Schwabing Leer geräumt

Das kleine Haus an der Belgradstraße 109 ist abgerissen, die Bäume, die noch stehen, sind beschädigt. Neu gebaut wird vorerst nicht, der Eigentümer will das Grundstück weiterverkaufen

Von Ellen Draxel, Schwabing

Ein kleines Häuschen, apricot-farben mit braunen Fensterläden und Gauben auf dem Dach, zierte bis vor kurzem das Grundstück an der Belgradstraße 109. Vorbescheide, das idyllisch anmutende Häuschen abzureißen, gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder. Doch lange verliefen sämtliche Planungen im Sande. Eine Idee von 2010, die Grundstücke mit den Hausnummern 107 und 109 zu tauschen, um mehr als 30 Bäume auf dem Areal zu retten, wurde nicht umgesetzt.

Das apricotfarbene Häuschen wurde abgerissen. Die Bäume, die noch stehen, sind beschädigt.

(Foto: Florian Peljak)

Seit einigen Wochen ist das Grundstück nun leer geräumt. Kleine Bäume und Buschwerk wurden entfernt, einige große Bäume stehen zwar noch, weisen laut der Unteren Naturschutzbehörde aber schwere Schäden auf. Derzeitiger Eigentümer des Grundstücks ist der Projektentwickler L Homes, ein Unternehmen mit Sitz in Wolfratshausen. Im Januar hieß es auf SZ-Nachfrage bei der Firma, man wolle an dieser Ecke zwischen U-Bahnhof Scheidplatz und Luitpoldpark "Eigentumswohnungen mit ein bis vier Zimmern" schaffen. Weil aber "alles noch in Planung" sei, gebe es keinen Zeithorizont. Bis heute liegt der Lokalbaukommission kein Bauantrag vor. Der Grund: L Homes hat sein Bestreben inzwischen revidiert. "Im Hinblick auf die Belgradstraße 109 verfolgen wir aktuell keine Planungen, weder Eingabeplanung noch weiterführende Planungen, da wir das Grundstück verkaufen", erklärt das Unternehmen jetzt. Über die Hintergründe des Gesinnungswechsels möchte sich die Firma "nicht äußern".

Verschwunden: Das Grundstück Belgradstraße 109 ist leer.

(Foto: Florian Peljak)

Westschwabings Lokalpolitiker hingegen haben bereits kommuniziert, dass sie, sollte das Areal irgendwann einmal doch ein neues Haus bekommen, fordern werden, "nicht quer, sondern längs zu bauen". Aus Schallschutzgründen. "Der Biergarten der benachbarten griechischen Taverne müsste dann etwas nach Westen wandern", sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Walter Klein (SPD). Am liebsten wäre den Bürgervertretern nach wie vor ein Grundstückstausch, doch diese Variante sieht man im Kommunalreferat mittlerweile "kritisch". Nicht nur wegen der bereits erfolgten Abbrucharbeiten und der Beschädigung des Baumbestands. Sondern auch, weil die Stadt angesichts knapper Platzressourcen kein Bauland mehr abgibt. Und bei diesem Areal handle es sich "trotz Ausweisung als öffentliche Grünfläche faktisch um Bauland", so die Behörde. Denn das ursprüngliche Planungsziel, eine Grünverbindung von der Karl-Theodor-Straße östlich von Willi-Graf- und Sophie-Scholl-Gymnasium bis zum Scheidplatz zu schaffen, könne inzwischen "wegen des aktuellen Bebauungsstands nicht mehr realisiert werden".

Anregungen zu dem Projekt äußern aber auch einige Schwabinger. "Der Raum für Fußgänger an der nordöstlichen Grundstücksecke", bemängeln sie, sei "sehr knapp" bemessen. "Da vom und zum Luitpoldpark sehr viele Rad- und Rollstuhlfahrer unterwegs sind, wäre es im Interesse der Verkehrssicherheit, hier mindestens einen Meter mehr Raum beim häufigen Warten von Fußgängern, Rollstuhl- und Fahrradfahrern vor der roten Ampel vorzusehen." Auf der Straßenseite gegenüber der Belgradstraße 109 befinden sich sowohl das Forum am Luitpold der Behinderteneinrichtung Stiftung Pfennigparade als auch das Seniorenwohnheim Damenstift am Luitpoldpark.