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Sanierung des Wilhelmsgymnasium:Nachbar will Schulcontainer verhindern

Schüler im Wilhelmsgymnasium in München, 2013

Die Schüler des Wilhelmsgymnasiums müssen umziehen.

(Foto: Robert Haas)

Eigentlich stehen die Bauarbeiten für ein Ausweichquartier für das sanierungsbedürftige Wilhelmsgymnasium kurz bevor - doch nun funkt ein Immobilienbesitzer dazwischen: Er hat bei der Aufsichtsbehörde Beschwerde gegen die Genehmigung eingelegt.

Die Stadt hat lange nach einem Ausweichquartier für das Wilhelmsgymnasium gesucht. Das traditionsreiche Schulgebäude an der Thierschstraße muss dringend saniert werden, die Maßnahmen aber sind so umfangreich, dass während der Bauarbeiten kein normaler Unterricht möglich wäre. Die Schule soll auf das Grundstück der Tivoli-Tennisanlage an der Oettingenstraße umziehen. Das hat der Stadtrat trotz Protests der Tennisspieler beschlossen und die dafür zuständige Lokalbaukommission das Vorhaben genehmigt. Höchstens für sechs Jahre soll dort eine Interims-Containeranlage aufgestellt werden. Eigentlich sollten die Bauarbeiten im November beginnen. Das könnte sich aber verzögern, denn nun hat ein Hauseigentümer Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern eingelegt, die rechtlich die Aufsicht über die Stadt München trägt.

Der Mann, Miteigentümer eines Gebäudes an der Widenmayerstraße, kritisiert, dass das Interimsgebäude rechtlich nicht zulässig sei. Der Schulcontainer beeinträchtigt aus seiner Sicht die Denkmaleigenschaften der unter Ensembleschutz stehenden Widenmayerstraße. Er soll auf einer Fläche errichtet werden, die das Baurecht als sogenannter Außenbereich festlegt. Dort seien nur bestimmte Nutzungen erlaubt, etwa ein land- oder forstwirtschaftlicher Betrieb, eine Windkraftanlage oder Anlagen, die der öffentlichen Versorgung mit Strom oder Wasser dienen - nicht aber Schulen.

Keine Einwände von der Behörde

Auch der gültige Flächennutzungsplan, der die städtebauliche Entwicklung steuern soll, schreibe auf dem Areal des Tennisplatzes eine Sportanlage vor. "Die Stadt hat sich den Container selbst genehmigt und dabei geltendes Recht missachtet", sagt der Anwalt Roland Gerold, der den Immobilienbesitzer vertritt. Er warte noch die Stellungnahme der Stadt ab, die diese bei der Regierung einreichen müsse, und werde dann entscheiden, ob sein Mandant gegen das Vorhaben klagen werde.

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Bei der Stadt geben sich die Verantwortlichen gelassen. Die Lokalbaukommission habe den Interimsbau an der Oettingenstraße Mitte Juli genehmigt, sagt Thorsten Vogel vom Planungsreferat. "Unsererseits wird die hier beabsichtigte temporär befristete Nutzung für schulische Zwecke grundsätzlich für möglich erachtet", erklärt er. Auch die Untere Denkmalschutzbehörde sei in das Verfahren eingebunden gewesen und habe keine Einwände erhoben. Weder Planungsreferat noch Bildungsreferat wollten sich zum jetzigen Zeitpunkt dazu äußern, ob die im Raum stehende Klage das Sanierungsprojekt verzögern wird. Dazu seien noch zu viele Fragen offen.

Michael Hotz, Direktor des Wilhelmsgymnasiums, hofft hingegen, dass die Angelegenheit schnell erledigt sein wird. "Wir brauchen die Generalsanierung baldmöglichst", sagt er. Die Ausgangslage ist eindeutig: In dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert kriecht die Feuchtigkeit an der Außenwand schon bis in die erste Etage, die Heizung funktioniert nicht mehr richtig, die Sanitäranlagen sind marode, an Platz fehlt es sowieso. Ein geregelter Unterricht ist nur noch schwer möglich. Das sah auch der Stadtrat so und gab 54 Millionen Euro für die Generalsanierung frei.

Schüler müssen mindestens für drei Jahre umziehen

Doch damit begannen die Probleme an der Thierschstraße erst so richtig. Wegen der Baustelle - unter anderem entsteht eine unterirdische Turnhalle im Innenhof, der Zwischentrakt wird komplett eingerissen und neu aufgebaut - müssen die Schüler für ungefähr drei Jahre umziehen. Nach stundenlanger Diskussion beschloss der Stadtrat im Januar, dass das Gymnasium an die Oettingenstraße ausgelagert werden soll. Großer Widerstand gegen diesen Standort regte sich in Reihen der damaligen Opposition. Die CSU forderte, das Interimsgebäude auf die sogenannte Pionierwiese zwischen Ifflandstraße und Isar zu verlegen. Dort werde kein Mensch beeinträchtigt - anders als auf der Tennisanlage, sagte der frühere Fraktionschef und jetzige Zweite Bürgermeister Josef Schmid.

Auf dem Gelände der Tivoli-Tennisanlage an der Oettingenstraße soll das Ausweichquartier des Wilhelmsgymnasiums während der Generalsanierung sein.

(Foto: Google Earth)

Die Tennisfreunde hatten zuvor im Internet Unterschriften gesammelt und massiven Protest angekündigt. Alle anderen geprüften Standorte hatten sich allerdings als unbrauchbar erwiesen. "Manche Entscheidungen müssen wir als Kommunalpolitiker einfach treffen, auch wenn sie unbequem sind", sagte Schulbürgermeisterin Christine Strobl (SPD) nach der entscheidenden Sitzung. Nun wird sie sich erneut mit einem Anwohner auseinandersetzen müssen.

© SZ vom 06.10.2014/vewo
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