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Schwanthalerhöhe:Augen auf, Nachbarn!

Open Westend 2018
Aktzeichnen im Atelier von Regine von Chossy, Das Modell Christian Silys ist mit der Veröffentlichung einverstanden, der Fotograf sagt, es ist nicht nötig, dass wir ihn nennen

Still halten: Im Atelier von Regine von Chossy können sich am Wochenende Interessierte im Aktzeichnen üben.

(Foto: Privat)

Aufmerksamkeit durch Irritation: Beim Open Westend setzen die Veranstalter auf "Fremdgänge" im Viertel

Beim Lieblingsfriseur baumelt neuerdings Schmuck von der Decke, an den Straßenlaternen hängen merkwürdige Nasen-Skulpturen, beim Gemüsemann an der Bergmannstraße liegt ein menschlicher Kopf zwischen Auberginen und Blumenkohl, der Fischhändler beim Wochenmarkt am Georg-Freundorfer-Platz hat auf der Theke diesen merkwürdig durchsichtigen Stör liegen, der alles offenbart, was er sich zuletzt einverleibt hat: Köderfische aus dem Anglerbedarf. Täglich neu ploppen zurzeit Merkwürdigkeiten wie diese im Alltag auf der Schwanthalerhöhe auf. Allesamt sind sie Vorboten fürs Open Westend, bei dem von Freitag, 16., bis Sonntag, 18. März, Kunstschaffende wieder ihre Ateliers fürs Publikum öffnen. Das Motto der Reihe lautet in ihrem 17. Jahr: "Fremdgänge".

Aufmerksamkeit durch Irritation - diesem Mechanismus folgend sollen die Hingucker funktionieren. Nicht nur vor, sondern auch während des langen Wochenendes setzen die Veranstalter auf dieses Prinzip. Besucher des Open Westends, sagt Alexandra von Guilleaume vom Organisations-Team, sollen auf Entdeckungsreise gehen und sich durch die ungewohnten Ausstellungsorte inspirieren lassen. Die Silberschmiedin und ihre Schmuckateliergemeinschaft "Silberfisch" selbst gehen mit den eigenen Objekten etwa ins benachbarte Fraunhofer-Institut, Hansastraße 27c. Andreas Eichlinger und Josef Wollinger "betakeln" in St. Rupert am Gollierplatz ein echtes Segelboot vom Chiemsee und nennen die Installation "Das Narrenschiff" entsprechend der spätmittelalterlichen Moralsatire.

Natürlich, versichert von Guilleaume, würden auch alle Ateliers und Veranstaltungsorte wieder wie gewohnt geöffnet. Die Aufforderung ans Publikum, nicht nur durch die Galerien zu bummeln, sondern selbst mitzugestalten, ist 2018 besonders nachdrücklich: Mittöpfern lässt sich bei den Keramikern Lisa Muck und Dominik Szeike an der Guldeinstraße 33, bei Regine von Chossy stellt sich Modell Christian für Aktzeichen-Lustige zur Verfügung; das Atelierfenster zur Gollierstraße 85 ist so lange zugehängt. "Wir wollen etwas Besonderes bieten, was man sonst entweder so nicht sehen oder nicht spontan ausprobieren kann, erläutert Alexandra von Guilleaume. In ihrer Silberschmiedewerkstatt an der Heimeranstraße 55 haben zwölf Interessierte die Chance, zu erfahren, wie man aus einem flachen Silberblech einen Becher schmiedet oder wie aus Silberabfällen ein Löffel entstehen kann.

Den Anfang macht am Freitag um 19.30 Uhr der Dokumentarfilm "Deutsch oder Polnisch" von Bernhard und Moritz Springer in der ABC Westside Galerie, Ligsalzstraße 29. Von 18 bis 21 Uhr öffnen an dem Abend auch die übrigen Galerietüren. Am Samstag, 17. März, springen sie von 12 bis 20 Uhr auf und am Sonntag, 18. März, von 12 bis 19 Uhr. Wie immer sind reichlich Sparten vertreten: Malerei, Bildhauerei, Foto- und Videokunst, Kunsthandwerk, Musik, Tanz und Schauspiel. Details unter www.openwestend.de. Auch sonst gilt: Augen auf!