Schwabing Von der Ödnis zum Erlebnis

Triste Ecke: Stadtviertelpolitiker sehen die Chance, die Kreuzung Anni-Albers-Straße/Lyonel-Feininger-Straße in das urbane Zentrum der Parkstadt Schwabing zu verwandeln.

(Foto: David-Pierce Brill)

Ein wirklich urbanes Gefühl ist in der Parkstadt Schwabing bislang kaum zu spüren. Das könnte sich nun ändern. Eine bisher nicht genutzte Fläche soll zum lebendigen Zentrum des Quartiers im Münchner Norden werden

Von Stefan Mühleisen, Schwabing

Ein lang gehegter Wunsch der Bewohner und der lokalen Politik könnte bald in Erfüllung gehen: Das städtische Leben hält endlich Einzug in die Parkstadt Schwabing. Das Immobilienunternehmen Argenta zeigt sich offen für einen Vorschlag des Bezirksausschusses (BA), eine bisher öde Fläche an der Ecke Anni-Albers-Straße/Lyonel-Feininger-Straße zu einem lebendigen Quartiers-Zentrum umzuformen. "Da die Parkstadt zu 90 Prozent bebaut ist, ist die Umgestaltung dieses Areals die letzte Möglichkeit, eine urbane Mitte zu schaffen", sagt Helmut Röschinger, als Chef der Immobilienfirma Argenta Generalentwickler des Gebiets. Und er fügt hinzu: "Ich finde den Vorschlag prima."

Das 40 Hektar große Gebiet zwischen dem Mittleren Ring, der Autobahn A 9 und der Domagkstraße hält seit Langem nicht, was der Name verspricht: Es ist weder Park noch Stadt. Das Areal ist eine Büro-City, wo sich Osram, Amazon und Microsoft ihre Komplexe hingestellt haben. Die Menschen in den 1800 Wohnungen sind eine Minderheit in einer Technologie-Kleinstadt. Den zentralen Grünstreifen nehmen die Bewohner nicht als einladenden Erholungspark sondern als unwirtliches Kunstwerk wahr. Urbanes Lebensgefühl konnte dort bisher nicht gedeihen - doch nun könnte bald der erste Setzling dafür eingepflanzt werden.

Den Boden dafür bereitet hat der örtliche Bezirksausschuss. Auf Initiative des Vorsitzenden Werner Lederer-Piloty (SPD) ließ das Gremium vom Verkehrsplanungsbüro Andreas Hautum ein Konzept erstellen, wie die 2000 Quadratmeter große Pflasterfläche an der Straßenkreuzung in einen Quartiers-Platz verwandelt werden kann. "Man kann mit relativ wenig Aufwand hier eine Piazza schaffen. Das wäre ein Meilenstein für die Belebung der Parkstadt", sagt Lederer-Piloty. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Denn im Frühjahr wurde der Wettbewerb für die Bebauung des letzten Zehntels in der Parkstadt abgeschlossen: Auf den verbleibenden vier Baufeldern werden gemäß den Planungen auf 80 000 Quadratmeter Geschossfläche Wohnungen realisiert. Das Bebauungsplanverfahren läuft bereits; es dürfte in zwei Jahren abgeschlossen sein. Das Kreuzungssegment ist zwar nicht Teil des Verfahrens - doch es grenzt direkt an eines der Baufelder. Und das Konzept für das betreffende Gebäude an der Lyonel-Feininger-Straße könnte gut passen: Nach Angaben von Argenta-Chef Röschinger sind die Erdgeschossbereiche für Läden, Restaurants, Cafés und ei- ne Bürger-Begegnungsstätte reserviert.

Das kommt dem Konzept zupass, das sich Verkehrsplaner Hautum so vorstellt: Die Lyonel-Feininger-Straße wird nach Süden verschwenkt, sodass die Ampelanlage entfällt. Ähnlich wie am neuen Wedekindplatz in Altschwabing soll eine durchgängig gestaltete Pflasterfläche bei Fahrbahn und Gehwegen eine konsistente Marktplatz-Anmutung schaffen, die auch durch die neue Straßenführung entsteht: Die Fläche rückt an das neue "Motel One" im Nordosten heran, wo ein Restaurant nebst der Hotellobby entstehen soll. Für die Freifläche sieht das Konzept ein Bassin, an den Eckbereichen Bäume und Bänke vor. Da es sich um eine öffentliche Fläche handelt, müssen die städtischen Referate das Projekt genehmigen; womöglich ist - etwa wegen hoher Kosten - ein Stadtratsbeschluss nötig. Der BA legt der Stadt dringend nahe, es umzusetzen. Es entstünde eine "nicht hoch genug einzuschätzende urbane Aufwertung für die Parkstadt, die sich die Parkstädter sehnlichst wünschen", heißt es im Papier der Stadtviertelvertreter.

Auch Helmut Röschinger hat in den vergangenen Jahren immer wieder seinen Willen bekundet, sich um urbanes Flair in der Parkstadt zu bemühen. "Wir hoffen auf eine positive Entscheidung der Stadt", wirbt er um wohlwollende Aufmerksamkeit in der Genehmigungsbehörde für die Platzpläne. Man könne damit eine echte Begegnungsstätte im Quartier erreichen, sagt er - und lässt zudem ein Argument anklingen, das die Zuneigung der Stadt womöglich verstärken könnte. "Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Argenta mit einem Teilbetrag an den Kosten beteiligt", sagt Röschinger. Bei den städtischen Behörden will man den Antrag nicht kommentieren. Dieser werde von Planungsreferat, Kreisverwaltungsreferat und Baureferat geprüft, teilt eine Sprecherin mit. Daraus resultiere das weitere Vorgehen.