Als sie im vergangenen Spätsommer keine Verlängerung mehr für die Zwischennutzung im Fat Cat erhielt, ahnte Verena Sarré, dass die Zeit für ihre Musikakademie dort ablaufen würde. „Wir planen für November 2026 eine Produktion zu ‚Richard Strauss & die Jugend‘. Als keine Zusage kam, war mir klar, dass wir möglichst rasch neue Räumlichkeiten finden müssen.“ Inzwischen ist offiziell bekannt, dass alle Fat-Cat-Nutzer wegen der Generalsanierung das Gebäude verlassen müssen. Den Anfang macht im Juni der Magier Alexander Krist, da in der Philharmonie die Orgel ausgebaut werden muss.
Wie es ein glücklicher Zufall wollte, hörte die Immobilienfirma Markus Brandl über Dritte davon, dass Sarré eine neue Bleibe sucht. „Und dann kam dieses fantastische Angebot für die nächsten zehn Jahre zu sehr großzügigen Bedingungen“, sagt Sarré, während sie durch die hohen und lichten Räume in der Sendlinger Hofmannstraße 7 führt, die zuvor die Chefetage von Vinzenz Murr beherbergten. „600 Quadratmeter, also doppelt so viel Platz, wie wir vorher im Fat Cat hatten, zum gleichen Preis“, sagt Sarré.
Der Probensaal, in dem gerade die Wiederaufnahme-Premiere von Mozarts „Zauberflöte“ unter den wachsamen Augen von Regisseurin Julia Riegel einstudiert wird, ist 150 Quadratmeter groß. „Ich habe einen Schwingboden einbauen lassen, jeder, der tanzt, weiß, dass das die Gelenke schont. Dazu haben wir die Wände herausgerissen und Schallschutzmaßnahmen für die Akustik eingebaut“, erklärt Sarré leise, um die Szene nicht zu stören.
Allein diese Ausstattung des Saals habe sie 60 000 Euro gekostet. „Für uns ist das ein unglaublicher Qualitätsgewinn. Bezahlbar war das nur, weil uns das Kulturreferat ganz spontan unterstützt hat“, freut sich Sarré. Überhaupt ist sie eine sehr engagierte Netzwerkerin, wenn es um die Förderung von jungen Talenten geht. Die Gründerin und künstlerische Leiterin der Akademie hat Sponsoren gewonnen, die es ihr ermöglichen, begabten Nachwuchs quer durch die Gesellschaft aufzunehmen. „Rund ein Drittel meiner Kinder und Jugendlichen könnten sich Gebühren von 140 Euro monatlich sonst gar nicht leisten.“
Wie findet sie Zugang zu diesen Kindern? „Ich gebe ehrenamtlichen Unterricht in zwei Schulen im Hasenbergl“, erklärt Sarré. Wenn ihr besonders begabte Kinder auffielen, fordere sie sie auf, in ihre Akademie zu kommen. „Über die Lehrer weiß ich dann ganz genau, wer finanzielle Unterstützung von unseren Paten benötigt“, sagt Sarré.

Auf einem Podest im Saal versucht Papageno (den Vogelsänger spielt der 19-jährige Maurice Deisenrieder) derweil, sich mit seinem Glockenspiel ein „Mädchen oder Weibchen“ herbeizusingen. Vermeintlich vergeblich. Doch hinter seinem Rücken nähert sich bereits ein vielstimmiger Chor. „O, Papageno, dreh’ dich um“ kündigen die Kinder Papagenas Ankunft an. „Noch einmal zurück, bitte, ihr müsst mehr nach vorn, zum Publikum schauen“, ruft Sarré. Sofort zieht der Chor sich auf seinen Ausgangsplatz zurück. Bei aller Herzlichkeit, die Sarré ausstrahlt, kann sie deutlich kommunizieren, was sie von ihren jungen Akademisten will. Schließlich leitet die Musikpädagogin parallel seit Jahrzehnten den Kinderchor am Gärtnerplatztheater. „Aber vom Gärtnerplatztheater ist hier kein einziges Kind dabei“, betont Sarré.
90 Akademisten zwischen sechs Jahren und Mitte zwanzig hat sie inzwischen, davon wirken 80 jugendliche Talente in Doppelbesetzung bei der „Zauberflöte“ mit. Zur Seite steht ihr ein bewährtes Team. Dazu gehören Julia Riegel, die die Regie der Musikproduktionen übernimmt, und Sopranistin Petra Nyncke, die die Stimmbildung betreut. Ehemalige Akademisten wie Joshua Hutchison-Bird, der einem als Captain Hook aus „Peter Pan“ noch wild fechtend in Erinnerung ist, arbeitet als Dozent für Schauspiel; Arabella Wäscher, die 2016 in einer früheren „Zauberflöte“ den Part der Königin der Nacht sang, absolvierte inzwischen eine Musicalausbildung, ist nun für Tanz und Choreografie zuständig. Und natürlich wird die Musik wieder live gespielt von Musikern der Bayerischen Staatsorchester. Darauf legt Sarré wert. „Für die Kinder nur das Beste!“, lautet ihre Devise.
Was hat sich geändert gegenüber den früheren Inszenierungen der „Zauberflöte“? „Natürlich die Darsteller, da ist jetzt ein neues Ensemble herangewachsen“, sagt Sarré. Zudem sei die Handlung jetzt in der Gaming-Szene verankert. Prinz Tamino sei ein leidenschaftlicher Videospieler, der eher zufällig in die Märchenwelt von Mozarts Singspiel gerate. Und zunächst auch nicht unbedingt begeistert davon sei, als Waffe nur mit einer eigenwilligen Flöte ausgerüstet zu werden. „Realität und Fantasy-Welt vermischen sich immer mehr, was auch für Verwirrungen sorgt“, sagt Riegel. So verirre sich schon mal Disney-Personal wie Schneewittchen und Peter Pan in das Stück. Man darf also gespannt sein auf so manche Überraschung in diesem Zauberland.
Die Zauberflöte, Oper für Familien, 16. bis 18. Januar, Alte Kongresshalle, Am Bavariapark 14, www.sarre-musikprojekte.de

