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Schwabing:In den Boden versenkt

Flaschensammler in München, 2017

Unterirdisch statt ebenerdig: Für den Pündterplatz können sich Westschwabings Lokalpolitiker gut eine unterirdische Wertstoffinsel vorstellen.

(Foto: Catherina Hess)

Bezirksausschuss setzt wegen immer wieder verschmutzter Wertstoffsammelstellen auf Unterflurcontainer

Sauber sieht anders aus. Rund um die Wertstoffcontainer an der Römerstraße 11 türmen sich Papierfetzen, Metall und Elektroschrott. Auch Haushaltsabfälle und Plastikreste werden an der Sammelstelle achtlos entsorgt. Die Leidtragenden sind die Nachbarn: Nicht nur, dass sie, wie sie sagen, inzwischen dauerhaft "Müllberge" vor ihrer Haustür haben. Vieles von dem, was leicht ist, findet sich auch umgehend in ihren Vorgärten wieder, sobald ein Windstoß kommt. Die Container stehen seit Jahren an dieser Ecke, aber die Situation werde "zusehends schlechter", kritisieren die Anlieger. Am liebsten wäre es den Anwohnern daher, die Container würden verlegt. Das jedoch lehnen Westschwabings Lokalpolitiker ab: Durch einen Standortwechsel, gibt der Bezirksausschuss (BA) zu bedenken, verlagere sich das Problem nur. "Der Dreck liegt dann eben woanders."

Sinnvoller fänden die Bürgervertreter eine grundsätzlichere Lösung. Wertstoffcontainer werden in München von den Firmen Remondis und Wittmann betrieben - sie kann man bitten, Standorte häufiger zu leeren und zu säubern. Die Stadt selbst hat dazu weder eine Handhabe noch die Weisungsbefugnis. Um die Reinigung von Stellplätzen öffentlicher Recyclingcontainer kümmert sich außerdem das Umweltteam des Vereins Cooperative Beschützende Arbeitsstätten (cba). In dem Entsorgungs- und Gartenbetrieb arbeiten Menschen mit und ohne Handicap Hand in Hand.

Für einzelne Standorte in Wohngebieten wie an der Römerstraße oder am Pündterplatz fänden die Stadtteilpolitiker prinzipiell aber auch Unterflurcontainer gut. Die Stadt soll deshalb gebeten werden, die Einführung solcher Systeme zu prüfen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wertstoffsammelstellen verschwinden bei dieser Variante Glasflaschen, Kunststoffverpackungen und Dosen im Untergrund. Oberirdisch sichtbar bleiben lediglich die kleinen Einwurf-Säulen. Ganz billig sind diese Container zwar nicht, die Behälter samt Einbau kosten zwischen 5000 und 10 000 Euro. Aber sie sind optisch und hygienisch ein Gewinn.

"Wir würden den Bau von Unterflurcontainern gerne vorantreiben, bislang allerdings tut sich der Abfallwirtschaftsbetrieb München damit schwer", sagt die Sprecherin des Kommunalreferats, Birgit Unterhuber. Denn oft würden die Anträge von anderen Dienststellen abschlägig behandelt - aus denkmalschutzrechtlichen Gründen oder auch, weil Sparten -also Leitungen - im Boden liegen. Unterflurcontainer gibt es bisher nur an acht Standorten in der Messestadt Riem und an zwei Ecken südwestlich der Theresienwiese. Weitere sind jedoch laut AWM-Sprecherin Evi Thiermann zumindest in Planung: am Südpark, an der Tiefgarage Isartor, in Perlach und an der Bayernkaserne für Verpackungsmüll, an der Appenzeller-, der Ludl- und der Linkstraße sowie der Bayernkaserne für Restmüll, Papier und Bioabfälle. Für Standplätze in Freiham, im Prinz-Eugen-Park und an der Margarete-Steiff-Straße in Moosach hat der Abfallwirtschaftsbetrieb schon Vorgespräche geführt - ob daraus aber eine konkrete Umsetzung erfolgt, ist noch unklar.