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Schwabing:Schwierige Operation

Im Frühjahr 2019 sollen die Umbauarbeiten am Elisabethmarkt starten. Die städtischen Markthallen zeigen sich bemüht, das reizvolle Flair zu erhalten. Vieles soll dabei unter der Oberfläche angesiedelt werden

Sissi war oft in Schwabing. Die österreichische Kaiserin hat hier gerne ihre Verwandten besucht. Ob sie vor etwa 150 Jahren über den Platz schlenderte, der heute nach ihr benannt ist, ist nicht belegt. Den Charme des 1903 ins Leben gerufenen Elisabethmarktes aber hätte sie vermutlich ebenso geliebt, wie die Schwabinger es heute noch tun. Der Markt zählt zu den reizvollsten Ecken Westschwabings: Er ist grün, belebt, ungekünstelt. Ein Hauch von Nostalgie weht durch die Gassen zwischen den Ständen.

Dieses Flair zu erhalten und dennoch den heutigen Hygiene- und Brandschutzvorschriften zu genügen, ist keine leichte Aufgabe. Aber es ist eine, der sich das städtische Unternehmen Münchner Markthallen stellen muss: Der Elisabethmarkt wird - ebenso wie der Pasinger Viktualienmarkt, der Markt am Wiener Platz und der Viktualienmarkt in der Innenstadt - modernisiert. Ein TÜV-Gutachten stellte bereits 2011 gravierende Mängel fest.

Dass die Führungsspitze der Markthallen gut zugehört und sich die Wünsche der Schwabinger zu Herzen genommen hat, zeigen die Pläne, die Markthallen-Chef Boris Schwartz und der zuständige Planer Christian Schilling jetzt dem Bezirksausschuss Schwabing-West vorgestellt haben. Sie basieren auf einem Workshop vom Juli 2015 und sind die Grundlage einer Bauvoranfrage bei der Lokalbaukommission und den Händlern.

Das Konzept sieht neun Pavillons vor, locker gruppiert, asymmetrisch angeordnet und jeweils zu zwei oder drei Ständen gebündelt. Kein Häuschen ist wie das andere, aber alle sollen - typisch für den Elisabethplatz - auskragende Dächer bekommen. Jeder Pavillon erhält eine breite Außenfläche unter dem Dach. "Zwischen den Pavillons sind großzügige Räume vorgesehen, man kann da künftig gut durchgehen", lobte der Chef des Westschwabinger Stadtteilgremiums, Walter Klein (SPD). Ob die Pavillons letztlich aus Holz oder aus Stein sein werden, ist nach wie vor offen. "Fragen zu Materialität, Gestaltung der Fassaden oder Dächer und Farbigkeit werden erst nach Erteilung eines Planungsauftrags durch den Stadtrat behandelt", erläuterte Schwarz.

Im Erdgeschossbereich des Elisabethmarkts der Zukunft wird es erstmals Toiletten geben, auch für Menschen mit Behinderung. Derzeit schicken die Händler ihre Kunden noch zu einem kleinen Klohäuschen an der Ecke Arcis- und Agnesstraße; die WCs auf dem Markt dürfen lediglich vom Marktpersonal selbst genutzt werden. Irgendwann wird dieses Toilettenhäuschen allerdings geschlossen. Es steht auf dem Grund des Berufsbildungszentrums am Elisabethplatz 4. Und das Bildungsreferat will diese Schule umbauen. Der Zeitpunkt ist noch unklar. "Bis dahin", versprach der Vertreter des Kommunalreferenten, Edwin Grodeke, "bleibt das Toilettengebäude geöffnet". Stehen bleiben dürfen zudem die Bäume auf dem Marktgelände.

Baustelle Elisabethplatz

Der Elisabethplatz wird in den kommenden Jahren zur Großbaustelle - nicht nur oberirdisch, sondern auch im Untergrund. Neben dem Elisabethmarkt, der saniert werden soll, errichtet die Stadtsparkasse auf dem benachbarten Gelände von 2018 an für 75 Millionen Euro ein urbanes Wohn- und Einkaufsviertel mit viel Grün. Geplant sind rund 200 Wohnungen, dazu Läden und eine Kindertagesstätte mit jeweils drei Kindergarten- und drei Krippen-Gruppen.

Errichtet wird das neue Quartier auf einem Teil des Platzes, den derzeit noch ein altes Umspannwerk einnimmt: Sobald dieses durch ein moderneres, um ein Fünftel kleineres Werk kompakter ersetzt worden ist, wird der Raum frei für die Stadtsparkasse. Bis dahin allerdings müssen Anwohner und Pendler noch einiges erdulden. Das Umspannwerk am Elisabethplatz versorgt fast den gesamten Münchner Norden mit Strom - entsprechend viele Leitungen sind in Geh- und Fahrbahnen zu verlegen.

Start für die Verkabelung des neuen Werks war bereits Anfang Januar. Bis 2017 sollen die Bauarbeiten im Karree Arcis-, Georgen-, Nordend- und Elisabethstraße andauern, mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Auf der Westseite der Arcisstraße kommt es bis März, auf der Ostseite und längs der nördlichen Seite der Georgenstraße bis August zu Behinderungen. Von Mai bis Dezember verlagern sich die Arbeitsbereiche dann in die Nordendstraße und zur Ecke Elisabeth-/Franz-Joseph-Straße. Anwohner können ihre Haustüren und Hofeinfahrten aber weiterhin durch Brücken erreichen. eda

Weil die Fläche des Elisabethmarkts nur gut eintausend Quadratmeter misst, aber Defizite bei Sanitärräumen, Anlieferung, Lagerräumen und Parkraum festgestellt wurden, muss für den künftigen Markt vieles unter der Oberfläche angesiedelt werden. Vorgesehen sind nicht nur 16 Stellplätze für Händler im ersten Untergeschoss einer Tiefgarage. Realisiert werden sollen auch 47 Stellplätze für Anwohner in einem zweiten Untergeschoss. Diese Anwohnergarage fordert der Bezirksausschuss seit Jahren, immer wieder wurden die Pläne verschoben. Die Zufahrt erfolgt über die Tiefgarageneinfahrt des benachbarten Geländes der Stadtsparkasse an der Arcisstraße gegenüber dem Giselagymnasium.

Starten sollen die Bauarbeiten zur Umgestaltung dieses den Schwabingern so liebgewonnenen und unentbehrlichen Bürgerplätzchens im Frühjahr 2019. Während der Umbauphase des Elisabethmarkts stehen die Verkaufscontainer der Händler auf beiden Seiten der Arcisstraße in Höhe der Gewerbeschule und einreihig an der Elisabethstraße.