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Schwabing:"Für viele wird die Luft dünner"

Bewohner einer Schwabinger Anlage bangen wegen Mietsteigerungen um ihr Heim

Von Ellen Draxel, Schwabing

Die Attraktivität des Wohnraums ist es nicht, um den sich Jens van Rooij Gedanken macht. "Wir haben eine schillernde Präsentation vom Investor zu sehen bekommen, das werden wunderschöne Wohnungen", meint der Vorsitzende der Mietergemeinschaft Schleißheimer/Bamberger/Gernotstraße. "Richtig schnieke Penthouseappartements mit schicken Dachterrassen." Nur: Bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener, so kritisiert er, sehe anders aus. "Wer glaubt, dass hier Wohnungen für Familien entstehen, irrt. Das ist ein Feigenblatt. Das werden Wohnungen für die Oberklasse."

Jens Van Rooij lebt mit knapp 90 weiteren Mietparteien in einem Wohnblock wenige Meter vom idyllischen Luitpoldpark in Schwabing entfernt. Vor einigen Monaten hat die Fondsgesellschaft Jargonnant Partners (JP), ein luxemburgischer Immobilieninvestor, die Anlage erworben und will sie nun aufstocken.

Entstehen sollen 26 neue Wohnungen, alle gut hundert Quadratmeter groß. Dafür will der neue Eigentümer die Dachgeschosse ausbauen und die Gebäude an der Schleißheimer Straße 238 bis 244 sowie die Häuser an der Bamberger Straße um ein Stockwerk erhöhen. Außerdem sollen die Häuser an der Schleißheimer Straße einen Aufzug erhalten. Auch eine Tiefgarage mit etwa 40 Stellplätzen ist im grünen, mit viel Sorgfalt von den Mietern gestalteten und gepflegten Innenhof geplant. Ob dafür dort dann Bäume weichen müssen, "wissen wir noch nicht genau", sagt Projektleiterin Martina Persohn. "Da stehen wir in enger Abstimmung mit der Lokalbaukommission." Letzten Endes, versichert sie, werde aber der ganze Innenhof wieder begrünt sein. Der Bezirksausschuss Schwabing-West jedenfalls fordert unisono den Erhalt der Bäume: "Das steht so in der Planung, darauf bestehen wir", hieß von den Lokalpolitikern.

Das Stadtteilgremium, obgleich mit van Rooij einer Meinung hinsichtlich der Schaffung bezahlbaren Wohnraums, hat dem Vorbescheidsantrag von Jargonnant Partners mangels Alternativen letztlich zugestimmt. Die Lokalpolitiker fordern aus Sicherheitsgründen allerdings eine Überprüfung der Gebäudestatik. Ein wichtiger Punkt, auch aus Sicht der Mieter: "Wir wissen, dass im Laufe der Jahrzehnte sehr viel in den Gebäuden verändert wurde", sagt van Rooij. Beispielsweise seien übereinander liegende Wohnungen inzwischen nicht mehr identisch geschnitten. Es könne daher durchaus sein, dass tragende Wände fehlten.

Dass ihre eigenen Wohnungen weder luxussaniert noch modernisiert werden sollen, hat Jargonnant Partners den Mietern bereits versprochen. Eine "turnusgemäße Mieterhöhung bis zum Mietspiegel" schließt das jedoch nicht aus: Die erste Mietsteigerung für Anfang nächsten Jahres wurde Jens van Rooij bereits angekündigt. "Für viele", so sagt der Mietersprecher, "wird die Luft dann dünner". In dem Wohnblock leben viele Senioren, manche seit 40 Jahren, die meisten sind auf eine günstige Miete angewiesen. Projektleiterin Persohn betont, Jargonnant Partners liege es "sehr am Herzen, unsere Mieter nicht in Angst und Bange leben zu lassen". Die Sorge der Mieter aber, sich die Wohnung irgendwann nicht mehr leisten zu können, sie bleibt.

© SZ vom 13.10.2018

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