Süddeutsche Zeitung

Schwabing:Café statt Supermarkt

Die Umbaupläne für ein Boardinghouse am Hohenzollernplatz laufen darauf hinaus, dass der Discounter im Erdgeschoss ausziehen muss und die Nahversorgung gefährdet ist. Der Investor gibt sich aber kompromissbereit

Die Gebäude an der Ostseite des Hohenzollernplatzes werden in den kommenden Jahren teilweise umgebaut. Michael Fischbaum, Investor und Betreiber der "Frederics Serviced Apartments", eines Boardinghouse-Projekts mit den Dienstleistungen eines Hotels, hat für den Erdgeschossbereich der Hausnummer 7 eine Nutzungsänderung beantragt. Die Pläne, die vor wenigen Tagen dem Bezirksausschuss Schwabing-West zur Anhörung vorgelegt wurden, sehen vor, statt des derzeit dort befindlichen Supermarktes eine Gaststätte zu etablieren - mit etwa 70 Plätzen in und 48 Plätzen vor dem Lokal. Eins zu eins umgesetzt würde das bedeuten, dass der Discounter Netto weichen muss. Lediglich ein kleiner Ladenbereich an der Emanuelstraße fände dann noch Platz.

Für Westschwabings Lokalpolitiker wäre dies ein herber Verlust. Denn der Supermarkt ist der Haupt-Nahversorger in der Gegend. "Der Netto ist notwendig für den Einkauf des täglichen Bedarfs vieler Leute an der Ecke", weiß die Chefin der CSU-Fraktion im Stadtteilgremium, Ingrid Braunstorfinger. "Und er läuft sehr gut."

Fischbaum jedoch, das betont er auf Nachfrage, will die Entwürfe gar nicht so detailgetreu umsetzen, wie der Architekt sie gezeichnet hat. "Ich möchte lediglich die Baugenehmigung haben, damit ich den Mietern dann sagen kann, was alles machbar ist." Eine Gastronomie wünscht er sich zwar durchaus, am liebsten eine Mischung aus Café und Gaststätte. Auf keinen Fall aber, sagt der Unternehmer, wolle er die Nahversorgung im Viertel gefährden. Im Gegenteil: Auch er brauche für die Gäste seiner Apartments einen Laden, wo es ein breites Sortiment an Lebensmitteln zu kaufen gebe. Seine Kunden sollen sich selbst versorgen können. "Zugegeben, die Nahversorgung der Anwohner hatte ich bei der Planung nicht im Blick, deren Situation war mir so nicht bewusst. Aber ein Markt liegt in meinem ureigensten Interesse." Das Konzept für den Erdgeschossbereich sei deshalb auch "noch nicht ganz rund", die Entwürfe "nicht in Beton gegossen".

Knapp 700 Quadratmeter Fläche umfasst der Erdgeschossbereich. Fischbaum hat wegen einer künftigen Nutzung bereits mit diversen möglichen Mietern gesprochen, unter anderem mit Edeka, Käfer, dem Bio-Supermarkt Basic und auch mit Netto. Entschieden hat sich der Investor bislang nicht, "jeder von diesen Anbietern hat eine andere Philosophie". Sicher aber ist: Zu speziell soll das Angebot nicht werden. Einen Shop mit rein veganen Produkten etwa schließt Fischbaum aus.

Westschwabings Lokalpolitiker wollen nun zuerst das Gespräch mit Fischbaum suchen, bevor sie sich zum vorgelegten Antrag festlegen. "Da wird sich dann sicher ein Modus vivendi finden", ist der Immobilienunternehmer überzeugt. Schließlich seien die Stadtteilpolitiker ja die Vertreter der Bevölkerung. Und die seien "meine Kunden".

Ende des Jahres, hofft Fischbaum, soll die Baugenehmigung der Lokalbaukommission vorliegen, die Umbauzeit schätzt er auf mindestens zwei Jahre. Das Vorhaben beschränkt sich nicht auf die Nutzungsänderung, das Haus soll zudem aufgestockt und mit einem Walmdach versehen werden. Auch ist vorgesehen, den Gebäudetrakt an der Emanuelstraße abzureißen und neu zu errichten - samt Tiefgarage und einem zusätzlichen Stockwerk.

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Quelle:
SZ vom 15.05.2019
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