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Sanierung des Deutschen Theaters:Die Kehrtwende: Mindestsanierung

Die Kehrtwende: Mindestsanierung

Am 7. Mai 2007 beschließt der Stadtrat, das Deutsche Theater zu behalten, und ein Jahr später den Kompromiss einer "Mindestsanierung". Bauherr wird - aus steuerlichen Gründen - nicht die Stadt, sondern die DTGH. Ihr Geschäftsführer Rainer Gebhart, der sich zuvor vor allem mit Gebäudeverwaltung beschäftigt hat, bekommt neue Kompetenzen.

Zugleich wird ein siebenköpfiger Aufsichtsrat gebildet, in dem die Stadtratsfraktionen vertreten sind und an dessen Spitze Bürgermeister Hep Monatzeder steht. Mit der Projektsteuerung sei die Drees & Sommer Projektmanagement betraut, heißt es in der Stadtratsvorlage, schon vor der Abstimmung. Die Firma hat bereits an den Gutachten und Notsanierungen mitgearbeitet. Öffentlich ausgeschrieben wird die Steuerung nicht.

Monatzeder und Gebhart sehen daran nichts Anrüchiges, schließlich sei die Firma bestens eingearbeitet gewesen. Aus dem Aufsichtsrat wird man später anderes hören: Mit Drees & Sommer sei man weniger zufrieden als bei früheren Projekten. Denn im Theaterbereich, so heißt es, verfüge der Projektsteuerer über wenig Erfahrung. Man hört auch, dass es vielleicht keine gute Idee war, der DTGH eine solches Projekt anzuvertrauen, ein "Wagnis" sei das gewesen.

Dabei klingt alles nach einem vernünftigen Kompromiss. Die Pläne werden abgespeckt, der Bau soll mehr als 50 Millionen billiger werden als 2003 noch geplant: 79,5 Millionen Euro netto, inklusive 17,5 Prozent Risikoreserve, zu zahlen von der Stadt. Auf die reine Theatersanierung entfallen 45,7 Millionen, ohne Reserve; der Rest ist für die umgebenden Gebäude gedacht, wo bislang Wohnungen, Gastronomie und Verwaltung untergebracht waren. So ist der Plan, der später an die Preisentwicklung angepasst und auf 86 Millionen Euro aufgestockt wird.

Eine Reserve wird bei vielen öffentlichen Projekten später nicht angetastet. Hier kommt es anders. Zu den Baukosten werden nämlich die Nebenkosten im Theaterbetrieb nicht gerechnet. Weil man während der vorangegangenen Sanierung pausiert und damit schlechte Erfahrungen gemacht hatte, soll es diesmal weitergehen, im Theaterzelt in Fröttmaning.

Dieser Interimsspielbetrieb kommt die Stadt teuer: Denn die Zuschauer akzeptieren Fröttmaning nur zögerlich. Die bislang erzielten Besucherzahlen reichten der DTB "in jedem Fall nicht aus", um auch 2011 die Zusatzkosten alleine aus der bestehenden Kapitalrücklage zu stemmen, heißt es im Juli 2010. Schon die Miete des Theaterzeltes kostet die DTB 2,2 Millionen Euro im Jahr. Sollte das Haus erst im Januar 2013 an das Theater übergeben werden, so heißt es 2010, fielen allein bei der DTB Zusatzkosten von 5,5 Millionen Euro an. Die muss wohl die Stadt tragen.

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