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Schwabing:Ein letzter Appell

Politiker dringen auf Verhandlungen zu Wohnbauprojekt in der Parkstadt

Von Stefan Mühleisen, Schwabing

Die Politiker im Stadtbezirk Schwabing-Freimann ermahnen die Stadtspitze und das Unternehmen Argenta erneut, sich doch noch um Verhandlungen über das gestoppte Wohnungsbauprojekt in der Parkstadt Schwabing zu bemühen. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Patric Wolf (CSU), hat am Dienstagabend in der Bezirksausausschuss-Sitzung einen "letzten Appell" formuliert, die Kehrtwende im Bebauungsplanverfahren rückgängig zu machen. Mit dem Schreiben ersucht das Gremium Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Argenta-Chef Helmut Röschinger "einen neuen Versuch zu unternehmenunternehmen, hier die dringend benötigten Wohnungen auf den letzten freien Grundstücken in der Parkstadt Schwabing zu errichten", wie es in dem Papier heißt, das unter Applaus beschlossen wurde.

Hintergrund ist die anstehende Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses im Verwaltungsprozedere, den der Stadtrat im Juli 2017 gefasst hatte - der Startschuss für die Planung, um auf den brach liegenden Teilstücken, die als Gewerbegebiet ausgewiesen sind, gut 800 Wohnungen zu realisieren. Doch im vergangenen Oktober vollzog Röschinger einen Kurswechsel: Er will nun doch nach geltendem Baurecht im Wesentlichen Büros, eventuell wenige Wohnungen, bauen. Als Grund nannte er, dass neun Jahre lang über Änderungen des Bebauungsplans ohne belastbares Ergebnis verhandelt worden sei. Zuletzt hatte Merk Fehler im Verfahrensprozess eingeräumt.

Die Schwabinger und Freimanner Politiker haben indes die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Behördenspitze im Rathaus das Blatt noch wenden könnte - und die Argenta - sie ist größter Grundstückseigentümer und Generalunternehmer in der Parkstadt - ihren Strategiewechsels überdenkt. "Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt und den Bedarf an Büroflächen auch in München verändert", schreibt der BA in seinem "letzten Appell". Schon jetzt stünden Büros in der Parkstadt leer. "Es wäre das absolut falsche Signal, hier weitere Büroflächen zu errichten." Das Gremium regt eine "Task Force auf Verwaltungsebene" an, welche die notwendigen Änderungen am Bebauungsplan zügig durch die Instanzen bringt "und die wenigen noch fehlenden Beschlusse zeitnah herbeiführt".

© SZ vom 18.06.2020

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