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Schauspieler Florian Karlheim:Auf der inneren Linie

Bekannt wurde er als Olli Ebert in der ARD-Soap "Marienhof". Inzwischen zählt Schauspieler Florian Karlheim zu den Lieblingen von Regisseur Franz Xaver Bogner und spielt auch in dessen Heimatkrimi "München 7" mit. Ansonsten meidet er die roten Teppiche - und studiert.

Wenn Florian Karlheim die Geschichte von der verpassten U-Bahn erzählt, könnte man von diesem Mann schnell einen falschen Eindruck bekommen. Der schlanke Schauspieler sitzt am Abend im Stadtcafé, kurze blonde Haare, grauer Schal um den Hals und im Gesicht ein Blick, als ob er jederzeit loslächeln würde. Aber er tut es nicht, jedenfalls kaum.

Stur, willensstark und doch lässig: Schauspieler Florian Karlheim.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das irritiert ein wenig, oder, wie es der Regisseur Franz Xaver Bogner formuliert: "Ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen, weil ich an allem interessiert bin, was nicht durchschnittlich ist." Solche Sätze, Bogner-Sätze, die spricht Karlheim auch. Es sind Sätze, die jedem Drehbuch gut stehen würden und die den Menschen Karlheim erklären.

Zunächst einmal aber erklärt der 35-jährige Münchner, warum er ein paar Minuten zu spät gekommen ist. "Die U-Bahn hatte Verspätung", sagt er, und dann hätten so viele Leute einsteigen wollen, dass er nicht mehr reingekommen sei. Das wundert kaum, Karlheim wirkt nicht wie jemand, der sich vordrängelt, sich durchboxt.

Vielmehr wirkt er zurückhaltend, vorsichtig, unscheinbar. Die Kellnerin im Stadtcafé vergisst seine Bestellung auch prompt, "ein Zweigelt war's", sagt Karlheim, während die Lachfalten um seine Mundwinkel starr bleiben.

Wie kommt es, dass einer, der lieber zehn Minuten wartet, als sich zu den anderen in einen Waggon zu zwängen, von Bogner als "stur" bezeichnet wird, dessen Konsequenz er bewundere, der "seinen Willen durchsetzen" würde? Vielleicht liegt es daran, dass es eine Zeit gab im Leben von Karlheim, in der er wenig durchsetzen konnte und fremdbestimmt war. 1992, als Darsteller bei der TV-Serie "Marienhof".

Karlheim ist 1992 16 Jahre alt, geht in Pasing aufs Gymnasium und fährt jeden Sommer mit Freunden und seinem vier Jahre älteren Bruder zum Wellenreiten nach Frankreich. Zu einer Zeit, als das Surfen noch kein ostentatives Statement der Coolness ist. "Der Lebensstil hat mir gefallen: Für eine bestimmte Zeit alles andere zurückzulassen." Karlheim sieht zwar so aus, als ob er den Surfertyp geben könnte, aber er ist alles andere als ein oberflächlicher blonder Sunnyboy. Noch heute gibt es die Ausflüge mit Freunden, mittlerweile nach Portugal. Man könnte das konsequent nennen.

Die Rolle in "Marienhof" bekommt Karlheim zufällig. Ein Freund von ihm wird auf der Straße angesprochen und zu einem Casting eingeladen, wohin ihn Karlheim begleitet. Er bekommt selbst eine kleine Rolle, und bald schon mehr. Bis 2000 spielt er die Figur des Olli Ebert, macht nebenher sein Abitur, hat kaum eine freie Minute. "Ich musste mein Leben ändern, es strukturieren, planen."

Er ist nicht Herr über sich selbst. "Für mich war es aber immer wichtig, nicht der Zeit hinterher zu sein, nicht reagieren zu müssen." Er agiert. 2000 hört er bei "Marienhof" auf, beginnt zu studieren, "um nicht stehen zu bleiben". Oder, in karlheimischem Bognerdeutsch gesprochen: "um den Fuß wieder ins Leben zu kriegen".

Wenn Florian Karlheim spricht, saugt er manchmal die Luft so ein, wie das der ehemalige Nationaltorwart Oliver Kahn gerne macht. Seinen rechten Mundwinkel zieht er dabei nach oben, so dass es aussieht, als ob er auf der einen Seite (der linken) ernst ist, und auf der anderen (der rechten) lächelt. Immerhin ein halbes Lächeln.

Aber da bleibt Karlheim stur. Er lässt das Lächeln einfach weg, auch wenn es zu einer üblichen Unterhaltung dazu gehört. Weglassen. Das ist sein Thema. "Bogner ist ein Meister des Weglassens", sagt Karlheim. Das sei seine Haltung, seine Handschrift in der Dramaturgie des Drehens.