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Schwabing:Protest gegen eine Rochade

Anwohner kritisieren, dass zwei Türme mit Studentenwohnungen nun spiegelverkehrt platziert sind und die Sicht nehmen

Einige Bewohner der Lissi-Kaeser-Straße 26 und 28, der Petra-Kelly-Straße 21 und 23 sowie der beiden Punkthäuser im Innenhof dazwischen sind verärgert. Der Grund dafür ist, dass ihr Nachbar, das Studentenwerk, sein Wohnheim an der Schwere-Reiter-Straße erweitert: Angedockt an einen siebengeschossigen Bestandsbau, der bereits 2005 saniert wurde, will das Studentenwerk einen Neubau mit Platz für 235 Studierende schaffen - zusätzlich zu den derzeit 243 Betten.

Dagegen haben die Eigentümer prinzipiell nichts - sofern der Neubau ihren eigenen, teuer bezahlten Wohnraum nicht tangiert. Genau das aber, kritisieren sie, sehe die jetzige Planung vor. Denn die ist anders, als die Eigentümer der benachbarten Wohnungen sie 2017 zu Gesicht bekommen haben. "Damals wurden die Entwürfe des Architekturbüros, das den Wettbewerb gewonnen hatte, in einem Container als Modell ausgestellt", sagt Nachbar Marc Eisenbarth. Diese Pläne sahen einen achtstöckigen Turm im westlichen und einen fünfgeschossigen Turm im östlichen Teil des Grundstücks vor, verbunden durch eine einstöckige Sockelzone.

Realisiert werden soll nun aber die spiegelverkehrte Anordnung: Das achtstöckige Haus ist jetzt im Osten und das mit fünf Geschossen im Westen vorgesehen. Ein "Unding", kritisiert Eisenbarth. "Nachverdichtung ist das Eine - aber schon teuer bezahlte Wohnungen damit im Wert zu mindern und die Lebensqualität mit Ausblick auf ein direkt am Nachbargrundstück stehendes Hochhaus und einer immensen Verschattung so zu beeinträchtigen, das Andere." Die Anwohner wären aus ihrer Sicht bei dieser Variante regelrecht eingesperrt.

"Ziemlich unverschämt" findet Eisenbarth auch, dass er und seine Nachbarn das Ganze erst vor Kurzem mitbekommen haben - weil es Thema bei der Eigentümerversammlung war.

Unterstützung bekommen die Anlieger dabei vom Nachbarschaftsverein Ackermannbogen, der sich sonst so gut wie gar nicht in Privatangelegenheiten einmischt. "In diesem Fall aber stellt sich schon die Frage, wie es sein kann, dass einem so etwas, das erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Umfeld hat, klammheimlich untergejubelt wird", meint Karin Heese von der Projektgruppe Forum. Schließlich sei die Planung den Nachbarn zuvor "anders verkauft worden".

"Die jetzige Gebäudeposition", sagt hingegen die Sprecherin des Studentenwerks, Sophie Plessing, sei "bereits 2015 von der Lokalbaukommission über einen Vorbescheid genehmigt" worden. Lediglich die ersten Entwürfe der Architekten hätten eine andere, "spiegelverkehrte" Anordnung der Türme vorgesehen. In Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde sei dann aber "aus Gründen der Nachbarschaftsverträglichkeit sehr früh im Planungsverlauf" die finale Position entschieden worden. Die angrenzenden Hausverwaltungen hätten damals auch den entsprechenden Genehmigungsbescheid von der Lokalbaukommission zur Bauvoranfrage zur Weitergabe an die Eigentümer erhalten. Im Übrigen habe das Studentenwerk diese Planung inzwischen vielfach öffentlich gemacht - unter anderem bei einer Veranstaltung des Ackermannbogenvereins im April 2019 und beim Bezirksausschuss.

Westschwabings Lokalpolitiker aber sind sich sicher, dass "das Studentenwohnheim, als es uns gezeigt wurde, nicht da stand, wo sie es jetzt haben wollen". Das Gremium protestiert. "Das ist eine Maximierung, die die Nachbarn in die Dunkelheit schickt, egal ob es nun Tag ist oder Nacht", hieß es. Von der Lokalbaukommission wollen die Bürgervertreter wissen, "wieso die Situierung geändert wurde, ohne den Bezirksausschuss vorab zu informieren".

© SZ vom 29.05.2020

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