Schutzbunker unter der Heßstraße:Die Ruine des Kalten Krieges

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Anfang der Siebziger-Jahre wurde der Bunker an der Heßstraße gegraben. "Zu den olympischen Spielen - und vor dem Hintergrund des kalten Krieges", erzählt Wolfgang Schäuble. Der Münchner Bunker sollte ein Musterbau werden für die gesamte Bundesrepublik. Später, so plante man damals, sollten in ganz Deutschland zehn dieser überdimensionalen Schutzräume entstehen.

Jahrzehntelang wurde der Bunker "vorgehalten", wie es die Schutzexperten nennen, benutzt wurde er aber nie. Lediglich zu Übungszwecken simulierte man hier das Vorgehen im Ernstfall. Zu einem "zivilen Schadensfall" sollte es anlässlich der olympischen Spiele 1972 in München auch nicht kommen, dafür zu dem erschütternden "Olympia-Attentat", bei dem 17 Menschen ums Leben kamen.

In Friedenszeiten werden viele Bunker zu öffentlichen Tiefgaragen

"Schrott" hat irgendwer mit Kreide auf den hölzernen Fernschreiber gekritzelt. Auf dem Boden ein Blättermeer aus Vorgangformularen. Alle mit vierfachem Durchschlag in blau, grün, rot und gelb. Umgekippte Stühle, alte Lagekarten für die Warnbereiche zur Sirenenauslösung und eine große grüne Tafel, auf der mit Magnetschildchen Einsatzpläne simuliert wurden: "Das ist die Befehlszentrale des Oberbürgermeisters", erklärt Schäuble. An der Wand allerdings hängt ein Konterfei eines unbekannten jungen Mannes. Offenbar Feindbild und Zielscheibe jener Vandalen, die sich hier eingenistet und sowohl Gocha-Spiele als auch Partys veranstaltet hatten.

Insgesamt 31 Schutzanlagen gibt es noch in München, erzählt Heinz Geissel von der Branddirektion. 21 so genannter Mehrzweckanlage, die meisten im Stadtzentrum. In Friedenszeiten werden sie als öffentliche Tiefgaragen genutzt, "etwa die am Hauptbahnhof", sagt Geissel. Im Ernstfall könnten hier 3000 Menschen Unterschlupf finden.

345.000 Schutzplätze gibt es in München

Dann gibt es noch zwei kleinere Anlagen für 50 bis 299 Personen und acht Hoch- und Tiefbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. "An der Hotterstraße zum Beispiel, direkt neben dem Wirtshaus Hundskugel, steht so ein grauer Klotz - das ist einer der Hochbunker", sagt Geissel. Insgesamt 345.000 solcher Schutzplätze seien in ganz München verteilt, hauptsächlich in der Innenstadt. Allesamt "gasdicht verschließbar".

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