Süddeutsche Zeitung

Schwabing:Der Widerstand formiert sich

Ortsvereinschefs von Grünen und CSU starten eine Kampagne zur Rettung des Sportgeländes an der Osterwaldstraße und des Vereins Weißblau-Allianz

Zwei Monate nach den wütenden Protesten gegen die Verwertungspläne der Allianz für das Sportgelände an der Osterwaldstraße ist eine Kampagne zum Erhalt des ansässigen Vereins Weißblau-Allianz und des Areals angelaufen. Herzstück ist dabei eine Unterschriftenaktion, die vor allem bei der Rathauspolitik fruchten soll. "Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern den Stadtrat auf, alles zu unternehmen, damit das Gelände an der Osterwaldstraße 144 in seiner jetzigen Form und Nutzung erhalten bleibt", heißt es in einem Memorandum.

Angeführt wird die Aktion von zwei lokalpolitischen Akteuren: Christian Hierneis, Sprecher des Grünen-Ortsverbands Maxvorstadt-Schwabing-Alte Heide-Freimann, dazu Vorsitzender der Kreisgruppe München des Bundes Naturschutz (BN), sowie Patric Wolf, Vorsitzender im CSU-Ortsverband Alte Heide und christsozialer Fraktionssprecher im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann. Wolf ist selbst Mitglied in dem Verein und hatte in der Dezember-Sitzung, bei der gut 150 Weißblau-Mitglieder anwesend waren, einen Eilantrag zum Schutz des Vereins und des Sportgeländes eingebracht. "Wir machen das für die Mitarbeiter und die Nachbarschaft; wir wollen keine Gentrifizierung und kein Luxus-Fitness-Resort", sagt Wolf.

Der Allianz-Versicherungskonzern hat dem einst als Betriebssportverein gegründeten SV Weißblau-Allianz den Pachtvertrag für das Stammgelände an der Osterwaldstraße gekündigt; Ende Juli dieses Jahres muss der Verein, mit seinen knapp 4000 Mitgliedern einer der großen Breitensportvereine Münchens, nach Jahrzehnten das Areal räumen. Die Allianz verhandelt mit dem britischen Premium-Fitness-Anbieter David Lloyd Leisure, der das Gelände in Erbpacht übernehmen soll. Wie bekannt wurde, ist für den privaten Sportclub ein Außenpool sowie ein "Glaspavillon mit Event-Gastronomie" vorgesehen.

Nach harscher Kritik von Lokal- und Rathauspolitikern, Vereinsmitgliedern und auch Allianz-Mitarbeitern hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zuletzt an den Vorstandsvorsitzenden der Allianz Deutschland, Klaus-Peter Röhler, appelliert, die Kündigung des Pachtvertrags zu überdenken - und überdies klar gestellt, dass die Umnutzungspläne nicht genehmigungsfähig seien. Nach Auskunft des OB-Büros hat ein Telefongespräch mit der Allianz-Führung bereits stattgefunden; über das Ergebnis ist nichts bekannt.

Wolf und Hierneis legen unterdessen mit ihrer Protestaktion los. CSU-Politiker Wolf hat auf eigene Kosten Plakate mit der Aufschrift "Rettet das Allianz-Sportgelände" drucken lassen und an der Osterwaldstraße platziert. Die Unterschriftenlisten sollen in Geschäften und Gaststätten auch über Altschwabing hinaus ausgelegt werden. "Der Allianz geht es nur ums Geld, uns geht es um die Menschen", sagt Hierneis und kündigt an: "Wir werden mit unserem Widerstand jetzt Vollgas geben."

Ein Umdenken ist indes bei der Allianz nicht zu bemerken. "Wir nehmen den Gesprächsfaden gerne auf", sagt Unternehmenssprecher Christian Teichmann mit Blick auf den Dialog mit dem OB. Er rechtfertigt die Kündigung des Pachtvertrags erneut damit, dass die Sportanlage sanierungsbedürftig sei, die Allianz die Investition aber nicht stemmen wolle. "Wir können den Verein nicht weiterhin subventionieren", sagt Teichmann, man unterstütze ihn aber bei der Suche nach alternativen Sportstätten. Der Firmensprecher hebt überdies hervor, der SV Weißblau-Allianz sei kein "Betriebssportverein". Von 7700 Mitarbeitern in Stadt und Umland seien nur 677 Personen aktive Vereismitglieder.

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SZ vom 14.02.2018
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