bedeckt München

Schwabing:Schutz vor Spekulanten

Lokalpolitiker fordern größeres Erhaltungssatzungsgebiet

Von Ellen Draxel, Schwabing

Die Bewohner Westschwabings sind bereits in weiten Teilen dank geltender Erhaltungssatzungen vor Luxussanierungen, Gentrifizierung und Vertreibung geschützt. Der Bezirksausschuss will diesen Schutz nun ausgeweitet wissen - um ein neu festzulegendes Gebiet. Es soll die Lücke zwischen den drei bestehenden Erhaltungssatzungsgebieten "Hohenzollernplatz/Hiltenspergerstraße", "Josephsplatz" und "Hohenzollernstraße" schließen und im Westen bis zur Ecke Barbara-/Elisabethstraße reichen. "Anwohner dieses bei Investoren beliebten Bereichs rund um die Agnes-, Elisabeth- und Schleißheimer Straße haben wie ihre Nachbarn mit Verdrängung und Immobilienspekulation zu kämpfen", begründen die Lokalpolitiker ihren Wunsch in einem von der Linken-Fraktion initiierten Antrag. Deshalb müssten auch dort "bestehende soziale Milieus und Bausubstanz geschützt und die Umwandlung in Luxuseigentumswohnungen gestoppt werden".

In der Zone, die die Bürgervertreter neu prüfen lassen möchten, steht ein Haus, das als Beispiel hemmungslosen Spekulantentums in den vergangenen Jahren bundesweit traurige Bekanntheit erlangt hat: die Agnesstraße 48. Der malerische Altbau mit Blauregen an der Fassade, knarzender Holztreppe im Inneren und stuckverzierten Decken in den Wohnungen war nach dem Tod der Eigentümerin verkauft worden, die neuen Besitzer wollten das Gebäude sanieren und modernisieren. Mit diesen Plänen allerdings wären Mietsteigerungen von bis zu 245 Prozent und monatelanger Baustellenlärm einhergegangen. Bei der Abschiedsparty vor einem Jahr sagten die letzten Bewohner, sie seien am Ende alle "erfolgreich rausgeekelt" worden.

Dass das mehr als hundert Jahre alte Gebäude trotzdem noch steht und nicht, wie möglicherweise geplant, abgerissen wurde, ist einer schnellen Entscheidung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zu verdanken. Die Behörde stellte das Literatenhaus unter Denkmalschutz - seiner "geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung" wegen.

© SZ vom 21.11.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite