Schulen München will mehr Platz für spielende Kinder schaffen

Dass Schulhöfe wie hier am Schererplatz in den Ferien für Kinder geöffnet werden, ist bisher eine Ausnahme.

(Foto: Florian Peljak)
  • Im dicht bebauten München wissen Kinder vor lauter Verboten häufig nicht, wo sie draußen spielen sollen.
  • Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) will deshalb mehr Flächen an Schulen öffnen und die restriktiven Regeln lockern.
Von Melanie Staudinger

In Wohnanlagen ist Fußballspielen in den allermeisten Fällen verboten, auf öffentlichen Plätzen ungern gesehen und die Rasenflächen in den Parks bieten nicht genügend Raum für alle, die gerne kicken würden. In einer dicht bebauten Großstadt wie München tun sich Sportler schwer mit der Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Hobby.

Auch Kinder wissen vor lauter Häusern, Straßen und Verboten oft nicht, wo sie draußen spielen sollen. Ihnen will die Stadt nun unter die Arme greifen: Denn tatsächlich gibt es viele Sportplätze und Pausenhöfe an Schulen, die allerdings am Abend, am Wochenende und in den Ferien schlicht zugesperrt sind. Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) will nun mehr von ihnen für die Allgemeinheit öffnen und die restriktiven Regeln lockern, wie sie der Süddeutschen Zeitung sagte. Die Stadt solle "kindgerechter" werden.

34 kommunale und 157 Schulsportanlagen unterhält die Stadt. Viel Platz eigentlich. Doch wer abends, samstags oder sonntags daran vorbeigeht, sieht diese meist verwaist. Seit Langem wird über die Freisportflächen diskutiert. Zugesperrt seien sie, weil Haftungsfragen nicht geklärt seien, sagen die einen. Die Stadt wolle bloß die Überstunden der Hausmeister nicht bezahlen, die die Schulhöfe auf- und zusperren müssten, argumentieren die anderen. Vor Kurzem haben sich auch die Grünen im Stadtrat in die Debatte eingemischt. Sie fordern ein Konzept, das regelt, wie vor allem Jugendliche am Wochenende die Sportflächen an städtischen Schulen nutzen können.

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Ganz ohne Konzept steht die Stadt nicht da. Ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 1992 regelt, wann, wie und von wem Schulhöfe und Schulsportplätze nach Schulschluss und in den Ferien genutzt werden können. Der Lärmschutz spielt bei den Überlegungen ebenso eine Rolle wie die Zugangssituation - und die Frage, ob in der Umgebung vielleicht schon ausreichend Grünflächen zum Spielen und Sporttreiben vorhanden sind, ob es Gefahrenquellen gibt (anders als im Unterricht gibt es bei der freien Öffnung keine Aufsichtsperson), ob die Flächen von Sportvereinen belegt sind und wie der Schließdienst organisiert werden kann. Entschieden werden müsse immer im Einzelfall, teilt das Bildungsreferat mit. In diesem Sommer etwa standen 25 Schulhöfe offen, dort bot der Verein Spiellandschaft Stadt Spielgeräte für Kinder an.

Geht es nach Stadtschulrätin Zurek, könnte sich diese Situation schon bald grundlegend ändern. Denn unabhängig vom Antrag der Grünen hat sich das Referat für Bildung und Sport bereits mit einer breiteren Öffnung der Freisportflächen beschäftigt, wie sie sagt, und zwar an allen städtischen und staatlichen Schulen. "Wir sind bestrebt, die Zahl der geöffneten Schulhöfe zu erhöhen", sagt Zurek. Ihr Haus überprüfe gerade, ob die Vorgaben aus dem Jahr 1992 noch aktuell seien und an welchen Stellen sie angepasst werden könnten. So hätten sich zum Beispiel die Möglichkeiten, einen Schließdienst zu organisieren, in den vergangenen 24 Jahren durchaus verbessert, sagt Zurek.

Allerdings werden nun nicht alle städtischen und staatlichen Schulen ihre Schulhöfe und Sportflächen für Privatleute öffnen. Laut Zurek muss sichergestellt sein, dass die technischen Hausverwalter - so heißen die Hausmeister bei der Stadt - nicht über Gebühr belastet würden. Zudem müsse das jeweilige Gelände vom eigentlichen Schulhaus abtrennbar sein. Und auch mit Anwohnerprotesten dürfte zu rechnen sein, wenn auf den Anlagen mehr Sport getrieben wird. Wohl auch um eine breitere Akzeptanz zu schaffen, seien die örtlichen Bezirksausschüsse eng eingebunden, sagt Zurek.

München braucht nicht nur mehr Wohnraum

Denn das Problem ist deutlich: München wächst und braucht daher nicht nur mehr Wohnraum, Schulen, Kitas oder einen leistungsfähigeren Nahverkehr, sondern auch Flächen, auf denen Kinder spielen und Erwachsene Sport treiben können. Die Stadt ist sich dieser Herausforderung bewusst. Die Überlegungen zur Öffnung der Freisportflächen an Schulen sind nicht das erste Projekt. So hat der Stadtrat im großen Schulbauprogramm, das bis 2030 wohl an die zehn Milliarden Euro kosten wird, gleich mitbeschlossen, überall vereinssporttaugliche Hallen zu bauen, auch wenn diese für den reinen Schulunterricht eigentlich überdimensioniert wären.

Auch haben die Stadträte unlängst die Öffnungszeiten der Bezirkssportanlagen erweitert. Sie sind nun von Montag bis Samstag statt bis 20.30 Uhr und 18 Uhr durchgehend bis 22 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen immerhin noch bis 18 Uhr statt 17 Uhr. Um dies zu ermöglichen, wurden 16 zusätzliche Stellen für Platzwarte geschaffen. In Arbeit ist derzeit auch eine sogenannte Sportentwicklungsplanung. "Wir brauchen eine Gesamtschau", fordert Zurek. Die Dimensionen sind enorm: Allein im städtischen Haushalt für das Jahr 2016 sind 19,4 Millionen Euro eingeplant für die Sportinfrastruktur. Die Investitionen erreichen allerdings auch eine Menge Bürger: Die 705 Münchner Sportvereine zählen 558 960 Mitglieder.

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