Schulaufgaben Finde den Fehler

Die App findet heraus, an welcher Stelle sich der Schüler verrechnet hat.

(Foto: oh)

Eine App soll Mathematiklehrern das Korrigieren abnehmen und Analysen liefern

Von Melanie Staudinger

Deutschlehrer müssen viel korrigieren. Diese langen Aufsätze immer. Und Fremdsprachenlehrer erst, die haben richtig viel zu tun. Dem würde man gemeinhin zustimmen. Aber Mathelehrer? Die müssen ja nur ein Ergebnis abhaken oder rot anstreichen. "In Wirklichkeit aber ist das viel mehr Aufwand, als viele denken", sagt Daniel Glasemann. Denn in komplexen Rechnungen müssten Lehrer ja erst einmal den Punkt finden, an dem sich der Schüler verrechnet hat. "Anfangs war uns gar nicht so bewusst, dass es einen so großen Bedarf gibt", sagt Glasemann. Doch in Gesprächen mit Lehrern sei herausgekommen, dass die Pädagogen oftmals die Stärken und Schwächen ihrer besten und schlechtesten Schüler kannten, im Schnitt aber nicht so genau wussten, wo noch Defizite vorhanden seien.

Glasemann und seinem Mitstudenten Jonas Lorenz kam ein Gedanke: Wie praktisch wäre doch eine App, die Mathematik-Aufgaben korrigiert und dem Lehrer gleichzeitig eine Auswertung bietet, bei welchen Rechnungen die Schüler Probleme haben, wo also der größte Wiederholungs- und Vertiefungsbedarf ist. Die App soll Lehrern helfen, ein kontinuierliches Gefühl dafür zu entwickeln, wo die Gesamtheit ihrer Schüler steht. Und sie bietet schnelle Zwischenstände, etwa wenn Elterngespräche anstehen.

Die Idee klingt so einfach, dass man sich zunächst einmal wundert, warum es eine solche Anwendung nicht schon viel länger gibt. Den Grund haben Glasemann, der früher BWL und Mathematik studiert hat, und der Informatiker Lorenz relativ schnell herausgefunden: Es ist ziemlich viel Programmierarbeit, denn das Programm soll Aufgaben nicht nur lösen, sondern auch die Fehler herausfinden und bündeln können. Die Entwickler müssen also prognostizieren, welche möglichen Schwierigkeiten beim Rechnen auftreten und was die Schüler konkret alles falsch machen könnten. "Wir haben gemerkt, dass Schüler häufig ähnliche Fehler machen, dass sie die gleichen Denkfehler machen", sagt Glasemann. In der Summe aber müsse die App fähig sein, sehr viele verschiedene Varianten zu korrigieren.

"Wir wollen ein Produkt entwickeln, dass wirklich auch genutzt werden kann", sagt Glasemann. Sie haben ihre App schlicht "Correct" getauft, erste Tests an Schulen sind bereits abgeschlossen. "Wir stehen im ständigen Austausch mit den Lehrern", sagt der Entwickler. Die Anwendung ist einfach: Der Lehrer fotografiert die handschriftlich gelöste Aufgabe schlicht ab, die App erledigt dann den Rest. Wie das funktioniert, können Interessierte übrigens auch im Internet testen unter der Adresse demo.correct.guru/. Der Fokus liegt derzeit auf dem Unterrichtsstoff der Klassen sechs bis neun aller Schularten, also auf Gleichungen, Termvereinfachung, oder binomischen Formeln. Ziel sei es aber, irgendwann alle Aufgabentypen von der fünften Klasse bis zum Abitur abzubilden.