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Schwabing:Preziosen für Paradiesvögel

Das Label "Exklusive, ausgefallene Trachtenmode" von Helmut Oppenberger feiert 30-jähriges Bestehen

Ein Samstag Ende Oktober, die Münchner bummeln durch die Stadt. Erstaunt drehen einige Passanten die Köpfe: "Weil i di liab hab'" von den jungen Rodltalern schallt über die Straße. Auf E-Scootern rauschen extravagant ausstaffierte Frauen vorbei. Sie tragen Kleidung, die nach Trachtenmode aussieht und dann auch wieder nicht; mit den handelsüblichen Dirndln haben die verwegenen Roben und Mäntel jedenfalls wenig zu tun. An die Spitze des ungewöhnlichen Trosses hat sich Helmut Oppenberger gesetzt, Designer des Trachtenmodelabels Exatmo. In Sachen Auffälligkeit steht er seinen Begleiterinnen in nichts nach. In der Sonne glänzen die Brokataufschläge seines Mantels, der Lederhut mit Edelweißbesatz ist weithin sichtbar.

Helmut Oppenberger feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen seiner Marke Exatmo ("Exklusive, ausgefallene Trachtenmode"). In Schwabing steht heute noch sein Atelier, das Hauptgeschäft hat sich mittlerweile nach Kitzbühel verlagert. Das Atelier liegt etwas versteckt in einem Innenhof an der Tengstraße. Eine Ritterrüstung mit umgehängtem Herzl empfängt die Besucher. Hinter dem Verkaufsraum liegt der Arbeitsbereich der Schneiderinnen, jedes Stück ist handgefertigt.

Helmut Oppenbergers Atelier für sein Mode-Label Exatmo liegt in Schwabing, das Hauptgeschäft hat sich nach Kitzbühel verlagert.

(Foto: Catherina Hess)

Der Designer biegt auf dem Radl um die Ecke, natürlich in einer Eigenkreation. "In einer Jogginghose wird man mich niemals sehen", sagt er schmunzelnd. Im Gespräch ist Oppenberger höflich und bescheiden, spricht bisweilen leise und hält nachdenklich inne, von verrückter Extravaganz keine Spur. Oppenberger ist gelernter Elektriker und kam mit seiner damaligen Ehefrau über Umwege zum Design. "Begonnen hat alles mit ein paar selbst gemachten Broschen auf einer Modemesse", erinnert sich der 69-Jährige. Die Resonanz sei großartig gewesen und die Nachfrage nach den exklusiven Stücken so sprunghaft angestiegen, dass er bald sein Antiquitätengeschäft schloss, das er zu dem Zeitpunkt noch führte.

In den Neunzigern konnten seine Frau und er nur mit Bodyguards auf die Wiesn, erzählt der gebürtige Kemptener. Das Interesse sei riesig gewesen, kaum jemand habe damals Trachten getragen auf dem Oktoberfest und wenn, dann waren es meistens nur Mitglieder traditioneller Trachtenvereine. "Da waren wir natürlich ein krasser Gegensatz, das haben die Vereine gehasst", berichtet Oppenberger. Bei den Jüngeren, bei den modebewussten Prominenten und Paradiesvögeln der Stadt waren sie dafür umso beliebter. Thomas Gottschalk trug Exatmo-Jacken bei "Wetten, dass...?", Vitali Klitschko kam zum Fotoshooting in Oppenbergers Laden. Roy vom Magierduo Siegfried und Roy kaufte einmal so viel Kleidung bei ihm ein, dass der Designer mit dem Zauberkünstler losfahren und noch einen Koffer für den Transport der Sachen besorgen musste.

Helmut Oppenberger

Anprobe für den großen Auftritt: Thomas Gottschalk trug eine Oppenberger-Jacke bei "Wetten, dass...?".

(Foto: Privat)

Selbst der größte Popstar aller Zeiten trug Exatmo-Entwürfe: Michael Jackson kam zunächst inkognito. "Eine arabisch gekleidete, voll verschleierte Frau mit Bodyguard", beschreibt Oppenberger seinen berühmtesten Kunden. Kurz darauf klingelte das Telefon. Der Bayerische Hof teilte mit, dass Jackson bei ihnen gewesen sei und noch einmal zur Anprobe vorbeikommen wolle. Schüchtern sei der Sänger gewesen und sehr dünn, die Schnitte und Maße habe er heute noch, sagt der Designer. "Erst als ihm das Foto von Siegfried und Roy an der Wand aufgefallen ist, hat er sich entspannt, das waren Freunde von ihm".