Kunstauktion:Eigenwillig und kompromisslos

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Der Würzburger Herrmann Gerlinger will seine herausragende Expressionisten-Sammlung keinem Museum mehr zur Verfügung stellen - und lässt sie bei Ketterer versteigern.

Von Evelyn Vogel, München

In drei deutschen Museen war die Expressionisten-Sammlung von Hermann Gerlinger zeitweilig als Dauerleihgabe zu sehen. Zuletzt, bis zum Herbst vergangenen Jahres, im Buchheim-Museum in Bernried. Wie jetzt bekannt geworden ist, wird der Würzburger Unternehmer und Kunstsammler die mehr als 1000 Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Fritz Bleyl, Emil Nolde, Max Pechstein, Otto Mueller und anderen bei Ketterer in München versteigern lassen. Die einzigartige geschlossene Sammlung zu den "Brücke"-Malern wird damit aufgelöst. Der Erlös - das Auktionshaus rechnet mit Verkäufen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich - soll der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem BUND Naturschutz und der Stiftung Juliusspital in Würzburg zugute kommen.

Hermann Gerlinger, geboren 1931 in Würzburg, führte in seiner Heimatstadt bis 1987 einen mittelständischen Betrieb für Haustechnik, den er vom Vater übernommen hatte. Seit den Fünfzigerjahren trug er eine der wichtigsten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus zusammen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, die die "Brücke" 1905 in Dresden gegründet hatten. Gerlinger gilt als einer der bekanntesten "Brücke"-Kenner - aber auch als leidenschaftlich, eigenwillig und kompromisslos.

Kunstauktion: Hermann Gerlinger trug seit den Fünfzigerjahren eine der wichtigsten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus zusammen.

Hermann Gerlinger trug seit den Fünfzigerjahren eine der wichtigsten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus zusammen.

(Foto: Peter Endig/picture alliance/dpa)

Sowohl aus Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein als auch aus dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt zog der Sammler seine Werke wieder ab, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten wegen der Präsentation seiner Kunstwerke gekommen war. Am Starnberger See schien die Sammlung ihre letzte Heimstatt gefunden zu haben. Das Buchheim-Museum zeigte die Werke in mehreren Ausstellungen, aktuell sind noch einige in der Schau "Brücke & Secession" zu sehen. Doch auch hier kam es vergangenes Jahr zu Verwerfungen, und das Leihverhältnis wurde im September im Rahmen einer Vergleichsvereinbarung gegen Erhalt einer Abstandszahlung aufgelöst. Zwar bedauere er zutiefst, dass die Sammlung durch die Versteigerung aufgelöst werde. Aber, so der 90-jährige Gerlinger: "Jetzt ist die Zeit gekommen, die Werke der nächsten Generation von Sammlern ganz direkt zur Verfügung zu stellen. Wenn die junge Generation mit den Arbeiten selbst leben kann, wird sie ihren ganz eigenen Zugang zu den Brücke-Künstlern und der Brücke-Kunst finden. Ich möchte mithelfen, die Faszination für diese Kunst weiterzutragen und für die Zukunft zu bewahren."

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