Sanierung Gasteig-Bibliothek soll in Motorama-Komplex umziehen

Haidhausen behält seine Stadtteilbücherei, und die Platznot im Ausweichquartier in Sendling entspannt sich.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Fraktionen von CSU und SPD haben sich auf das Interimsquartier für das Kulturzentrum Gasteig geeinigt.
  • Während der Sanierung werden fast alle Nutzer auf das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling ziehen.
  • Teile der Bibliothek am Gasteig sollen auf der anderen Straßenseite im Motorama-Komplex unterkommen.
Von Heiner Effern und Dominik Hutter

Nach viel Euphorie und manchen Rückschlägen, überraschenden Wendungen und Stopps steht nun das Finale bevor: Die Fraktionen von CSU und SPD haben sich vor der entscheidenden Stadtratssitzung in der kommenden Woche auf das Interimsquartier für das Kulturzentrum Gasteig geeinigt. Für die etwa fünf Jahre dauernde Sanierung des Gebäudes werden fast alle Nutzer auf das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling ziehen.

Im Gegensatz zur Volkshochschule sollen nun Teile der Bibliothek am Gasteig bleiben und nur auf die andere Straßenseite in den Motorama-Komplex umziehen. Die Verhandlungen dort laufen noch, aber Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid rechnet fest mit einem positiven Ergebnis. "Ich gehe davon aus, dass wir die Vorlage so verabschieden. Es ist höchste Zeit dafür, eine weitere Verzögerung wäre nicht mehr möglich gewesen", sagte er.

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Damit spielt Schmid, der als Wirtschaftsreferent für den Gasteig zuständig ist, auf die schwierigen Verhandlungen der vergangenen Wochen an. Ursprünglich sollte das nun gut 90 Millionen Euro teure Interimskonzept im November und dann im Dezember vom Stadtrat verabschiedet werden. Zuerst scheiterte ein Votum, weil bei der ersten Version die jetzigen Mieter, darunter viele Künstler, das künftige Ausweichquartier hätten verlassen müssen.

Als im Dezember ein neues Konzept vorlag, das den meisten jetzigen Mietern einen Verbleib ermöglichen würde, stellten sich Teile der SPD quer und warfen neue Fragen auf: Wird das zu teuer, braucht es überhaupt so ein großes Interimskonzept, könnten die Philharmoniker mit dem Umzug nicht warten, bis der Freistaat eventuell 2023 seinen neuen Konzertsaal im Münchner Osten fertiggestellt hat?

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) musste daraufhin einem aufgeregten Philharmoniker-Chef Valery Gergiev auf einer Konzertreise in China hinterhertelefonieren, um ihn zu beruhigen. Der Zeitplan für die Sanierung vom Jahr 2020 an stehe, die Philharmoniker bräuchte sich keine Sorgen zu machen. So soll es nun auch kommen, mit einer einschneidenden Änderung: Die Zentralbibliothek soll nicht mit nach Sendling umziehen, sondern weitgehend in Haidhausen bleiben.

Die Verträge sind noch nicht unterschrieben

Die favorisierte Lösung könnte nur einen Steinwurf entfernt liegen. Gegenüber im Ladenkomplex Motorama stehen seit geraumer Zeit große Flächen leer. "Für die Stadtbibliothek haben wir zusätzliche Standorte in Prüfung, darunter auch eine Option am Rosenheimer Platz", sagte Kulturreferent Georg Küppers. "So könnten wir in Gasteig-Nähe präsent bleiben, denn die Zentralbibliothek ist ja auch die Stadtteilbibliothek für Haidhausen."

Die Räume werden nicht für einen Ersatz in gleicher Größe reichen, doch Magazin und Fahrbibliothek des Bestands müssen ohnehin ausgelagert werden. Die Verträge mit den Motorama-Inhabern sind noch nicht unterschrieben, weshalb sich das Kulturreferat noch vorsichtig äußert. Durch den Verzicht der Stadtbibliothek auf einen Umzug nach Sendling entspannt sich dort die Platznot. Mit Hilfe von Containern sollen fast alle jetzigen Mieter auf dem Gelände bleiben können, sagt Bürgermeister Schmid. Für die Philharmoniker soll ein 30 Millionen Euro teurer Holzbau als Ersatzkonzertsaal errichtet werden.

Ein Quartier auf Zeit

Trotz der grundsätzlichen Einigung zwischen CSU und SPD sind noch ein paar Details offen, die aber einem Beschluss in der kommenden Woche nach Einschätzung auf beiden Seiten nicht entgegenstehen werden. So soll noch nicht feststehen, ob man noch zusätzliche Parkplätze auf dem Gelände in Sendling benötigt. Auch die exakte Zahl der Mieter, die auf dem Areal an der Hans-Preißinger-Straße bleiben können, soll noch unklar sein. Einiges sei "noch nicht ganz ausdiskutiert", sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Auf dem Sendlinger Ausweichquartier befänden sich nicht nur Ateliers, sondern auch Lagerräume. Die müssten etwas anders beurteilt werden.

Auch Grünen-Fraktionschef Florian Roth lobt die aktuellen Gasteig-Pläne, erinnert aber daran, dass der Verbleib der Mieter keineswegs von Anfang an sicher gewesen sei. Die immer wieder angeführten Parkplatzprobleme hält Roth für lösbar - Philharmonie-Besuchern müsse klar gemacht werden, dass es in Sendling keine Stellflächen gibt. In jedem Fall wird es für alle Beteiligten ein Quartier auf Zeit sein. Nach dem für 2025 vorgesehenen Abschluss der Sanierung des Gasteigs sollen auf dem Grundstück, das den Stadtwerken München gehört, Wohnungen entstehen.

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