Premiere von „Die Kuh Rosmarie“ im Schauburg LaborÜber Grenzen springen

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Gerade noch hat der Hund (Tom Gerhartz) sich sein Fressen schmecken lassen, da nähert sich die nörgelnde Kuh Rosmarie (Hardy Punzel) und verdirbt ihm den Spaß.
Gerade noch hat der Hund (Tom Gerhartz) sich sein Fressen schmecken lassen, da nähert sich die nörgelnde Kuh Rosmarie (Hardy Punzel) und verdirbt ihm den Spaß. Philipp Nemenz

Eine missgelaunte Kuh treibt auf einem Bauernhof ihr Unwesen. Und findet dann doch ihren ganz persönlichen Umweg zum Glück.

Kritik von Barbara Hordych

Diese Rosmarie weiß alles besser und sagt allen, was zu tun ist: Mit lautem „Muh“, selbstgerechter Miene und breitbeinig in den Knien federnd, wirft die Kuh dem Schwein vor, sich beim genüsslichen Suhlen im Schlamm nur schmutzig zu machen; der eifrig fressende Hund schmatzt ihr zu gierig mit unappetitlich aufgerissenem Maul, und das Eier legende Huhn gackert ihr zu viel – es solle stattdessen pfeifen! Erschrocken halten die betreffenden Tiere inne, allesamt mit bewundernswerter Hingabe und viel komödiantischem Talent verkörpert von Hardy Punzel und Ensemble-Neuzugang Tom Gerhartz, verlieren schlagartig die Lust an ihrem Tun.

Andri Beyelers Theaterstück „Die Kuh Rosmarie“ nach dem Bilderbuch „Die Kuh Rosalinde“ von Frauke Nahrgang und Winfried Opgenoorth hatte jetzt mit umbenannter Titelheldin im Schauburg Labor Premiere, in der Regie von Ensemble-Mitglied Simone Oswald. Die Ausstatterin Sharon Smadja hat dort einen entzückenden, von drei Seiten einsehbaren Bauernhof eingerichtet, begrenzt von einem lila Zaun. Der wird als Grenze zwischen drinnen und draußen im weiteren Verlauf noch zentrale Bedeutung gewinnen.

Denn als der Bauer miterlebt, wie sich die unleidliche Rosmarie den Goldfisch vorknöpft, der besser aus dem kalten Wasser herauskommen und sich gefälligst eine „Badehose“ anziehen solle, reißt ihm der Geduldsfaden. Er bindet der Unruhestifterin ein Seil um den Leib und zerrt sie (genauer gesagt Punzel) zwischen den Reihen der begeistert juchzenden Kinder zum imaginären Bahnhof. „Einmal so weit weg, wie es irgendwie geht!“, gibt er als Zielort an. Die Kuh wird so unverhofft zur Weltenbummlerin.

Fortan könnte also Ruhe auf dem kleinen Bauernhof herrschen. Wären da nicht die fremden Tiere, die plötzlich auftauchen. Aus dem Wald, den Wiesen und den Bergen vertrieben von einer ewigen Besserwisserin. Was nun? Der Bauer holt seine Kuh nach Hause. „Wie ist es außerhalb des Zauns?“, wollen die Daheimgebliebenen von der Rückkehrerin wissen. Und Rosmarie beginnt von der Weite der Welt zu schwärmen. Womit man beim Zaun wäre, der auf der Bühne ganz einfach hoch- und herunterzuklappen ist. So, dass die Rosmarie je nach Belieben mal draußen, mal drinnen herumspringen kann beim Erzählen. Und darüber ganz fröhlich wird.

Manchmal muss man eben erst herausfinden, was einen stört. Um dann jeden so akzeptieren zu können, wie er ist. Eine zu Herzen gehende, philosophisch-witzige Parabel über das individuelle Maß an Freiheit und Geborgenheit, das wohl alle zum Glücklichsein benötigen.

Die Kuh Rosmarie, ab 5 Jahren, Termine bis 18. Januar 2026 unter www.schauburg.net

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