Schwabing Lücken in der Allee

Lokalpolitiker kritisieren Fällung zweier Bäume, die als gefährlich eingestuft waren

Von Ellen Draxel, Schwabing

Die Burgunderstraße ziert eine Allee. Vor kurzem jedoch sind dort zwei Bäume der Säge zum Opfer gefallen - das Baureferat/Gartenbau, zuständig für die Pflege der städtischen Grünanlagen, des Straßenbegleitgrüns und der städtischen Friedhöfe, hatte im Dezember dem Bezirksausschuss Schwabing-West die Fällung angekündigt. Die Zuckerahorne galten als sogenannte Gefahrenbäume: Als Grund wurden Astausbrüche und Wurzelaufwerfungen und damit eine Gefährdung der Standsicherheit angegeben. "Besonders auf Grünflächen mit Spiel- und Freizeiteinrichtungen und an öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen", erklärt Sprecherin Ingrid Scholz, "wird so einer möglichen Gefahr durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste vorgebeugt".

Nachbarn und Lokalpolitiker allerdings, allesamt Laien, konnten auf den ersten Blick eine Gefährdung durch diese beiden Bäume nicht nachvollziehen. "Beim Betrachten der Baumscheiben ist für uns keine Stammfäule ersichtlich", sagte Stefanie Netter (Grüne), Vorsitzende des Unterausschusses Umwelt und Verkehr, in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses. Auch aufgeworfene Wurzeln seien keine zu erkennen. "Die beiden Zuckerahornbäume", erläutert Scholz, "litten an einer Pilzerkrankung, der sogenannten Weißfäule". Diese Fäule beginne von oberhalb der Wurzel, den Baum zu zersetzen und habe schon zu einem hohen Anteil abgestorbenen Holzes geführt. "Die Bäume mussten daher gefällt werden." An ihrer Stelle sollen zwei neue Spitzahornbäume gesetzt werden.

Den Stadtteilvertretern ist jedoch nicht klar, wie die Fachleute Gefahrenbäume ausmachen. Deshalb wollen sie sich mit dem Gartenbau und der Unteren Naturschutzbehörde, die für Baumfällungen auf Privatgrund zuständig ist, treffen. Denn bislang hegen die Lokalpolitiker den "Verdacht, dass die Stadt bei Bäumen sehr vorsichtig und manchmal zu Unrecht agiert, um möglichen Klagen vorzubeugen". Zumal die Burgunderstraße kein Einzelfall ist: Ähnlich wie mit den beiden Zuckerahornen erging es den Bürgervertretern mit vier Scheinakazien, die in der Rümannstraße der Säge weichen mussten. Auch dort konnten die Baumbeauftragten des Gremiums lediglich bei einem der vier Bäume im Nachhinein morsches Holz und Hohlräume im verbliebenen Baumstumpf entdecken.