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Schwabing:Das Montmartre von München

Schwabing ist keine Ort, sondern ein Zustand. Das war zur Zeiten der Bohème so, und in den wilden Siebzigern erst recht. Ein Retrospektive in Bildern.

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"Schwabing ist kein Ort, sondern ein Zustand", diese Worte stammen von Fanny Gräfin zu Reventlow (1871 - 1918), der berühmtesten Schwabingerin aller Zeiten. Die "Skandalgräfin" oder "Schwabinger Gräfin" war eine Schlüsselfigur der Münchner Bohème.

Aber nicht nur zu Zeiten der Bohème war Schwabing ein Zustand, auch in der Nachkriegszeit lebten in diesem Münchner Stadtteil stets umtriebige und wenig bürgerliche Menschen.

Warum dieses Pärchen es sich in einer Badewanne bequem gemacht hat, ist nicht überliefert, aber es drückt den berühmten Zustand "Schwabing" perfekt aus. Das Foto entstand in den sechziger Jahren.

Text: Beate Wild Foto: SZ-Photo

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Berühmt wurde Schwabing zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich in diesem Viertel und in der angrenzenden Maxvorstadt allerlei Künstler und Intellektuelle herumtrieben.

Sie spazierten durch die Straßen, zerredeten die Tage und durchzechten die Nächte. Dreh- und Angelpunkt der Schwabinger Bohème war der "Simpl" in der Türkenstraße. Heute wird er als Alter Simpl weitergeführt.

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Der "Simpl" in Schwabing während seiner Blütezeit. Im Publikum befinden sich die Wirtin Kathi Kobus (vorne links), der Maler Schmutzler und der Kapellmeister Koppe.

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Schwabing beginnt gleich hinterm Siegestor auf der Leopoldstraße, dem heute von den Münchnern ungeliebten Pappel-Boulevard, und endet ungefähr am Feilitzschplatz, wo sich Boazn, Dönerbuden und Kleinkunstbühnen aneinanderreichen.

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Schwabing ist älter als München. Bereits im Jahre 782 wird es urkundlich erwähnt, von 1887 bis 1890 erhielt es sogar den Rang einer Stadt. Zu früh stolz darauf, wurde es 1891 kurzerhand von München eingemeindet.

Deshalb war wohl so etwas wie Rache im Spiel, dass die Schwabinger Bohemiens sein wollten und der Ortsteil zum "enfant terrible" wurde.

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Skandalös waren vor allem die Damen. Sie zeigten sich in Schwabing von jeher äußerst freizügig, wie hier die Damenklasse einer Schwabinger Kunstschule beim Aktzeichnen. Vermutlich ist das Bild in der Damen-Akademie in der Barerstraße 21, im Jahre 1907 entstanden.

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Einst wollte man hier den Vorort einer neuen Welt schaffen, eine Art Zentrum für alles Außergewöhnliche. Dichter, Maler, Philosophen, Schauspieler, Regisseure, Musiker, Wissenschaftler, Okkultisten, Mystiker, Ärzte, Theosophen, Buddhisten, Zionisten, Pazifisten, Nihilisten, Kollektivisten und Anarchisten - ja, sogar Bolschewisten (Lenin und seine Frau), lebten hier friedlich zusammen.

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Auch der Chinesische Turm war von jeher ein Symbol von Schwabing. Im zweiten Weltkrieg wurde er (hier eine Aufnahme vor dem Krieg) zerstört, später wieder aufgebaut.

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Schwabing wurde im Krieg schwer beschädigt. Hier sieht man Menschen bei der Trümmerbeseitigung nach einem alliierten Bombenangriff im Frühjahr 1945 an der Kreuzung Schellingstraße/Schraudolphstraße. Im Hintergrund die zerstörte Neue Pinakothek.

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Nach dem Krieg ging es aber schnell wieder bergauf. Alleine am eleganten Kleidungsstil konnte man damals die Schwabinger schon von weitem erkennen. Der Dichter Fritz de Crignis (1883 - 1957) schrieb gerne Aphorismen über sein Viertel: "Armut gilt in Schwabing nicht als Schande, aber als Dummheit."

Er sagte aber auch: "Leute, die Geld haben, werden von der Polizei entweder gesucht oder geschützt."

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Im April 1901 gründete eine Gruppe junger Künstler das Kabarett "Die elf Scharfrichter", das sich mit Satire und Ironie bewusst vom biedermeierlichen Stil fernhielt. Diesen neuen Stil hatten die Schwabinger sich von ihrem Vorbild "Chat noir" auf Montmartre, dem Pariser Künstlerviertel, abgeschaut. Deshalb nannte man Schwabing seither gerne auch Montmartre. Oder wie die Gräfin Reventlow ihr Viertel taufte: Wahnmoching.

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Die "Katakombe" kristallisierte sich genau 50 Jahre nach der Gründung der Scharfrichter als neuer "Place to be" heraus. Zuerst war das Kabarett von Regisseur K. Th. Langen in einem alten Weinkeller beheimatet, später in einem Klub im Rathaus.

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In den Sechzigern hielt dann eine neue Art Bohème in Schwabing Einzug. Hedonistisch, extrovertiert, materialistisch, dafür weniger intellektuell waren die jungen Wilden. Dazu gehörte unter anderen Schlagersänger Peter Kraus, der hier bei einem Ausflug ins nächtliche Schwabing von weiblichen Fans belagert wird. Das Bild entstand 1958.

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Dann im Jahr 1962 die berüchtigten Schwabinger Krawalle. Der Auslöser: Weil eine Gruppe von jugendlichen Straßenmusikanten am 21. Juni 1962 noch nach 22.30 Uhr spielte, rief ein Stadtrat und Anwohner der Leopoldstraße die Polizei. Bei dem Versuch der Beamten, die Gruppe aufzulösen und die fünf Musiker vorläufig festzunehmen, kam es zu Rangeleien mit Jugendlichen. Die Situation eskalierte.

Auf unserem Bild führen Kriminalbeamte in Zivil einen der Haupträdelsführer ab. Beachtlich: der Kleidungsstil und die perfekt sitzenden Frisuren der hier tätigen Beamten.

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Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (rechts im Bild) sah sich veranlasst einzuschreiten. Er ließ sich in einem Lautsprecherwagen der Polizei durch Schwabing fahren, um die randalierenden Studenten zu beruhigen und sie aufzufordern, sich zu zerstreuen.

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Doch so leicht ließen die Studenten nicht locker - die Polizei jedoch auch nicht. Hier wird eine junge Frau von zwei Beamten abgeführt. Hunderte Jugendliche wurden zum Zwecke der Identitätsfeststellung verhaftet.

Die Straßenschlachten dauerten fünf Tage an. 40.000 Demonstranten sollen beteiligt gewesen sein. Einer der Teilnehmer an den Krawallen war Andreas Baader, damals noch eher unpolitisch, später RAF-Terrorist.

Foto: SZ-Photo Text: Beate Wild

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