Schulen in München Casting für das Gymnasium

Unterricht mal anders: Schüler des Wilhelmsgymnasiums interpretieren "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci.

(Foto: Catherina Hess)
  • Die Gymnasien in München werben um Schüler - und vor allem um deren Eltern.
  • Alle 38 öffentlichen Gymnasien bieten Viertklässlern eine Schulhausrallye, Schnupperstunden, Führungen und Elternabende.
  • Immer mehr Eltern überlassen bei der Karriereplanung ihrer Kinder nichts mehr dem Zufall - eine Entwicklung, die nicht nur die Schüler stresst.
Von Melanie Staudinger

Ganz authentisch ist die Darstellung des letzten Abendmahls dann doch nicht. Statt Wein wird am Wilhelmsgymnasium Traubensaft serviert. Sonst aber haben die Schüler an alles gedacht. Gleich am Eingang ihrer Schule bauten sie eine lange Tafel auf wie in der Darstellung von Leonardo Da Vinci. Vor dem Tisch drängen viele aufgeregte Kinder und schauen dem Schauspiel gebannt zu. Es ist Schnuppernachmittag an einem der ältesten Gymnasien Münchens, einem humanistischen mit Latein und Griechisch als Schwerpunkte. Direktor Michael Hotz will um neue Fünftklässler werben - und das breite Angebot des Gymnasiums darstellen. Nötig hätte er das nicht. Das Gymnasium hat einen guten Ruf, die alten Sprachen sind ohnehin wieder modern.

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Nicht nur das Wilhelmsgymnasium buhlt um die Viertklässler mit guten Noten. Schulhausrallye, Schnupperstunden, Führungen und Elternabende bieten alle der 38 öffentlichen Gymnasien in München. Die Entscheidung, auf welche weiterführende Schule ein Kind wechselt, dürfte in den Familien noch nie derart intensiv diskutiert worden sein wie heute. Bevor Eltern ihre Söhne und Töchter in dieser Woche am Gymnasium anmelden, haben die meisten von ihnen einen Marathon hinter sich.

Während Väter und Mütter früher höchstens zwei, drei Elternabende besucht haben, um sich über Sprachenfolge und Zweige zu informieren, hat sich mittlerweile ein regelrechter Schul-Tourismus etabliert. Sieben, acht oder gar neun verschiedene Gymnasien werden unter die Lupe genommen, die Angebote im Detail verglichen. Eine Big Band, in der Schüler und Eltern gemeinsam spielen? Pluspunkt. Chinesisch als Wahlfach? Kann man immer brauchen. Tiefkühlkost in der Mensa? Lieber nicht. Wenn die Noten im Übertrittszeugnis endlich passen, soll die weiterführende Schule auch die perfekte sein. Und die Kinder entscheiden aktiv mit, was sie gut finden.

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"Wir haben extra zusätzlich Schnupper-Stunden und eine Schulhausbesichtigung am Nachmittag eingeführt", sagt Luitgard Vonbrunn, Leiterin des städtischen Luisengymnasiums. Der Grund: einschlafende Kinder bei Abendveranstaltungen, die oftmals bis 22 Uhr oder länger dauerten. Auch an diesem Nachmittag im März drängen sich Eltern in der Aula. Was sie erfahren werden: wie das Ganztagsangebot funktioniert, welche Möglichkeiten die Mittagspause bietet. Was die Eltern eher wissen wollen: Wer bestimmt, was ihre Kinder zwischen Vormittags- und Nachmittagsunterricht machen? "Die Schüler selbst?", fragt eine Mutter. Ein betreutes Programm wäre ihr lieber, schließlich müssten die Noten stimmen. Es gehen tatsächlich nur zwei Lehrer mit auf den umzäunten Spielplatz? Ob das nicht zu gefährlich sei, bei so vielen Fünft- und Sechstklässlern? Die Lehrerin, die durch das Schulhaus führt, bleibt gelassen. Wenn Kinder aufs Gymnasium gingen, könne man ihnen ruhig etwas zutrauen, sagt sie. Ein Vater fotografiert derweil mit seinem Tablet gefühlt alle Ecken des Gebäudes - eine Beweisaufnahme quasi. Immer mehr Eltern überlassen bei der Karriereplanung ihrer Kinder eben nichts mehr dem Zufall. Sie meinen es gut, manchmal aber auch zu gut.

Peter Heinz Rothmann, Direktor des Obergiesinger Asam-Gymnasiums, weiß, wie schwierig der Spagat zwischen Fürsorge und Überforderung ist. "Sie erleben eine spannende Zeit", sagt er beim Elternabend. Auch er wirbt für seine Schule: schöner Südpausenhof, zentrale Lage. 1050 Schüler, 30 Klassen, 100 Lehrer. Dann schlägt er ernstere Töne an. "Wir erwarten von unseren Kindern und Jugendlichen eine Eignung fürs Gymnasium, Lern-, Leistungs-, Hilfs- und Anstrengungsbereitschaft", sagt er. Hinterher wird er erklären, dass nicht jeder für eine Ganztagsklasse geeignet sei. Wer sich in der Grundschule schon schwer tue, habe nur geringe Chancen durchzukommen. "Wir wollen Abstiegskarrieren vermeiden", sagt Rothmann.

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So engagiert Eltern sind, einen Termin lassen fast alle ausfallen. In der dritten Klasse bieten alle Grundschulen einen Informationsabend zum Schulsystem. In der Grundschule Berg am Laim etwa sitzen 20 Leute - die Schule hat sieben dritte Klassen. Väter und Mütter könnten erfahren, welche Alternativen zum Gymnasium es gibt. "Ich hoffe, dass es für Sie nicht nur einen Weg zum Glück gibt", sagt Rektor Michael Hoderlein. Die meisten in der Turnhalle dürften das anders sehen - welche Chancen hat ein Jugendlicher denn noch ohne Abitur? Hoderlein mahnt: "Sie müssen es aushalten, wenn ihr Kind zu Hause traurig ist, weil es mit der Schule überfordert ist." Er empfiehlt, sich umzuschauen, nicht nur an den Gymnasien.

Die Eltern, die zum Schnuppernachmittag ins Wilhelmsgymnasium gekommen sind, haben sich umgeschaut. An einer Mittel- oder Realschule aber war kaum jemand. "Das ist die zweitschönste Schule, die wir gesehen haben - gleich nach Grünwald", sagt ein Vater. Mit seiner Tochter sitzt er im Physiksaal. Dort wird Direktor Hotz gleich "Griechisch für Viertklässler" halten. In weniger als 30 Minuten, so verspricht er, könnten alle Kinder ihren Namen in den fremden Buchstaben schreiben. Geduldig erklärt er das Alphabet. Er berichtet von Phöniziern, Ägyptern und Römern. Am Schluss schreiben die Schüler ihre Namen tatsächlich - freilich nur in griechischen Großbuchstaben. "Erfolgserlebnisse sind wichtig und bringen Spaß ins Lernen", sagt Hotz. Der Vater mit seiner Tochter erklärt: "Hier sind wir gut aufgehoben. Die Schule wird dich weiterbringen."