Sanierungsmaßnahmen:Kahlschlag befürchtet

Die beiden Brücken über den Eisbach an der viel befahrenen Prinzregentenstraße stammen von 1890 und müssen saniert werden. Wegen der Bauarbeiten will die Stadt bis zu 13 uralte Bäume fällen. Lokalpolitiker reagieren entsetzt

Von Renate Winkler-Schlang, Altstadt

Sie prägen das Bild der Prinzregentenstraße, spenden den Fans der Eisbachwelle Schatten, sie sind uralt und bis zu 14 Meter hoch: Die Stadt will 13 mächtige Winterlinden umsägen, weil sie die Brücken über den Eisbach sanieren muss. Das war kein Fällantrag wie jeder andere, der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel war entsetzt. Es könne doch wohl nicht sein, dass diese Baumriesen weichen müssen, nur damit der Verkehr auf der Prinzregentenstraße auch während der paar Monate Bauzeitweiter sechsspurig laufen kann. Jörg Hoffmann (FDP) als amtierender Unterausschuss-Sprecher empfahl dem Gremium Ablehnung des Antrags. Das Votum war einstimmig. Vor 200 oder sogar 250 Jahren hätten die Münchner diese Bäume gepflanzt, erinnerte der Vorsitzende Wolfgang Neumer (CSU).

Sein Stellvertreter Wolfgang Püschel (SPD) witterte gar ein Komplott der Stadt: Schließlich wolle der britische Architekt David Chipperfield das Haus der Kunst bei der Sanierung wieder in den Originalzustand des Eröffnungsjahres 1937 zurückführen - und dafür auch die Bäume vor dessen Säulenfassade entfernen lassen, um die Sichtbarkeit des Gebäudes zu erhöhen. Diese Pläne sind zwar höchst umstritten. Doch Püschel befürchtet, dass mit den Eisbachbäumen jetzt der Anfang gemacht werden solle und Chipperfield dann später mit seinem Ansinnen leichtes Spiel hätte, wenn die Baumreihe ohnehin schon Lücken habe.

Sanierungsmaßnahmen: Welle der Empörung: Mächtige Winterlinden spenden den Eisbach-Surfern im Sommer Schatten, der Bezirksausschuss findet eine Fällung "unverantwortlich".

Welle der Empörung: Mächtige Winterlinden spenden den Eisbach-Surfern im Sommer Schatten, der Bezirksausschuss findet eine Fällung "unverantwortlich".

(Foto: Stephan Rumpf)

Auch der Bund Naturschutz und die Stadtratsfraktion von FDP und HUT setzten sich für die Eisbachbäume ein. Für die Naturschützer forderte deren Kreisgruppenvorsitzender Martin Hänsel, der Schutz dieser Bäume müsse "oberste Priorität" haben, eine Fällung sei "völlig unverantwortlich". Bei diesen Planungen werde wieder einmal deutlich, dass Bäume im öffentlichen Raum für die Planer keine Rolle spielen. Jährlich gingen in München rund 2500 Bäume durch Nachverdichtung und andere Bauaktivitäten verloren, so Hänsel. Die Stadträte von FDP und HUT erklärten, dass die Stadt nicht ständig privaten Bauherren strengste Vorschriften zum Baumschutz machen könne, wenn sie selbst völlig andere Prioritäten setze. Neupflanzungen könnten auch auf Jahre hinaus keinen adäquaten Ausgleich bieten.

Das Baureferat indes erklärt, es sei noch offen, ob wirklich alle 13 Bäume weg müssen. Die Verkehrsführung während der Bauzeit werde derzeit von Baureferat, Kreisverwaltungsreferat, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Denkmalschutz abgestimmt. Es sei vorgesehen, das Ergebnis dann mit dem Bezirksausschuss zu erörtern, "auch im Rahmen eines Ortstermins", berichtet Sprecherin Dagmar Rümenapf. "Bedauerlicherweise wurde jedoch ohne diese vorgesehene Abstimmung und Information der formelle Fällantrag bei der Unteren Naturschutzbehörde zu früh gestellt, dies hat zu den Irritationen beim Bezirksausschuss geführt."

Sanierungsmaßnahmen: Ein grünes Band am Straßenrand: Uralte Winterlinden prägen das Bild der Prinzregentenstraße im Lehel.

Ein grünes Band am Straßenrand: Uralte Winterlinden prägen das Bild der Prinzregentenstraße im Lehel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Rümenapf erklärt aber auch die technischen Notwendigkeiten: Die Prinzregentenstraße quere mit zwei Brücken den Stadtmühlbach und den Stadtsägmühlbach, die sich nördlich der Straße zum Eisbach vereinigen. Die beiden 1890 erbauten Brücken müssten nun, nach jahrelanger hoher Verkehrsbelastung, saniert werden. Dazu müssen im Bereich der Fahrbahn die Mauerwerksbögen freigemacht und mit neuen Brückenplatten überspannt werden. Und das geht nur von oben. Deshalb komme man nicht umhin, wenigstens die Bäume direkt auf den Brücken zu fällen, eine genaue Zahl kann die Sprecherin nicht nennen. Retten könne man eventuell Bäume im Umfeld, je nach Baustelleneinrichtung und Straßenführung, so Rümenapf. Es sei aber, anders als im Bezirksausschuss behauptet, nie darum gegangen, auf der Prinzregentenstraße stets sechs Fahrspuren für die Autos frei zu halten, widerspricht Rümenapf, es reichten auch vier. Man müsse aber sehen, dass Radler und Fußgänger und die Besucher des Englischen Gartens ebenfalls Platz brauchen. Die Sanierung der Brücken an der Prinzregentenstraße solle zeitlich und auch hinsichtlich der Verkehrsführung mit der geplanten Sanierung des Altstadtringtunnels koordiniert werden. Für angemessene Ersatzpflanzungen werde nach der Bauzeit am Eisbach selbstverständlich gesorgt, verspricht Rümenapf.

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