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Schwabing:Kühe mit vier Augen

Mittelalterliche Bestiarien haben Valentina Murabito dazu gebracht, auf dem Ätna frei grasende, abertausende Schafe, Ziegen und Kühe zu fotografieren und in ihrer Dunkelkammer zu verwandeln. Das Ergebnis dieses Prozesses ist in der Galerie Stoerpunkt, Tengstraße 32 a, zu sehen. Die sizilianische Künstlerin, die in Berlin lebt, hat eine besondere Technik entwickelt, die an die Pionierjahre der Fotografie anknüpft. Sie arbeitet ausschließlich mit einer fast vierzig Jahre alten Analogkamera. So entstehen Unikate in Schwarz-Weiß. Sie entwickelt per Hand, verwendet Materialien wie Erdpech, experimentiert in ihrem Berliner Atelier mit lichtempfindlicher Fotoemulsion. Murabito selbst spricht von "Häutung", der sie ihre Motive unterzieht. Sie belichtet nicht nur Papier oder Leinwand, sondern auch Holz, Stahl, Beton und ganze Wände. Die Künstlerin präpariert die Oberflächen so, dass ein Teil des Bildes wie auf einem Film zu schwimmen beginnt und sie dann das Motiv - einer Haut gleich - ziehen, schieben und dehnen kann. Fasziniert von den Bildwerken der Mönche des Mittelalters, die Tieren menschliche Eigenschaften zuschrieben, verwandelt Valentina Murabito das Vieh, das sie auf den Hängen ihrer Heimatinsel aufgenommen hat, in dem sie ihre Leiber aufbläht oder aus einer Kuh ein mystisches Wesen mit vier Augen erschafft.

Die Ausstellung mit dem Titel "Uncurated" bestreitet sie zusammen mit den Künstlern Joseph Lee, Tamara Muller und Tonio Mattu. Die Schau läuft bis zum 15. August, eine Finissage ist zumindest geplant. Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0171/420 75 39.

© SZ vom 06.06.2020 / czg

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