Wenn Shoppingqueen Tessa (Sabrina Ascacibar) mit mehreren Taschen von einschlägigen Designer-Labels weinend und um Mitleid heischend auf die Bühne der Komödie im Bayerischen Hof stürmt, ist nicht nur ihrem Ex-Mann Ralf (Bernhard Bettermann), sondern auch dem Publikum rasch klar: Hier will eine ihren Ex zurück, den sie selbst vor fünf Jahren verlassen hat. Immerhin hat es mit ihm „am allerbesten nicht funktioniert“.
Nach ihrer 19-jährigen Ehe mit Ralf hatte sie zwar so einige Affären, allerdings waren die nur von überschaubarer Halbwertzeit. Auch der aktuelle Verflossene, ein wenig erfolgreicher Rocksänger, hat sich gerade überraschend von ihr verabschiedet, darüber tröstet auch ein „Trennungsring“ im Wert von mehreren Tausend Euro nicht hinweg. Weiß doch Tessa, dass dieser Ring ähnlich wie ihr gesamtes Leben von Papa Holger bezahlt wurde. Der Ex-Schwiegervater ist auch geschäftlich noch mit Ralf, dem Geologen, in Sachen Tunnelbau verbandelt, das nur nebenbei.
Aber Ralf ist gar nicht gewillt, auf Tessas Avancen einzugehen, den Grund verrät er freilich nicht: Denn da gibt es Nadine (Cheryl Shepard), seine alte Schulfreundin, mit der er seit kurzem zusammen ist. Mit ihr und ihrem Mann Eric, die inzwischen aber auch kein Paar mehr sind, war man in früheren, glücklichen Zeiten gemeinsam befreundet. Weshalb die übergriffige Tessa auch in Ralfs Wohnung einen Brunch zu viert initiiert, um diese alten Zeiten von Zusammengehörigkeit wieder heraufzubeschwören.
„Schuhe, Taschen, Männer“ von Stefan Vögel präsentiert ein Beziehungskarussell, das sich liest wie nach einer Gebrauchsanleitung für ein ideales Boulevard-Theaterstück gestrickt. Deren laues Ergebnis aber wenig überzeugt. Dagegen kann auch die fernseherprobte Darstellerriege nicht viel ausrichten, bekannt aus Serien wie „In aller Freundschaft“: Dort leitet Bettermann als Dr. Martin Stein seit 2006 die Sachsen-Klinik, Shepard stand ihm jahrelang als Urologin Dr. Elena Eichhorn zur Seite.
Wo soll man anfangen? Schon die tempobefreite Anfangsszene, in der Shepards Nadine die Wohnung des einfühlsam-verdrucksten Ralf durchkämmt, um zu erfahren, in welchem Bett, in welchem Gäste- oder Schlafzimmer die rivalisierende Ex die Nacht verbracht hat, setzt den Ton: Sie nervt eher, als dass sie amüsiert.
Warum dieser Ralf, der es nicht über sich bringt, seiner Ex seine neue Partnerin zu offenbaren, gleich mehrmals seine Oberteile ausziehen muss, wird das Geheimnis der Regie (Ute Willing) bleiben. Weil der als „Weichling“ beschimpfte Ralf dann doch ein ganzer Kerl mit Waschbrettbauch ist? Derweil läuft Tessa mit einem auffälligen Preisschild an der Rückseite ihres neuen Kleids herum, auf das sie rätselhafter Weise nie jemand aufmerksam macht. Weil für „Daddys Girl“ eben entgegen aller Beteuerungen doch nur der schnöde Mammon zählt?
Seltsam ist auch die Kostümierung von Nadine, angeblich eine „Kaffeehausbesitzerin mit Drang zu Höherem“, wie ihr Ex-Partner Eric (Tino Führer), ein Polizist mit „Minderwertigkeitskomplexen“ und Spielzeugpistole, sich beschwert. Dabei mutet sie in Latzhose und Holzfäller-Hemd vielmehr wie eine Klempnerin an. Da das Stück die Styling-Fragen schon im Titel führt, fragt man sich unwillkürlich, warum eine erwachsene Frau in solcher Aufmachung agieren muss. Weil sie emanzipiert sein soll?
Wer hier mit wem seit wann und wie lange schon einmal ein Techtelmechtel hatte, ist eine Recherche-Frage, die einen im weiteren Verlauf des Stücks, in dessen Handlungsklischees sich die Darsteller leicht orientierungslos verfangen, zunehmend kaltlässt. Daran kann auch der Auftritt von Rocksänger Rainer (Matthias Unruh) mit Gitarre und Joint für alle nichts mehr ändern. Ein Abend, der das oberste Gebot des Boulevards, wenn überhaupt, mit eher unfreiwilliger Komik unterläuft: Du sollst nicht langweilen.
Schuhe, Taschen, Männer, bis 23. November, Komödie im Bayerischen Hof

