Schwabing-Freimann Verkehr der Zukunft

Fahrzeuge für jede Gelegenheit: Auch Elektroroller im Retrolook stehen an der neuen Mobilitätsstation im Domagkpark. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sie am Dienstag eröffnet.

(Foto: Robert Haas)

Leihräder, Elektroroller: Zwei Mobilitätsstationen sind das Herzstück des neuen Konzepts im Domagkpark und der Parkstadt Schwabing. Die Angebote sollen Bewohner dazu bringen, aufs eigene Auto zu verzichten

Von Jerzy Sobotta, Schwabing-Freimann

Was sich da noch nach Baustellenlärm anhört im Münchner Norden, ist eigentlich Zukunftsmusik. Noch bevor alle Zäune abgebaut und alle Löcher zugeschüttet sind, stehen schon die E-Ladesäulen, Leihräder, Sharing-Cars und Elektromopeds bereit. Im Domagkpark kann sich der Münchner von heute bereits an den Verkehr von morgen gewöhnen. Mit der neuen Mobilitätsstation an der Fritz-Winter-Straße ist die verkehrsplanerische Spielwiese jetzt offiziell eröffnet. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat das schwarze Schild mit dem großen gelben "M" am Dienstag eröffnet.

Vor der Infotafel, die alle Mobilitätsdienste in der Umgebung zeigt, ist der Parkplatz grün eingefärbt. Er ist von jetzt an ausschließlich für Car-Sharing reserviert. Dahinter steht eine Ladesäule für Elektroautos, daneben eine Station für die Fahrräder der MVG. Auch Lastenfahrräder für größere Einkäufe und drei rote Roller im Retrolook bekommt man hier.

Verkehrsmittel für jede Gelegenheit sollen es sein. "Ich kann sie benutzen, ohne sie zu besitzen", preist Reiter das Angebot städtischer und privater Dienstleister, die gleich zwei große Probleme der Landeshauptstadt lösen sollen: zu viel Verkehr und schlechte Luft.

Dafür wurden der Domagkpark und die benachbarte Parkstadt Schwabing zum Testfeld, auf dem neue Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle ausprobiert werden. Bei gut 1 800 Wohnungen auf 24 Hektar sind die Parkplätze im Neubauviertel knapp. Daher sollen die Anwohner am besten gleich auf eigene Autos verzichten und die Dienste der Sharing-Economy nutzen. Was hier klappt, dass könnte künftig auch in anderen Neubaugebieten wie Freiham, dem Prinz-Eugen-Park oder der Bayernkaserne zur Anwendung kommen. "Man kann es auch in enger bebauten Vierteln versuchen", sagt Reiter euphorisch.

Dafür hat die Stadt München im Rahmen des EU-Projekts Civitas Eccentric bis 2020 vier Millionen Euro zur Verfügung, die an die verschiedenen Projektpartner fließen. "Vieles trägt sich wirtschaftlich noch nicht von selbst", erklärt Torsten Belter vom Kreisverwaltungsreferat (KVR). Im Domagkpark können alle Angebote ausprobiert und verbessert werden. So wie die grünen Parkplätze für Car-Sharing: "Wir schauen, ob das Verhältnis zu den gewöhnlichen Parkplätzen stimmt, ob die Beschilderung angenommen wird, ob die Technik funktioniert." Auch stimmt sich dort die Stadt mit den privaten Anbietern ab: "Anfangs standen die elektronischen Leihautos zu lange auf den E-Ladestationen", erzählt Belter von den Erfahrungen mit der Mobilitätsstation an der Münchner Freiheit. Das KVR wies die Anbieter darauf hin. Die wiederum senken seitdem flexibel die Preise für diese Autos in der App und steuern so die Nachfrage.

Auch das Domagkwerk wird getestet, ein Concierge-Dienst für die Nachbarschaft an der Fritz-Winter-Straße 3. Dort wird schon seit vergangenem Oktober viel angeboten, was das tägliche Leben einfacher macht. Besonders beliebt bei den Anwohnern sei die Paketzustellung, berichtet Adelheid Meyer, die in der Filiale angestellt ist. Um die 70 Pakete nimmt sie pro Tag an. Die Kunden können sie abholen, wenn sie von der Arbeit kommen.

Neben Post nimmt Meyer aber auch schmutzige Hemden und Anzughosen an, Lederschuhe zur Reparatur, Schlüssel zum Nachmachen. Man zahlt im Laden, und sie bringt die Sachen zur Reinigung, zum Schuster oder Schlüsseldienst. Außerdem vermittelt sie alle erdenklichen Dienstleistungen rund ums Haus: Klempner, Haustierbetreuer, Zwischenmieter, Umzugshelfer, Au-Pair-Kräfte, außerdem Gästeunterkünfte und Gartenpflege. Selbst einen Babysitter kann man finden. Das alles gibt es für eine Pauschale von fünf Euro pro Haushalt im Monat. "Leider zahlen noch zu wenige Kunden. Aber der Service ist ausbaufähig", sagt sie.

Im Anschluss wird am Dienstag in der Parkstadt bloß 400 Meter südlich an der Kreuzung Lyonel-Feininger- und Marianne-Brandt-Straße die zweite Mobilitätsstation eröffnet. Dort ist ein langer Parkstreifen vor dem Bürokomplex einer Firma grün gefärbt. Besonders viele Mitarbeiter benutzen hier Leihautos als Dienstwagen. Zur Arbeit können sie auch mit einer eigens entwickelten App kommen: JobRide, die Mitfahrgelegenheit für Angestellte. Auch das gibt es im München von morgen.