Sanierung Staub der Geschichte

Der Umbau im Deutschen Museum ist schwierig, das knapp 100 Jahre alte Gebäude hat weder Klimatechnik noch Brandschutz. Die Arbeiter erleben immer wieder Überraschungen, dennoch soll der erste Teil 2020 eröffnen - dann mit neuen Ausstellungen

Von Martina Scherf

Besucher aus anderen Teilen Deutschlands fragten manchmal: Wo ist Tante Ju? Wegen ihr seien sie doch angereist. Dann, sagt Wolfgang Heckl, müsse man halt erklären, dass das Deutsche Museum eine Jahrhundertsanierung erlebt, dass alles schöner, besser, neuer werde und deshalb einige Abteilungen geschlossen seien. Auch Tante Ju, das legendäre Propeller-Flugzeug, musste vorübergehend ausziehen. "Aber mehr als 14000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind ja noch zu besuchen, das schaffen Sie nicht an einem Tag, nicht mal in einer Woche." Am besten, man schaue vor dem Besuch auf die Homepage. Dort ist alles genau erklärt.

Generaldirektor Heckl und Dieter Lang, Generalbevollmächtigter Bau, führen mal wieder durch die Baustelle. Seit zweieinhalb Jahren läuft die Sanierung, im hinteren Teil, zur Corneliusbrücke hin, blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Das gesamte Haus wurde in einen unterirdischen Trog gepackt, damit kein Isar-Hochwasser mehr eindringen und die wertvollen Exponate beschädigen kann. Im Untergeschoss werden jetzt noch Leitungen und Kabel verlegt, Dämmplatten und Rohre angebracht. Es gab keinerlei Klimatechnik in dem bald 100 Jahre alten Gebäude, keine Fluchttreppen, keinen Brandschutz, "nicht mal eine Lüftung", sagt Lang.

Das Haus selbst schrieb Geschichte: Es ist eines der ersten Stahlbetonbauwerke Deutschlands. Entsprechend unzureichend war die Bewehrung des Betons. "Erst vor Kurzem ist uns wieder eine Decke quasi unter den Fingern zerbröselt", sagt Lang. Das sind die vielen Überraschungen, die er erlebt - neben der Kostenexplosion im Baugewerbe. Dennoch ist Lang zuversichtlich: "2020 werden Sie mit Ihren Kindern durch die neuen Ausstellungen gehen." Schwer vorstellbar, angesichts des Staubes, der klaffenden Löcher, der Bagger, die sich immer noch durch die Eingeweide des denkmalgeschützten Baus graben. Presslufthämmer verbreiten einen Höllenlärm, nur ein Taubenpaar lässt sich nicht stören und zieht sich in sein Nest unter der Decke im zweiten Stock zurück.

Der erste Bauabschnitt soll also 2020 fertig sein, mit 19 neu gestalteten Ausstellungen, von der Gesundheit, in der ein riesiger, begehbarer menschlicher Körper zu den Hauptattraktionen gehören wird, über die Landwirtschaft bis zu Luftfahrt und Musik. Seine geliebte Almhütte werde Schindel für Schindel wieder aufgerichtet, sagt Heckl - traditionelle Almwirtschaft versus moderne Agrarindustrie, das gäbe doch jede Menge Diskussionsstoff. Ein Virtual Reality Labor soll einzelne Exponate wie etwa das Mondauto in Szene setzen.

Dann geht es noch aufs Dach. Besucher werden dort ein modernes Restaurant mit offener Terrasse vorfinden, die einen wunderbaren Blick über die Isar und die Stadt bietet. Es soll auch abends geöffnet sein. Ein Münchner Szene-Gastronom hat bereits zugesagt, der Vertrag wird derzeit ausgehandelt.

Und dann? Fängt der zweite Bauabschnitt an. Das Ganze noch mal von vorn. "Immerhin können wir dann auf unsere Erfahrungen bauen", sagt Lang mit einem sibyllinischen Lächeln. Am 7. Mai 2025, zum 100. Geburtstag des Museums, ist die Eröffnung geplant - wohl ohne die vorderen Bereiche der Museumsinsel, Bibliotheksbau und Forum der Technik. Denn dass die von Bund, Land und privaten Spendern zugeteilten 400 Millionen Euro bei weitem nicht reichen, sei allen klar, sagt Heckl. Wohl auch dem Ministerpräsidenten, der in seiner Heimat Nürnberg derzeit einen Ableger des Deutschen Museums bekommt. Er wird, so hoffen sie in München, dann auch für das Stammhaus, immerhin einer der größten Touristenmagneten der Landeshauptstadt, die Trommel rühren.