Schüsse in der Au 30 Zeugen, kein Motiv

Zwei Tote bei Schüssen auf Baustelle in München 21.02.2019, Bayern, München: Polizisten stehen an einer Einsatzstelle im Stadtteil Au. Schüsse haben zwei Männer auf einer Baustelle in München getötet. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)
  • Ein Angreifer hat am Donnerstag auf einer Baustelle in der Au erst einen Polier und dann sich selbst erschossen.
  • Die Polizei, die zu einem Großeinsatz ausrückte, hat inzwischen zahlreiche Zeugen vernommen, aber noch keinen Hinweis auf ein mögliches Tatmotiv.
  • Möglicherweise habe der Todesschütze sein Opfer mehr oder weniger zufällig ausgewählt, heißt es.
Von Julian Hans

Nach den tödlichen Schüssen auf einer Baustelle in der Au hat die Polizei am Donnerstag mehr als 30 Zeugen vernommen und die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Gleichwohl bleibt das Motiv hinter der Tat weiter unklar. "Es gibt keine Erkenntnis, dass der Täter einen akuten Streit mit dem Getöteten hatte", sagte Polizeisprecher Sven Müller am Freitag.

Täter und Opfer kannten sich seit etwa einem halben Jahr, sie waren bei unterschiedlichen Firmen beschäftigt. Berichte, wonach der Täter, ein 29-jähriger Bauingenieur aus Augsburg, erst kürzlich gekündigt worden sei, kann die Polizei nicht bestätigen. Die Ermittler schließen nicht aus, dass er sein Opfer mehr oder weniger zufällig ausgesucht hat.

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Sicher ist bisher, dass er am Donnerstagmorgen gegen 8.50 Uhr mit einer Pistole mehrere Schüsse auf einen 45-Jährigen abgegeben hat. Der Mann aus der Umgebung von Görlitz koordinierte als Polier die Arbeiten an einem Rohbau des Nobel-Komplexes an der Ohlmüllerstraße. Die Projektile trafen ihn in Kopf und Oberkörper, er war sofort tot.

Anschließend richtete der Täter sich selbst. Dass die Spurensicherung auch in der Tür eines Baucontainers Einschusslöcher fand, könnte als Indiz dafür gewertet werden, dass der Täter nicht nach einem Plan vorgegangen ist, sondern im Affekt eher hektisch um sich geschossen hat.

Einen Waffenschein hatte der Mann nicht; auf welchem Weg er dennoch an die Pistole des Herstellers Glock gekommen ist, muss nun geklärt werden. Die Ermittler werten derzeit auch den Computer des 29-Jährigen aus. Er soll sowohl beruflich als auch privat unter großem Druck gestanden haben, hieß es am Freitag aus Polizeikreisen. Es ist jedoch nichts darüber bekannt, dass er sich wegen psychischer Probleme in Behandlung befunden haben könnte.

Die Schüsse auf der Baustelle des "Haus Mühlbach" hatten Donnerstagfrüh einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Etwa 150 Beamte eilten an den Tatort, darunter auch Scharfschützen und Spezialkräfte von Sondereinheiten. Das Landratsamt an der Ohlmüllerstraße wurde vorübergehend geschlossen, die Reichenbachbrücke gesperrt. Nachdem klar war, dass der Täter tot war, konnte die Polizei Entwarnung geben.

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