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Schwabing:Zu eng

Slalom unter erschwerten Bedingungen: Dass nicht alle Radler berührungsfrei durch die Umlaufsperren kommen, ist an den Schleifspuren auf den Metallstangen zu sehen.

(Foto: privat)

Am Weißenhofweg entlang der Schienen der Tramlinie 23 sollen Umlaufsperren Unfälle verhindern. Aber ausladende Räder schrammen an den Pfosten entlang. Betroffene fordern Abhilfe

Von Nicole Graner, Schwabing

Die grauen Metallpfosten sind ordentlich zerkratzt. Schleifspuren überall, besonders an den Innenseiten. Die Fahrrad-Umlaufsperren, die entlang des Weißenhofweges und der Trasse der Tram 23 aufgestellt sind, sind, wenn man so will, ein einziges Beweismittel dafür, dass viele Räder an den Pfosten entlang schrammen, wenn sie sich durch die Absperrungen schlängeln. Mit einem normalen Fahrrad kommt man, im Selbstversuch getestet, ohne Kratzspuren durch. Langsam und mit zusätzlicher Balancier- oder Stopphilfe der Füße. Doch hätte man ein Rad mit Satteltaschen, ein Lastenfahrrad oder einen Kinderanhänger? Oder wäre gar mit einem Rollstuhl unterwegs?

"Keine Chance", sagt Ines Steinheimer, die diese Strecke täglich zur Arbeit fährt und sich im Verein Munichway für bessere Radwege engagiert. Sie hat den Weg genau unter die Lupe genommen und sogar ein Video ins Netz gestellt. Fahrräder mit Anhängern kommen nur um die Sperren herum, wenn man sie vorsichtig um die Pfosten herumbugsiert oder das Fahrrad schiebt. Mit einem Lastenfahrrad geht das kaum. Im Video hievt da zum Beispiel eine Frau erst das vordere Teil um die erste Sperre, indem sie das Rad hinten anschiebt und vorne lenkt. Klar also, woher die Kratzspuren an den Pfosten kommen. Eine "Schikane" nennt das Steinheimer und erzählt, dass sich eine Freundin bereits an einer der Umlaufsperren verletzt habe. "Sie ist mit den Satteltaschen hängen geblieben und gestürzt". Immer wieder passierten Unfälle.

Laut Steinheimer entsprechen die Sperren nicht der DIN-Norm 18040-3 für barrierefreies Bauen. Darin ist zu lesen: "Ziel dieser Norm ist die Barrierefreiheit baulicher Anlagen, damit sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind". Außerdem heißt es weiter, müsse ein "bequemes und sicheres Durchfahren mit Rollstühlen ... oder einem Fahrradanhänger ohne Rangieren" möglich sein.

Viele Radler, die an einem sonnigen Tag auf dem Weißenhofweg unterwegs sind, haben sich auf die Umlaufsperren mit den Schildern "Straßenbahn hat Vorrang" eingestellt, manche sogar eine regelrechte Kunst entwickelt, um die Pfosten herumzufahren, ohne sie zu berühren. Auch Kinder auf Rollern arrangieren sich - auf ihre Art.

Vom Schwabinger Tor kommend wechselt der Radweg bis zur Endhaltestelle der Tram 23 ständig die Seiten. Schilder, die den Fahrradweg markieren, gibt es nicht. Kurz vor der Haltestelle "Am Münchner Tor" gibt es einen "Trampelpfad", der rechts an der Umlaufsperre vorbeiführt. Ein markanter Punkt ist die Tram-Haltestelle Domagkpark. Die Umlaufsperre vor der Unterführung ist jene mit den meisten Kratzern. Auch an der Sperre an der Haltestelle Anni-Albers-Straße hat sich ein "Ausweichweg" über die Wiese gebildet. Viel einfacher so.

Und dann kommt die Post. Vollbepackt sind die Lenkertasche und die mit zwei gelben Kisten bestückte hintere Ladefläche des Fahrrads. "Langsam, ganz langsam und im ersten Gang" umfahre sie täglich die Sperren, erzählt die Postbeamtin. Sie seien schon sehr eng. Vor allem im Winter sei die Durchfahrt "blöd und oft sehr rutschig". Auch sie moniert, dass der Radweg mit seinen Richtungswechseln nicht ausreichend markiert sei.

Ines Steinheimer jedenfalls hat nun ihren Ärger in einem Bürgerantrag in Worte gefasst und sich an den Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann gewandt. Sie fordert, die "Umlaufsperre entlang der Tram 23 so zu versetzen, dass ein gefahrloses Passieren dieser Sperren für Radfahrer, Rollstuhlfahrer und andere Verkehrsteilnehmer möglich ist". Auch sollen sich die beiden Gitter nicht mehr überlappen. Ebenfalls fände es Steinheimer "sinnvoller", wenn nicht die Radwege durch Umlaufsperren verlangsamt würden, sondern die Übergänge der Tram mit Umlaufsperren gesichert wären. Hier geht es ihr vor allem um die Sicherheit der Kinder. An der Endhaltestelle Schwabing Nord gibt es zum Beispiel keine Absicherungen. Der BA stimmte allen Forderungen im Antrag zu.

© SZ vom 16.06.2021
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