Schulstreik für Klimaschutz Wer noch mal demonstriert, bekommt Ärger

Hunderte Schülerinnen demonstrieren am vergangenen Freitag mit selbstgemalten Plakaten vor der Universität.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Etwa 750 Münchner Schüler haben den Unterricht boykottiert, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Einen weiteren Schulstreik wollen die Schulleiter nicht hinnehmen.

Von Jakob Wetzel

Für das Anliegen der Schüler habe sie selbst durchaus Verständnis, sagt Renate Matthias. Es sei an der Zeit, für den Klimaschutz einzutreten, und an ihrer Schule, dem Luitpold-Gymnasium im Lehel, gebe es auch eine Gruppe, die sich sehr aktiv für den Umweltschutz einsetze. Doch als Schulleiterin müsse sie auch dafür sorgen, dass die Schüler den Unterricht besuchen. Wenn sie stattdessen demonstrieren gehen, dann würden sie schwänzen.

Etwa 750 Münchner Schülerinnen und Schüler haben laut Polizei am Freitag den Unterricht boykottiert, um stattdessen für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Bundesweit gab es in etwa 50 Städten Kundgebungen unter dem Motto "Fridays for Future", nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags ihrer Schule fernbleibt, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen; in München war es bereits der zweite Unterrichtsboykott. Die Schüler zogen ab elf Uhr von der Ludwig-Maximilians-Universität zum Maxmonument. Beginn war trotz Schulpflicht um elf Uhr vormittags, also zur Unterrichtszeit; von diesem freistellen durften die Schulen aber niemanden.

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Wie viele Schüler dennoch am Streik teilnahmen, unterscheidet sich von Schule zu Schule stark; wie sie reagieren will, entscheidet jede Schulleitung selbst. Das Kultusministerium hat keine Vorgaben gemacht, ebenso wenig das städtische Bildungsreferat. Die Schulleiter sollten in eigener Verantwortung mit ihren Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen wie Verweisen oder Nacharbeiten umgehen, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Für viele Schüler bleibt der Schulstreik demnach wohl noch ohne ernsthafte Konsequenzen. Doch Schulleiter warnen: Würde der Schulboykott wie angekündigt wiederholt, sei er nicht mehr hinzunehmen.

Zum Beispiel am Luitpold-Gymnasium: Die Schule liegt nur 20 Gehminuten von der Universität entfernt. Am Freitag hätten ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in der achten und neunten Jahrgangsstufe gefehlt, außerdem einzelne aus der zehnten Klasse, insgesamt etwa 50 Schüler, sagt Direktorin Matthias. Sie wolle nun nicht "reihenweise Verweise ausstellen"; wer freilich gar nicht erst zur Schule erschienen sei, komme um einen Verweis nicht herum.

Wer dagegen nach der dritten Schulstunde gegangen sei, könne stattdessen einen Arbeitsauftrag erfüllen: Die Schüler sollten eine Erörterung schreiben, welche Ziele mit Hilfe der Freitagsdemo erreicht werden sollten, und dazu kritisch Stellung nehmen. Die Zehntklässler sollten zusätzlich den Leitspruch "Fridays for Future" nach inhaltlichen und sprachlichen Aspekten untersuchen. "Dass der Stoff nachgeholt wird, versteht sich ja von selbst", sagt Matthias. Eine Wiederholung des Schulboykotts sei aber ausgeschlossen: "Das ist dann nicht mehr tolerierbar."

Ähnliches kündigen andere Schulen an. Marianne Achatz, die Leiterin des Schwabinger Gisela-Gymnasiums, sagt, sie wolle auch "nicht groß mit Strafen hantieren". Die etwa 20 Schüler, die demonstrieren gegangen seien, müssten sich aber in einer Stunde mit dem Umweltbeauftragten der Schule über Klimaschutz und Schulstreik auseinandersetzen. Ulrich Ebert, der Leiter des staatlichen Max-Planck-Gymnasiums in Pasing, will einstweilen sogar ganz auf Konsequenzen verzichten. Zehn bis 15 Schüler seien hier am Freitag unentschuldigt der Schule ferngeblieben. "Ich sehe keinen Handlungsbedarf", sagt Ebert: "Dauerhaft geht das natürlich nicht." Er rechne aber nicht damit, dass sich der Boykott wiederhole. Die Schüler versäumten sonst schließlich viel Stoff, und das in immer denselben Fächern.

Michael Hotz hält überhaupt wenig von der Demonstration. Schüler und Schulen würden instrumentalisiert, sagt der Leiter des Wilhelmsgymnasium. Er konnte den Unterrichtsboykott aus seinem Bürofenster beobachten: Das Maxmonument, das Ziel der Demonstration, liegt direkt vor seinem Schulgebäude. Am Wilhelmsgymnasium sei der Boykott aber weitgehend vorbeigegangen, sagt Hotz. In den Klassenzimmern habe man nichts davon mitbekommen. Und es habe sich auch nur eine einzelne Schülerin aus dem Wilhelmsgymnasium beteiligt. "Bei uns war das kein Thema, weil es schon Thema ist", sagt Hotz: Es gebe bereits ein Projekt-Seminar zu Plastikmüll, und zuletzt gab es einen fast vollständig plastikfreien Nikolaus-Basar. Die Teilnehmerin an der "Fridays for Future"-Demo müsse nun das Plastikmüllprojekt der Schule erneut vorstellen, in der Klasse oder auch mit einer kleinen Ausstellung, "und gerne auf Englisch".

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