärtnerisches Herz zu beschreiben, als eines, das für tief Rotes schlägt.

Stimmt nur eben nicht. Weil Tomaten halt nicht zwangsläufig rot sind. Es gibt sogar weiße, auch schwarze und manche sind gestreift wie ein Zebra. Das, was die Österreicher Paradeiser nennen, ist die Passion des Mannes aus dem Westend. Und ihr zu Ehren will Siggi Fuchs zusammen mit den Veranstaltern der Kulturgipfel GmbH Mitte August das "1. Münchner Tomaten Festival" veranstalten.

Im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe sind einige schier aus dem Häuschen, dass "der Siggi", der für die Tomate lebe, jetzt auch so eine "tolle Idee" umsetzen will. Zusammen mit Kulturgipfel-Geschäftsführer Jochen Gnauert stellt er sie um Unterstützung werbend vor, damit die Stadt dem Antrag in der Folge auch stattgebe. Als Abschlussveranstaltung der Kunst- und Kulturtage im Westend soll sie am 15. August bevorzugt am sogenannten Schneckenplatz beim Bavariapark für "sortenreine Tomaten, deren Geschichte, deren Anbau, deren vielfältigen Geschmack und Verarbeitungsmöglichkeiten" werben und gleichzeitig "ein Bewusstsein für einen sorgfältigen Umgang mit der Natur schärfen". Verkostung, Kochwettbewerb und Kulturprogramm inklusive.

Die Veranstalter sind grade bei der Akquise: Hobbygärtner und Kleingartenverband, Green City, Bund Naturschutz, Eismacher und Ökologisches Bildungszentrum, Sterneköche regionale, nationale und internationale "Tomatenakteure" wolle man gewinnen, sagt Gnauert. "Und wir wollen einige motivieren, von uns festgelegte Samen zu ziehen, die wir dann im Sommer präsentieren können." Zum Mitmachen gewonnen hätten sie schon ein traditionelles Frauenkloster in Griechenland, das eine Samenbank für alte Tomatensorten habe und ihnen diese zukommen ließe. Der Kontakt kam über Costas Gianacacos vom Griechischen Haus zustande.

Siggi Fuchs kultiviert selbst 170 traditionelle Tomatensorten. Seine "Waldgärtner Wirtschaftsgemeinschaft" mit Feldgrund in Höhenkirchen war 2009 die erste Solidarische Landwirtschaft in Bayern. Eine also, die von den Beiträgen der Mitglieder getragen wird und unabhängig von marktwirtschaftlichen Zwängen arbeitet. Mit ihrem ökologisch angebauten Gemüse werden die Mitglieder versorgt. Eine der Verteilstationen ist bei Siggi Fuchs zuhause an der Schrenkstraße im Westend, eine andere im Impact Hub an der Gotzinger Straße.

Warum er seine Leidenschaft so groß in Szene setzen will? "Ich ziehe seit 20 Jahren Tomaten und find's schade, dass die ganze Welt fast nur die Hollandtomate kennt, obwohl es so viele verschiedene gibt", sagt Fuchs. Der Sozialpädagoge hat sich sein gärtnerisches Wissen selbst angeeignet. Und längst mit der Frucht seiner Ernte Anerkennung gefunden - auch in der Münchner Sterneküche.

Wer Lust hat, eine der ausgewählten Tomatensamen zu ziehen und beim ersten Tomaten-Festival am 15. August zu präsentieren, kann sich unter der Mail-Adresse festival@kulturgipfel.de melden.

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SZ vom 10.02.2020/flud
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