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Schwabing:Stadt empfiehlt privates Pumpen

Keine Lösung für das Wasser in der Siedlung an der Osterwaldstraße

Die Hoffnung der betroffenen Bewohner der Schwabinger Siedlung an der Osterwaldstraße auf zügige Lösung ihres Hochwasserproblems hat erneut einen Dämpfer erhalten. Das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) sieht es weiterhin als problematisch an, das Wasser aus den Kellern dauerhaft entweder in einen nahe gelegenen Regenwasserkanal oder in einen der oberirdischen Bachläufe, Schwabinger Bach und Schwarze Lacke, abzupumpen. Das geht aus einer Antwort der Behördenspitze auf eine Anfrage der CSU-Stadträte Alexander Reissl und Thomas Schmid hervor. "Das RKU hat leider keinerlei eigene technische Mittel, um die Anwohner und Anwohnerinnen zu unterstützen", schreibt Referatsleiterin Christine Kugler.

Seit Mai 2020 läuft bei etwa 40 Anwesen in der Siedlung zwischen Isarring und Englischem Garten Grundwasser in Keller und Tiefgaragen; die Bewohner eines denkmalgeschützten Anwesens an der Genter Straße 13 a-f haben das Problem bereits seit mehreren Jahren. Die Ursachen sind nach Meinung der Experten komplex, wobei die Stadt und eine Anwohner-Interessengemeinschaft jeweils Gutachten vorgelegt haben, die zu unterschiedlichen Schlüssen kommen, wer das Problem beheben und auch bezahlen soll. Zuletzt trug der Stadtrat der Verwaltung auf, in einem Mediationsverfahren eine Lösung zu finden, um einen langen Gerichtsstreit zu vermeiden.

Praktisch stellt sich jedoch die Frage, wohin das Wasser dauerhaft geleitet werden soll. Möglichkeit Nummer eins wäre der Regenwasserkanal entlang des Karl-Arnold-Wegs. Technisch sei das "grundsätzlich möglich", so das RKU, fraglich aber seien die Auswirkungen auf die Statik des Bauwerks sowie auf die Ökologie und das "Grundwasserregime" insgesamt. Zudem: "Eine dauerhafte Einleitung oder die Einleitung von Grundwasser ist auf Grundlage der vorhandenen Genehmigung grundsätzlich nicht zulässig", so die Behörde.

Bleibt noch Möglichkeit zwei, das Abpumpen in Schwabinger Bach und Schwarze Lacke. Auch dies sei "prinzipiell technisch möglich", doch aus Behördensicht nicht ratsam. Aus wasserrechtlicher und wasserwirtschaftlicher Sicht sei "eine Vorreinigung zwingend erforderlich, um den Lebensraum verschiedener Arten im Gewässer vor einer Verschmutzung und deren Folgen zu bewahren", so RKU-Chefin Kugler. So müsse erst ein Probebetrieb via Kanal zeigen, ob alle Schadstoffe herausgefiltert werden. Das Wasserwirtschaftsamt gehe von mehreren Anlagen aus, die täglich 320 Kubikmeter Wasser abpumpen, sowie von "Kosten inklusive Strom und dem Austausch bzw. der Entsorgung der Filteranlage von mehreren Tausend Euro während der gesamten Laufzeit einer Anlage". Kugler betont in ihrer Mitteilung, dass ihre Behörde und das Wasserwirtschaftsamt privat finanzierte Brunnenanlagen auf den einzelnen Anwesen als "schnelle und effektive Lösung" favorisieren.

© SZ vom 12.02.2021 / smüh
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