Süddeutsche Zeitung

Schwabing:Das Roxy sagt leise Servus

Einst war es das typischte Szene-Café in Schwabing. Jetzt ist das Roxy sang- und klanglos untergegangen. Bei aller Hassliebe: Das hat es nicht verdient.

Von Franz Kotteder

Bei aller Hassliebe, die man diesem typischen Spätachtzigerjahre-Schuppen entgegenbringen mag: Das hat das Roxy dann auch wieder nicht verdient. Dass es so völlig sang- und klanglos untergeht. Ohne dass jemand Notiz davon nimmt, außer dem PR-Dienst Unternehmen-heute.de, der das Ende auch nur wahrgenommen hat, weil ein Kunde das Nachfolgerlokal mitfinanziert. Traurig!

Schon am 8. Juni war Sense für Schwabings typischstes Szene-Café. Der Unternehmer Gabriel Lewy, langjähriger Lebensgefährte der Schauspielerin Iris Berben, hatte es 1989 aufgemacht und damit sein kleines Gastro-Imperium abgerundet. Vom Café Wiener Platz über das Atlas, das Roma, das Odeon und die News Bar lieferte Lewy jeweils die ersehnte Kulisse, in der sich die Jungen und Reichen dieser Stadt in Szene setzen konnten.

Das Roxy war dazu das i-Tüpfelchen - mitten auf der Leopoldstraße, der heißesten Einfallstraße Schwabings für die vergnügungshungrigen Bewohner der nördlichen, östlichen und westlichen Landkreisgemeinden.

Ein letzter Gin Tonic vor dem finalen Blackout

Gastronomisch gesehen konnte das nur gut gehen, keine Frage. War das Bachmaier Hofbräu, direkt daneben gelegen, immer schon das Schnitzelparadies für Münchens Schickeria und Möchtegern-Promis, so stieg das Roxy im Nu zum Schnöselparadies auf, in dem sich ausschließlich BWL- und Jurastudenten zu treffen schienen. Gern im gelben Hans-Dietrich-Genscher-Gedächtnispullunder, mit gegeltem Haar oder Poppertolle, und immer in Begleitung ausschließlich langhaariger blonder Mädchen im kleinen Schwarzen. Na ja, jedenfalls kam einem das damals so vor.

Das Roxy war die ideale Bühne für die unternehmungslustige Jugend, um sich zu präsentieren. Sei es in aller Frühe beim Brunch (um neun machte das Roxy auf), sei es beim letzten Gin Tonic vor dem finalen Blackout (um drei Uhr nachts machte das Roxy zu). Fast nirgendwo bietet München so viel Platz für alle Spielarten der Eitelkeiten wie auf der Leopoldstraße.

Das will schon etwas heißen in dieser Stadt, in der sich Eitle generell wohlfühlen. Aber im Roxy war es über all die Jahre hinweg immer noch eine Spur härter - vielleicht, weil die Jugend halt immer noch am Üben ist, was das Protzen angeht und das Promenieren.

Lewy hatte das Roxy nach 20 Jahren verkauft, die neuen Eigentümer führten es im Geiste des Erfinders fort, aber der Zeitgeist war ein anderer geworden, die Achtziger- und Neunzigerjahre sind ja lange vorbei. So wirkte das Roxy in den letzten Jahren etwas abgerockt. Amanda Lear und Nena sind ja, wenn man ehrlich ist, auch nicht mehr das, was sie mal waren. Von den Jungen kamen zwar noch welche, Café und Bar aber hatten schon dunkle Ringe unter den Augen. So ist das Ende nur konsequent gewesen, das phänotypische Schwabinger Szene-Café hatte sich überlebt.

Nun wird umgebaut. Eine bislang weithin unbekannte Restaurantkette namens Via Appia wird dort einziehen, es soll "hochwertige italienische Speisen zu bezahlbaren Preisen" geben. Welch' überraschendes Konzept.

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Quelle:
SZ vom 12.07.2016
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