Schwabing Rote Ziegelhaube für Sankt Ursula

Die Sanierung des "Schwabinger Doms" nähert sich ihrem Ende. Unter dem alten Kupferdach war der Beton feucht geworden

Von Ellen Draxel, Schwabing

Die meisten Schwabinger kennen ihren Dom nur mit grünem Dach. Seit kurzem leuchtet die Kuppel von Sankt Ursula aber nicht mehr in grün patiniertem Kupfer, sondern erstrahlt nach der Sanierung in neuer, roter Ziegeleindeckung. Wie vor 120 Jahren, als August Thiersch die Kirche am Kaiserplatz erbauen ließ. "Im Grunde ist die Kuppel jetzt fast fertig", sagt David Wolfgang Theil. "Nur innen muss sie noch ästhetisch ertüchtigt werden." Bis Ostern, hofft der Pfarrer von St. Ursula, sind die Bauarbeiten am Dach der dreischiffigen Basilika beendet. Wie viel die Restaurierung letztlich kosten wird, steht im Detail noch nicht fest, "dreieinhalb bis vier Millionen Euro werden es aber sicherlich sein". Zwei Drittel der Baukosten trägt das Ordinariat, ein Drittel bleibt an der Gemeinde hängen.

Die Schwabinger kannten den Dom bislang mit grün patinierter Kupfereindeckung.

(Foto: privat)

St. Ursula ist einzige Kirche Münchens, die im Stil der Neorenaissance errichtet wurde. Der Architekt war ein Anhänger der Proportionslehre, St. Ursula verkörpert diese Lehre modellhaft. Vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde die Basilika daher als "Bauwerk von nationaler Bedeutung" eingestuft. Zugleich interessierte sich Thiersch für neue Techniken. Und da er kostengünstig bauen musste, erhielt die katholische Kirche nicht nur ein Fundament aus Stampfbeton, sondern auch eine Turmtreppe und ein doppelschaliges Halbrund an der Spitze aus diesem Baustoff. Knapp 40 Jahre später allerdings, im Jahr 1933, zeigte sich erstmals, was das neuartige Baumaterial wert war: Die Kuppel bekam Risse. Um sie zu stabilisieren, ertüchtigte man seinerzeit beide Schalen mit Stahlarmierungen und zusätzlichen Betonschichten. Und auf die alte Betonschale, den Mörtel, die Dachziegel und die zweite Betonmütze kam zusätzlich eine Kupferblecheindeckung. Dass das Kupfer Staunässe auslösen würde, war den Restauratoren damals nicht bewusst. Die gefangene Feuchtigkeit jedoch ließ den Beton langsam, aber sicher zerbröseln - bis Teile der Säulen und Baluster aus Sandstein rund um das Gewölbe und die Lichtöffnung zerbarsten.

Die Kuppel von St. Ursula ist jetzt mit roten Ziegeln ausgestattet.

(Foto: privat)

Die aktuelle Sanierung bestand nun darin, die Laterne an der Spitze der Kuppel vorübergehend zu demontieren und die Betonschale von 1933 sowie die Ziegelhaut von 1897 darunter abzubrechen. Vier Lasttürme trugen währenddessen die noch verbleibenden Teile der Rundung. Danach wurden die Risse in der alten Betonschale verpresst und eine zweite Betonschicht aufgebracht, die sich mit der ersten verbinden sollte. Die Verkleidung mit den Ziegeln bildete den letzten Schritt. Die drei Meter hohe Naturstein-Laterne mitsamt ihren acht Fenstern sitzt inzwischen wieder auf der Kuppel, ebenso das Kreuz.

Bis Ostern, hofft der Pfarrer von St. Ursula, sind die Bauarbeiten am Dach der dreischiffigen Basilika beendet.

(Foto: privat)

In einem Festvortrag am Samstag, 10. November, um 19.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Ursula am Kaiserplatz 13a informiert Jörg Rehm von der TU München, Experte für den frühen Betonbau, über neue Forschungsergebnisse zu dieser Art Kirchenbau. Geehrt werden an diesem Abend außerdem die Fördermitglieder der "Bauhütte Schwabinger Dom". Denn um das Geld für die Sanierung aufzutreiben, hatte sich Dekan Theil schon vor Jahren einiges einfallen lassen - angefangen von Konzertabenden über Lichtinstallationen bis hin zu Vortragsreihen mit prominenten Gästen. 2012 wurde die "Bauhütte Schwabinger Dom" gegründet, in Anlehnung an die Bauhütten großer Kathedralen im Mittelalter. Deren Aufgabe war es, sich um die Erhaltung der Kirchen zu kümmern. Damals legten die Handwerker tatsächlich Hand an, im Fall von Sankt Ursula spenden sie Geld und sorgen so für den Erhalt der Backsteinbasilika. Jeder, der den Schwabinger Dom unterstützen will, sei es mit kleinen oder größeren Beträgen, kann im ersten Jahr imaginärer Lehrling, im zweiten Jahr Geselle und im dritten Jahr Meister werden.