Schulanfang Der Experte empfiehlt Eltern: einfach mal locker bleiben

Wer erfolgreich in der Schule ist, ist auch erfolgreich im Leben, glauben sie. Massives Beschenken geht zudem meist einher mit massiven Erwartungen. Wer seinem Kind teure Geschenke mache, gebe ihm das Gefühl, viel zurückgeben zu müssen, erläutert Schulte-Körne. Stimmen die Noten nicht, ist das Kind enttäuscht und verliert im schlimmsten Fall die Lust an der Schule. Was der Experte empfiehlt: einfach mal locker bleiben. "Gegen eine schöne Feier im Familienkreis ist aber nichts einzuwenden, um dem Kind zu zeigen, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt", sagt Schulte-Körne.

Der Wirbel um den Schulanfang erzeugt aber auch Neid und Benachteiligung. Während Schulanfänger in Bogenhausen, Schwabing oder Haidhausen manchmal gleich mehrere prall gefüllte Schultüten mit sich herumschleppen und gar nicht mehr wissen, mit welchem Geschenk sie sich zuerst beschäftigen sollen, gibt es Kinder im Hasenbergl, die keine einzige haben, weil dafür das Geld nicht reicht. Soziale Unterschiede zeigen sich so vom ersten Tag an.

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Stiftungen und Warenhäuser versuchen, dem entgegenzuwirken. So gibt die Stiftung des Münchner Lehrerverbands vor den Sommerferien Schulmaterialien an Bedürftige aus, bei Galeria Kaufhof können Kunden für 15 Euro eine Charity-Schultüte kaufen, der Konzern legt noch einmal zehn Euro drauf - und ein Kind bekommt sie dann geschenkt.

Auch Gabriele Strehle hat an ihrer Grundschule am Hedernfeld in Hadern ein paar Vorkehrungen getroffen, damit die Kinder den ersten Schultag in guter Erinnerung behalten. "Sie freuen sich vor allem, wenn die Eltern sich zur Einschulung freinehmen und ihnen so zeigen, dass jetzt ein neues Leben beginnt", sagt die Rektorin.

Während die Mädchen und Jungen ihre erste Schulstunde verleben, begrüßt der Elternbeirat die Väter und Mütter mit Sekt und Butterbrezen. "So erfahren die Eltern aus erster Hand, was bei uns an der Schule wirklich los ist", sagt Strehle. Was es bei ihren Lehrern immer gibt, ist eine kleine Hausaufgabe. "Nur dann fühlen sich die Kinder als richtige Schulkinder", sagt Strehle. Der positive Nebeneffekt: Die Erstklässler könnten nicht den ganzen Tag durchfeiern, sie kämen durch die Malübung zumindest ein wenig zur Ruhe.

Man bleibt so lange, bis die Schultüte perfekt ist

Früher, so erzählt die Schulleiterin, gab es am selben Tag gleich noch den ersten Elternabend. Der aber wurde in den meisten Schulen längst verlegt. "Die Familien sollen diesen wichtigen Tag gemeinsam ausklingen lassen", sagt Strehle. Anderntags dürfen die Kinder dann vom Inhalt ihrer Schultüte berichten. Jeder nennt aber nur das Teil, das ihm am besten gefallen hat - "das ist nicht so bitter für die ärmeren Kinder". Als pädagogisch wenig sinnvoll erscheint Strehle, dass oft auch die kleinen Geschwister etwas geschenkt bekommen. Denn die Kleinen sollten lernen, einmal auf etwas zu verzichten oder zu warten.

In Helenas Kindergarten in Trudering hat man dafür eine gute Lösung gefunden: Auch die angehenden Schulkinder müssen sich ein wenig gedulden, bis sie die eigene Schultüte das erste Mal sehen dürfen. Das Basteln erledigen die Eltern an einem lange vorher angekündigten Donnerstagabend. "Für meinen Mann war es ein Riesenspaß, Helena ein rosa Einhorn, viel Glitzer und ihren Namen in bunten Buchstaben auf die Tüte zu kleben", sagt Verena K. Die letzte erschöpfte Mutter sei an dem Abend übrigens bis 21 Uhr geblieben - so lange eben, bis die Schultüte perfekt war.

Was Helena am Dienstag auspacken wird, haben die Eltern erst vor wenigen Tagen entschieden: Vielleicht ein T-Shirt, etwas zum Lesen oder Malen aus ihrer Lieblings-Kinderserie. Ein Smartphone wird sicher nicht dabei sein, "und auch nicht nur Süßkram", sagt ihre Mutter. Besonders gefreut haben sie die Worte von Helenas künftiger Schulleiterin beim ersten Elternabend: "Denken Sie daran: Die Kinder müssen die Schultüte selbst tragen können."

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