Schwabing:Erinnerung an Mina

Erinnerungszeichen für NS-Opfer in der Tengstraße 25

Zeichen der Würde: Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (links) sowie Initiatorin Elisabeth Noske sind froh über die neuen Erinnerungszeichen an der Hauswand.

(Foto: Florian Peljak)

Vier Gedenktafeln am Haus an der Tengstraße 25 sollen das grausame Schicksal von 20 jüdischen Mitbewohnern unvergessen machen

Von Ellen Draxel, Schwabing

Sie finden sich an Hauswänden oder Stelen und sorgen dafür, dass die Menschen, deren Namen sie tragen, nicht vergessen werden: Sogenannte Erinnerungszeichen, angebracht an Wohnhäusern, an Arbeitsstätten oder auch an Orten, an denen Menschen durch das nationalsozialistische Regime zu Tode kamen.

Seit diesem Donnerstag sind vier dieser Gedenktafeln Teil des Gebäudes der Schwabinger Tengstraße 25. Dank der Initiative von Elisabeth Noske: Zweieinhalb Jahre lang hat die Hochschullehrerin und Kulturkorrespondentin, die seit elf Jahren selbst in dem Haus lebt und schon mehrmals in Israel war, die Geschichte der jüdischen Bewohner in der Gegend recherchiert. Von insgesamt 182 Menschen jüdischer Herkunft, die in den Jahren von 1933 bis 1945 in der gesamten Tengstraße gemeldet waren, wohnten ihren Nachforschungen zufolge allein zwanzig im Haus mit der Nummer 25. "Die Tengstraße 25", weiß Noske zu berichten, "war zwischendurch vermutlich auch mal ein Juden- und ein Ghettohaus."

Mina Bergmann, Ehefrau des Hopfengroßhändler Nathan Bergmann, der bis zur "Arisierung" eine Firma an der Wilhelmstraße 15 betrieb, ist eine der ehemaligen Bewohnerinnen. Sie wurde am 4. Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo die SS sie am 30. Juni 1942 ermordete. Auch Bergmanns Tochter Helene, kurz nach dem Verbrechen an ihrer Mutter von der Gestapo ins Lager gebracht, ließ ihr Leben in Theresienstadt. Dieses Schicksal teilten auch Emanuel und Sophie Gutmann. Der gebürtige Heilbronner führte in der Lindwurmstraße 205 das "Kaufhaus Gutmann", das 1938 zwangsweise enteignet wurde. Die Gestapo deportierte das jüdische Ehepaar am 24. Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Emanuel Gutmann wurde dort am 24. Oktober 1943, seine Ehefrau Sophie Gutmann am 11. Oktober 1944 ermordet.

Rosa und Jakob Hirsch Landauer, mit zwei Schwiegersöhnen Teilhaber der Firma L. Heilbronner & Cie in der Sonnenstraße 3, erlebten die Vierzigerjahre erst gar nicht mehr. Auch ihre Firma enteigneten die Nationalsozialisten 1938. Erinnert werden soll außerdem an Rosa Gabriele Wolfsheimer. Die Ehefrau des 1926 verstorbenen Hemdenfabrikanten Albert Wolfsheimer zog 1930 in die Tengstraße 25 und musste nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mehrmals den Wohnsitz wechseln. Sie starb am 12. August 1935 in München.

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