Schwabing:Die E-Zukunft liegt in weiter Ferne

Schwabing: Sanierungsbedürftig: Hinter den Büschen auf dem Dach des Parkhauses im Hinterhof der Occamstraße 20 verbirgt sich ein Schulsportplatz, der sicherheitshalber bereits nicht mehr benutzt werden darf.

Sanierungsbedürftig: Hinter den Büschen auf dem Dach des Parkhauses im Hinterhof der Occamstraße 20 verbirgt sich ein Schulsportplatz, der sicherheitshalber bereits nicht mehr benutzt werden darf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadt hat kein Geld, um ihr marodes Parkhaus an der Occamstraße zu sanieren. Für den Pächter ist das misslich: Das Münchner Taxi Zentrum würde dort gern eine Zentrale der Elektromobilität mit 100 Ladepunkten einrichten

Von Nicole Graner, Schwabing

Das Münchner Taxi Zentrum (mtz) hat im Gebäude Occamstraße 20 seine Zentrale. Im Hinterhof hat Taxi-Occam im großen Parkhaus ein paar Büroräume, einige Taxis stehen dort. Rechts davon geht es ins Parkhaus. Auf dem Dach sieht man Hecken und Pflanzen. Ein Sportplatz verbirgt sich dahinter, den die Schülerinnen und Schüler der staatlichen Grundschule an der Haimhauserstraße benutzt haben. Die Betonung liegt auf "benutzt haben". Denn das Dach ist nicht mehr sicher, das ganze Parkhaus marode. Wie das Kommunalreferat, dem das Gebäude gehört, dem Bezirksausschuss (BA) Schwabing- Freimann erklärt, weist die Bausubstanz "erheblichen Sanierungsbedarf auf".

Auch die Verantwortlichen des Münchner Taxi Zentrums, das an die 100 Taxis im Parkhaus stehen hat und derzeit Pächter des Komplexes ist, wissen, dass das Gebäude marode ist, und präsentierten im BA Ideen, wie es nach einer Sanierung genutzt werden könnte. Das Taxi Zentrum, das bereits zehn E-Taxis hat und seine Flotte auf weitere 80 emissionsfreie Fahrzeuge ausweiten möchte, könnte sich vorstellen, im kommunalen Parkhaus einen ersten innerstädtischen E-Mobility-Hub, also eine fahrzeugübergreifende Parkstation aufzubauen. Geplant sind zum Beispiel 40 Ladepunkte für schnelles und ultraschnelles Laden. Neben dem Taxigewerbe könnten auch Logistikunternehmen, Lieferdienste, die Schwabinger Handwerksbetriebe und städtische Versorgungsunternehmen den E-Hub nutzen. Zusätzlich soll es auch für Berufs- und Einkaufspendler ebenso wie die Anwohner weitere 60 AC-Ladepunkte (bis 22 Kilowatt) geben. Auch Anwohnerparken sieht das Konzept des mtz vor. Mit diesen Ideen könne, so erklären die derzeitigen Betreiber, das Parkhaus "aufgewertet" werden. Ein E-Mobility-Hub könnte zu einem CO₂-neutralen öffentlichen Nahverkehr in München beitragen.

Der BA zeigte sich in der jüngsten Sitzung sehr "angetan" von diesem Konzept. Ekkehard Pascoe (Grüne), Vorsitzender des Unterausschusses Mobilität, lobt es als ein "sehr spannendes" Projekt. Es vereinige viele Nutzungen auf einem engen Raum mit 300 Stellplätzen. Auch Jürgen Howe (Freie Grüne) hält diese Nutzung an dem Ort für "sehr geeignet". Einen Wunsch hat der BA: auf jeden Fall ausreichend Anwohnerparkplätze.

Der Haken: Das Mobilitätsreferat und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung betrachten den Standort für einen E-Mobility-Hub "als ungeeignet". Das habe man, so erklärt das Kommunalreferat, dem jetzigen Parkhaus Betreiber mitgeteilt. Auch könne wegen der derzeit angespannten Haushaltslage die Sanierung "nicht finanziert" werden. Man prüfe, ob man das Parkhaus in das Eigentum der Park and Ride GmbH übertragen könne. Die Entscheidung, was nun an der Occamstraße letztlich passieren soll, wird noch dauern. Denn das Kommunalreferat will den Stadtrat wohl erst Ende 2022 über die Prüfungsergebnisse informieren.

Das allerdings ist dem BA zu spät. Dort will man einerseits eine schnelle Lösung, damit das marode Gebäude wieder nutzbar ist. Und damit dann zum Beispiel auch der Sportplatz der Haimhauserschule. Zum anderen hält man an der positiven Meinung über das E-Mobility-Hub-Konzept des mtz fest. Der BA wünscht sich außerdem, dass die Stadt ihr eigenes Konzept vorstellt. Am besten schon in der Oktober-Sitzung.

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