Wenn man erst mal „zerknittert und vertrocknet“ im Seniorenheim sitzt, dann war es das mit den meisten Vergnügungen. Eine der wenigen ist es dann noch, dass man sich „allabendlich mit dem Klostergeist“ betrinkt. Mit der möglichen Folge, dass man irgendwann zu jodeln anfängt. So macht es jedenfalls das lyrische Ich im Song „Jodeln im Seniorenheim“ aka „Yore Yore Jodel“ von Sasebo. Oder genauer: Toshio Kusaba und Carl Tokujiro Mirwald jodeln, die beiden Sänger der bayerisch-japanischen Band aus München. Zu hören ist der mit seiner lustigen Flötenmelodie recht beschwingt klingende „Blues“ auf dem dritten Album „Ça C’est Bon!“, das Sasebo am 18. Januar live in der Goldmarie präsentieren.
Moment. Japaner, die jodeln? Hatten wir das nicht schon mal? Ach ja, da gab es doch Takeo Ischi aus Tokio, später Reit im Winkl, der sich in den Achtzigern und Neunzigern durch Volksmusiksendungen gejodelt hat. Und der vor ein paar Jahren eine beachtliche, zweite Karriere hinlegte. Mit sehr amüsanten Musikvideos wie „Chicken Attack“, die die Gregory Brothers aus Brooklyn mit ihm produziert haben. Zuletzt hieß es, Takeo Ischi wolle beim nächsten ESC jodeln. Was Sasebo weiterhin mit ihm gemein haben: Auch von „Yore Yore Jodel“ gibt es ein amüsantes Video auf Youtube, und dann auch noch welche von zwei weiteren neuen Songs.
Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichert
Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.
Ebenfalls sehr schön: das Cover des Albums. Eine Fotografie, auf der die mittlerweile neun Mitglieder der Band das Gemälde „Die Lebensmüden“ des Schweizer Jugendstil-Künstlers Ferdinand Hodler nachstellen. Die Lebensmüdigkeit, die ist auch Thema in einigen der elf auf Japanisch gesungenen Songs. Wie etwa in „Nukarumi“ (Schlamm), wo es „Ich will nicht mehr“ heißt, in „Aki“, wo sich die Titelfigur mit Morphium „einschläfert“ oder in „Hikikomori“, wo es um junge Männer geht, die sich zu Hause im Zimmer einschließen. Im autobiografischen „Ikigai“ singt Toshio Kusaba dagegen: „Ich will leben, ich will einfach Spaß haben“. In „Nabe“ geht es um Eintopf, in „Gokiburi“ um Kakerlaken und in „Baby“ jagt ein Yakusa seine Freundin, die mit Geld und Drogen abgehauen ist.
Musikalisch klingt das Ganze insgesamt noch ein wenig rumpeliger als früher. Was an dem relativen Neuzugang, dem Perkussionisten Zoro Babel liegt. Als Experimentalmusiker und Sohn der Klangkunst-Legende Limpe Fuchs in München kein Unbekannter. Das schiebt den zwischen Folk und Blues mäandernden, von zwei Gitarren, Tuba, Akkordeon, Flöte oder auch einer singenden Säge getragenen Sound noch ein wenig mehr in die kratzbürstige Richtung eines Captain Beefheart. Ruhig und sanft, das können Sasebo aber auch, wie „Ikigai“ zeigt. Warum der Titel „Ça C’est Bon!“ auf Französisch ist? Gute Frage. Aber als Beschreibung des auf Rheinschallplatten erschienen sowie auf Bandcamp, Spotify und Co. erhältlichen Albums passt er jedenfalls ziemlich gut.
Sasebo: Ça C’est Bon! (Rheinschallplatten), live am Sa., 18. Januar, 20 Uhr, in der Goldmarie, Schmellerstraße 23

