Sanierung in München Dauerbaustelle Deutsches Museum

Das Deutsche Museum ist schon seit Längerem eine Baustelle.

(Foto: Stephan Rumpf)

2025 feiert das Deutsche Museum 100. Geburtstag. Ob die Sanierung des Hauses bis dahin abgeschlossen sein wird, ist nicht klar. Teurer als geplant sind die Bauarbeiten auch. Die Führung des Technikmuseums steckt in einer Krise.

Von Martina Scherf und Sebastian Krass

Bei der Generalsanierung des Deutschen Museums kommt es zu massiven Verzögerungen. Zudem wird sie aller Voraussicht nach teurer. Nun wird die Planung noch einmal völlig überholt. Zwar ist das Haus schon seit Längerem eine Baustelle; doch das Hauptprojekt, die Sanierung und Neugestaltung des Sammlungsbaus, soll nach derzeitigem Stand erst 2016 beginnen - sechs Jahre nach dem Startschuss für die sogenannte "Zukunftsinitiative", die 400 Millionen Euro kosten soll.

Auch gibt es Zweifel, dass diese wie geplant im Jahr 2025, zur Hundert-Jahr-Feier des Hauses, abgeschlossen sein wird. Es sei inzwischen "unsicher, ob das Museum den vorgesehenen Abschlusstermin erreichen kann", schreibt Wolfgang Herrmann, Vorsitzender des Verwaltungsrats, im Vorwort zum Jahresbericht 2013, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Museumsdirektor Wolfgang Heckl hält am Ziel 2025 fest.

Die Querelen um die Sanierung haben das größte Technikmuseum der Welt in eine Führungskrise gestürzt. Nachdem Herrmann, Präsident der Technischen Universität, sich nicht nur mit Heckl, sondern auch mit dem Kuratorium des Museums überworfen hat, gibt er an diesem Mittwoch seinen Sitz im Verwaltungsrat ab. Zuvor hatte das Gremium noch Heckl einen "Generalbevollmächtigen Bau" zur Seite gestellt, der nun die Sanierung federführend leitet. Heckls Position ist damit geschwächt.

Plus 40 Millionen von privaten Spendern

Dass das denkmalgeschützte Museum eine grundlegende Auffrischung braucht, ist seit Jahren bekannt. Im Oktober 2010 gab die damalige Bundesforschungsministerin Annette Schavan die Zusage, Berlin werde sich mit 180 Millionen Euro an der Sanierung beteiligen. Ebenso viel Geld kommt vom Freistaat, plus 40 Millionen von privaten Spendern.

Im Jahr 2012 beauftragte das Museum nach einer europaweiten Ausschreibung einen externen Projektsteuerer, der eine schrittweise Planung der Bauabschnitte erarbeitete. Im vergangenen Jahr wurde dann beschlossen, doch einen Gesamtplan zu erstellen, ein neuer Partner wurde engagiert. Nun soll bis Mitte 2015 eine "Entwurfsplanung" stehen.

Verwaltungsratschef Herrmann sieht die Verantwortung für den Verzug bei der Museumsleitung. Heckl wiederum erklärt, der Verwaltungsrat habe "alle Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung getroffen". Intern kritisiert Heckl, Herrmann habe mit seinem Eintreten für einen neuen Konzertsaal auf der Museumsinsel die Pläne behindert. Inzwischen ist dieser Standort passé.

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Herrmann aber trauert der Idee nach: Die Staatsregierung habe "in Aussicht gestellt", den Bau eines Konzertsaals an Stelle des alten Kongresssaals, einst Forum der Technik, zu finanzieren, schreibt er im Jahresbericht. Angeblich ging es dabei um 200 Millionen Euro. Belege dafür gibt es indes nicht.

Nun gibt es aber laut Herrmann "weder Konzept noch Geld, um den umfassend sanierungsbedürftigen Altbau zum neuen Portikus des Deutschen Museums umzugestalten". Heckl wiederum betont, es sei bereits viel geschehen: Mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II seien Dach, Fenster und Fassade des Sammlungsbaus saniert worden. Von den 400 Millionen Euro für die "Zukunftsinitiative" seien bisher 44 Millionen ausgegeben worden.

Ungewiss ist aber, ob das verbleibende Geld reicht. Laut bayerischem Wissenschaftsministerium ist wegen des späteren Baubeginns mit Kostensteigerungen zu rechnen. Es werde "angestrebt", diese durch Einsparungen anderer Stelle "so weit wie möglich aufzufangen". Offen ist auch, wie weit der Museumsbetrieb in den nächsten Jahren eingeschränkt werden muss. Spekulationen, es drohe sogar eine zeitweilige Gesamtschließung, weist Heckl zurück: Es blieben "immer mindestens 50 Prozent der Ausstellungen zugänglich".

An diesem Mittwoch tritt das Kuratorium des Museums zusammen und wählt neue Mitglieder für den zehnköpfigen Verwaltungsrat. Vom personellen Wechsel verspricht sich das Gremium auch eine bessere Unterstützung der Museumsleitung. Zu den Kandidaten zählen Wolfgang Reitzle, Vorstandschef des Dax-Konzerns Linde, und Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.