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Schmock:Arafats Kopf und Köstlichkeiten

Das israelische Restaurant Schmock serviert exquisite Speisen und provoziert äußerst gerne - kleine Details liefern ausreichend Gesprächsstoff.

"Deutsche, esst beim Juden!" Das Restaurant Schmock lockt seine Gäste mit provokanten Sprüchen. In der Augustenstraße werden israelische und arabische Spezialitäten serviert, dazu koschere Weine. Bilder von Rabbiner mit Kippa und langem Bart drängen sich einem auf. Schon aus dem Telefonhörer schallt einem aber bayerischer Dialekt entgegen - und angekommen im Schmock ist von Rabbis und orientalischem Ambiente keine Spur.

Die Einrichtung im Schmock ist schlicht, aber elegant. So kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren - das Essen.

(Foto: Foto: Häglsperger)

Das Lokal ist schlicht, aber elegant eingerichtet. Die Tische stehen eng aneinander. Der Kellner reicht uns eine Karte, die der großen Weinauswahl gewidmet ist. Für das Angebot der Speisen reicht hingegen ein Blatt Papier - eine Erleichterung für Entscheidungsmuffel. Aus den drei Vorspeisen suchen wir die gemischte israelisch-arabische Platte (9,50 Euro) und die Phillpell Paprika-Schaumsuppe mit Gambas (7,50 Euro) aus.

Auf dem gemischten Vorspeisen-Teller findet man Couscous, rosa gefärbt mit säuerlich-süßen Himbeeren oder verfeinert mit Gurken- und Tomatenstückchen. Dazu drei verschiedene Dips zum angewärmten Pittabrot, Melonenschnitze, Falafel, Oliven und ein mit Hackfleisch gefülltes, würziges Teigröllchen. Alles schmeckt exzellent. Die Sinne werden von den ungewohnten Geschmackskombinationen auf Trab gehalten. Säuerlich gesellt sich zu süß, fruchtige Elemente zu cremigen.

Das einzige, das man hier ankreiden könnte, ist, dass auf der Karte nichts davon stand, dass man sich die Vorspeise mindestens zu zweit teilen sollte. Die Suppe schmeckt intensiv nach Paprika, die schaumige Konsistenz kitzelt den Gaumen. Die große Gamba ist perfekt gebraten und innen noch leicht glasig. Man wünscht sich, eine zweite würde in der Suppe schwimmen.

Koscher-Style und saftige Preise

Bei den Hauptgerichten findet man auf der Menükarte von Fisch über Kaninchen alles außer Schweinefleisch. Schweinefleisch-Liebhaber sind im Schmock auch gänzlich falsch, denn hier wird im Koscher-Style gekocht. Streng gläubige Juden dürfen nur koschere Lebensmitteln essen. Darunter fallen Säugetiere, die Paarhufer und gleichzeitig Wiederkäuer sind - zum Beispiel Rinder oder Ziegen, aber keine Schweine. Auch Gambas dürfen orthodoxe Juden nicht essen, da im Schmock aber nicht strikt alle Regeln befolgt werden, kommen die Gäste in den Genuss der exquisiten Meeresfrüchte.

Als Hauptgang wählen wir "Rinderfilet mit Dijon-Kräuterkruste und Süsskartoffelgratin" (29 Euro) und "Kalbsrücken mit Pitriot und gefillte Kischui" (22 Euro). Bei den saftigen Preisen muss man erst einmal schlucken. Aber wenn man in das servierte Fleisch beißt, wird auch jeder Zweifel mithinuntergeschluckt - es ist ebenso saftig wie der Preis. Das Rinderfilet ist wie gewünscht medium und zergeht auf der Zunge.

Die Senfkruste auf dem Fleisch ist das gewisse Etwas. Sie ist knusprig und dabei gerade so intensiv im Geschmack, dass sie sich perfekt mit dem Rind ergänzt. Das mit Käse überbackene Süsskartoffelgratin ist gut, verblasst geschmacklich aber gegen das Filet.

Pfeffermühle als Blickfang

Auch der Kalbsrücken ist rundum gelungen. Schon beim Anblick des schön angerichteten Tellers läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Das Kalb ist zart und die mit jiddischen Begriffen verschlüsselten Beilagen Pitriot und Kischui entpuppen sich als Gemüse und Pilze: Pfifferlinge sind zu einer würzigen Sauce verarbeitet und in einer ausgehöhlten Zucchini türmen sich kleine, aus einer Kartoffel ausgestochene, Kügelchen. Letztere haben einen schönen Biss und runden das Gericht ab.

Mittlerweile ist das Restaurant gut besucht, die zwei Kellner haben alle Hände voll zu tun und könnten locker einen weiteren Kollegen gebrauchen. Während der Wartepause schweift der Blick, nicht mehr von den Leckereien auf den Tellern gebannt, durch das Restaurant. Die Lampen zeichnen schmale Lichtstreifen an die Wände und tauchen den Raum in schummriges Licht. Rosa blühende Orchideen und der Stuck an der Decke setzen Akzente.

Auf dem Tisch wird die Pfeffermühle zum Blickfang: Ein Palästinensertuch ziert sie, darunter lugt das Konterfeit Yassir Arafats hervor. Wenn man Pfeffer mahlt, dreht man ihm den Hals um. Auf dem Tisch nebenan steht eine Mühle, auf der man das Gesicht von Papst Benedikt erkennen kann.

Nicht nur die Einrichtung des Lokals, auch die Gäste nebenan, bieten Gesprächsstoff. BR-Moderator Christoph Süß genießt seinen koscheren Wein und fläzt sich entspannt in die Eckbank. Schnell konzentrieren wir uns aber wieder auf das Wesentliche - das Dessert vor uns. Der Kellner serviert "Zitronengras Crème Brulée" und "Ugat Schoko mit Cassissorbet" (beides 7,50 Euro). Das kleine Schokotörtchen ist angewärmt und der Kern des Kuchens fließt einem entgegen. Die Schwere der dunklen Schokomasse nimmt das fruchtig-leichte Sorbet.

Die karamellisierte Zuckerkruste der Crème Brulée knackt, wenn man sie mit dem Löffel durchbricht. Die Citrus-Note des Zitronengrases, das man aus der asiatischen Küche kennt, macht die zuckersüße Creme zu einem besonderen Genuss und lässt sie einem trotz vieler verspeister Crème Brulées in Erinnerung bleiben.

Auch das Schmock hat es verdient, den Gästen in Erinnerung zu bleiben - die elegante Atmosphäre passt perfekt zu den exquisiten Speisen. Nur die Bedeutung des Namens ist nicht recht stimmig: Schmock ist ein aus dem Jiddischen stammendes Wort und heißt Tölpel.

Schmock, Augustenstraße 52, 80333 München, Telefon: 52350535.

Schmock

Arafats Kopf und Köstlichkeiten