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Schwabing-West:Wenig mähen, viel summen

Wildblumen am Münchner Lenbachplatz

Wenn Wildblumen länger blühen, steigt das Nahrungsangebot für Insekten aller Art.

(Foto: Catherina Hess)

Stadt ändert Pflegekonzept der Grünstreifen an den Straßen

Von Lea Hruschka, Schwabing-West

Das Artensterben macht auch vor München nicht Halt: Jede dritte Tierart, die in der Stadt früher zu Hause war, ist bereits nicht mehr vorzufinden. Besonders betroffen sind Insekten wie Bienen und Schmetterlinge. Die Gründe dafür sind vielfältig: Abgase, der Klimawandel, aber auch fehlende Wildblumenwiesen. Die Stadt will diesem Mangel an Blühwiesen nun entgegenwirken. Das Baureferat erprobt deshalb seit diesem Frühjahr für zwei Jahre ein neues Mähkonzept.

In dem Pilotversuch in Schwabing-West werden die Grünstreifen nicht länger regelmäßig kurz gemäht, sondern nur Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli sowie im September gekürzt. Außerdem probiert das Baureferat unterschiedliche Mähmethoden für das sogenannte Straßenbegleitgrün aus. Darunter fallen unter anderem Rasenflächen auf den Seitenstreifen, Mittelstreifen und Baumgräben. Ist das Konzept erfolgreich, wird es auf die gesamte Stadt ausgeweitet.

Für Insekten und Kleinstlebewesen hat das Baureferat in der Vergangenheit auf größeren zusammenhängenden Flächen Wildblumenwiesen angelegt. Auf den kleineren Rasenflächen ist dies jedoch nicht möglich. Denn während sich Menschen im Sommer am Schatten der Bäume und Gebäude erfreuen, verhindert dieser das Entstehen einer Blühwiese. Deshalb setzt die Stadt auf Langgraswiesen. Diese entstehen als Folge extensiven Mähens, bei dem der gemähte Rasen abgetragen wird. Die Langgraswiesen können den Insekten - im Gegensatz zum kurz gemähten Rasen - als ökologische Habitate dienen. Da die betroffenen Rasenstellen formal Teil der Straße sind, kann das Baureferat nicht nur ökologische Ziele berücksichtigen. Auch die Sicherheit im Verkehr und im Arbeitsalltag der beschäftigten Stadtmitarbeiter muss gewährt werden.

Mit dem Pilotprojekt versucht das Baureferat, diese vielfältigen Anforderungen in Einklang zu bringen, damit die Münchnerinnen und Münchner auf ihrem Weg durch die Stadt weiterhin ein Summen und Surren begleitet.

© SZ vom 22.06.2021
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